Sonntag, 16 September 2012 12:49

Kernkraftwerk Krümmel, was passiert jetzt? – Offensichtlich erst einmal gar nichts!

Bürgerinformationsabend enttäuschte auf ganzer Linie, warf viele Fragen auf, gab aber kaum Antworten

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Die Expertenrunde mit Moderator Jürgen Vollbrandt (Mitte): Michael Hoffmann (Bundesamt für Strahlenschutz), Thorsten Fricke, Ingo Neuhaus (beide Vattenfall), Wolfgang Cloosters, Oliver Karschnick (beide Atomaufsicht Kiel), Wolfgang Neumann (intac) (v.l). Fotos: T. Bartel

 

Geesthacht (tba). Der Ratssaal war bis auf den letzten Platz besetzt und selbst die Fensterbänke dienten als Sitzplätze. Circa 200 Besucher waren zum Informationsabend gekommen, den die Stadt Geesthacht, die ElternInitiative Geesthacht und die BUND Ortgruppe mit Unterstützung des Umweltbeirats organisiert hatten. Als Experten waren Vertreter der Atomaufsicht Kiel, des Bundesamtes für Strahlenschutz ein Physiker vom Gutachterbüro „intac“ sowie Vertreter von Vattenfall eingeladen worden.

Einigkeit herrschte bei allen Beteiligten darüber, dass das Kernkraftwerk Krümmel (KKK) nie wieder ans Netz gehen wird. Aber das war es dann auch schon. Denn bei der Frage, was denn nun mit dem sogenannten „Pannenreaktor geschehen soll, gingen die Meinungen weit auseinander und des weiteren vor allem in der Frage, was in welchem Zeitfenster nun geschehen soll.

Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten laut Gesetz, das ungeliebte KKK los zu werden. Entweder betreibt man den sogenannten „Sicheren Einschluss“ oder entscheidet sich für den Weg des kompletten „Rückbaus“.

„Wir haben Erfahrung mit der Stilllegung solcher Anlagen“, sagt Dr. Wolfgang Cloosters von der Atomaufsicht, „der sichere Einschluss ist eine Möglichkeit, die wir jedoch nicht befürworten und plädieren daher für den Rückbau.“

Tatsache, egal für welche Alternative sich hier entschieden wird, ist, dass das Gebäude noch eine lange Zeit stehen bleiben wird.

Bei beiden Methoden müssen auf jeden Fall die circa 1.000 Brennstäbe, die sich in einem Lagerbecken gefüllt mit 1.500 Kubikmeter Wasser befinden, ausgebaut werden, bevor mit dem Abriss oder der Einschließung begonnen werden kann.

„Um dieses Procedere zu starten, müssen die Brennelemente allerdings in einem speziellem Becken abkühlen“, erläutert Physiker Dr. Wolfgang Neumann vom Gutachterbüro „intac“, „und das braucht circa vier Jahre.“

 

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Mehr als 200 Besucher kamen zum Bürgerinformationsabend ins Rathaus

 

Die nächste Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, wohin eigentlich mit dem radioaktiven Abfall?

„Solange wir noch kein entsprechendes Zwischen- bzw. Endlager für den Atommüll gefunden haben“, so Dr. Oliver Karschnick von der Atomaufsicht, „wird sich hier nichts bewegen.“

Im Großem und Ganzem gehen die Experten davon aus, dass allein schon das entsprechende Genehmigungsverfahren, egal ob Rückbau oder Einschließung, drei bis vier Jahre dauern wird und somit wird es wohl 15 bis 20 Jahre dauern, bis mit Krümmel endgültig Schluss ist.

Aber soweit ist es noch lange nicht. „Krümmel muss dringend geschlossen werden“, sagt Wolfgang Cloosters, „aber seitens Vattenfall liegt uns bisher kein entsprechender Antrag vor und ohne diesen können wir gar nichts entscheiden und die Sache in Gang bringen.“

Vattenfall hält sich in dieser Frage bedeckt. „Wir werden die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, aber alles muss sorgfältig geprüft werden“, sagt Ingo Neuhaus von Vattenfall, „und dann werden wir entscheiden, welche der beiden Möglichkeiten für uns in Frage kommt, dies allerdings auch unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte.“

 

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Von Ingo Neuhaus (Vattenfall) gab es keine klaren Antworten

 

Krümmel hat nach Auffassung von Vattenfall derzeit sowieso keine Priorität. „Nach unserem Zeitplan werden wir zunächst einen Antrag für Brunsbüttel stellen und dann erst für Krümmel“, so Neuhaus, „es müssen erst einmal entsprechende Castor-Behälter gekauft werden, für Brunsbüttel haben wir damit bereits begonnen, aber die ‚Dinger‘ bekommt man ja auch nicht an jeder Ecke“, und weiter, „Krümmel hatten wir im Übrigen bis zur Katastrophe von Fukushima noch gar nicht auf unserer Liste.“

Physiker Dr. Neumann konnte an dieser Stelle auf der Veranstaltung dann nur noch den Kopf schütteln. „Sicherlich muss das alles sorgfältig geplant sein, aber die offensichtliche Untätigkeit des Unternehmens stößt bei mir auf völliges Unverständnis“, so sein Schlusswort an die Besucher.“

Es wird also noch eine lange Zeit dauern, bis Krümmel endgültig verschwunden ist, aber „auch wenn das KKK seine Daseinsberechtigung verloren hat, soll das Gebäude wenigstens eine schöne Fassade haben,“ so Thorsten Fricke von Vattenfall, „und das haben wir mit der bunten Plakatierung ja wohl auch erreicht.“

Letzte Änderung am Montag, 24 September 2012 15:21
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