Vier Jahre nach Entdecken des NSU: Rechtsterrorismus bleibt blinder Fleck der deutschen Sicherheitspolitik

Vier Jahre nach Entdecken des NSU: Rechtsterrorismus bleibt blinder Fleck der deutschen Sicherheitspolitik Foto: W. Reichenbächer

(LOZ). Anlässlich des 4. Jahrestages der Aufdeckung des NSU-Terrors erklärt Konstantin von Notz, schleswig-holsteinischer Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Fraktionsvorsitzender:

„Mit großer Sorge und Betroffenheit stellen wir fest, dass vier Jahre nach Bekanntwerden der NSU-Morde beinahe täglich Anschläge durch Rechtsextreme auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte und mittlerweile auch auf engagierte Bürger, Politiker und Journalisten verübt werden.

Wir erleben aktuell eine Eskalation der Gewalt. Gerade die jüngsten brutalen Angriffe auf syrische Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt erschrecken uns in höchstem Maße.

Leider haben Bundesregierung und Sicherheitsbehörden immer noch nicht die notwendigen Konsequenzen aus dem NSU-Terror gezogen. Der Verfassungsschutz hat erneut eine Phase der Radikalisierung rechter Bewegungen nicht rechtzeitig erkannt. Erst jetzt wird vom Verfassungsschutzpräsidenten eingeräumt, dass wir massive Probleme mit rechtsextremer Gewalt haben.

Wir erwarten, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz endlich valide und detaillierte Einschätzungen des Gefahrenpotentials liefert. Auf solche Analysen sind wir als Sicherheitspolitiker dringend angewiesen, um mit entsprechenden Maßnahmen reagieren zu können.

Die Analyseunfähigkeit im Bereich Rechtsextremismus ist deshalb auch unter anderem ein Grund dafür, dass der Deutsche Bundestag jetzt einen zweiten parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum NSU-Terror einsetzt. Wir wollen herausarbeiten, ab wann die Sicherheitsbehörden der Bundesrepublik vom NSU-Netzwerk wussten oder hätten wissen können.

Strategien und Instrumente zur Analyse und Bekämpfung des Rechtsextremismus gehören dringend auf den Prüfstand. Das schulden wir den Opfern des NSU und ihren Familien. Das schulden wir aber auch den Menschen, die ganz aktuell Opfer rechter Gewalt geworden sind oder sich derzeit massiv bedroht fühlen.“

Letzte Änderung am Dienstag, 03 November 2015 19:56
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