Samstag, 19 April 2014 13:46

Tabu-Thema 'Depression' - eine Betroffene erzählt

Ratzeburg/Geesthacht (aa/pm). "Die Anfragen zu dem Themenschwerpunkt Depressionen, Mobbing, Burnout auch im Zusammenhang mit Suchtproblemen nehmen bei KIBIS einen großen Schwerpunkt ein. Auch im vergangenen Jahr sind die Beratungen zu psychosozialen Themen am häufigsten (132) gewesen", erklärt Renate Schächinger von KIBIS (Kontakte Information Beratung im Selbsthilfebereich). In den letzten 18 Monaten sind im Kreis Herzogtum Lauenburg auch wieder drei neue Selbsthilfegruppen zu dem Themenspektrum entstanden. In Ratzeburg die Selbsthilfegruppe: “Angst, Panikattacken und Depressionen“, in Lauenburg die Selbsthilfegruppe:“Der Sonne entgegen“ und in Geesthacht die Selbsthilfegruppe:“die Angsthasen“. Außerdem gibt es in Mölln schon seit Jahren eine Selbsthilfegruppe: „Angst, Panik und Depressionen“ sowie in Schwarzenbek die „Mutmachgruppe“.

Das Thema 'Depressionen' ist nach wie vor ein sehr verbreitetes Thema, aber auch immer noch ein Tabu-Thema. "Das war für uns der Anlass dazu, eine Lesung zu machen", erklärt Renate Schächinger weiter. Mit den Lesungen in Ratzeburg, am Freitag, 9. Mai, und in Geesthacht am Donnerstag, 5. Juni, möchte KIBIS weiter zum Thema informieren, auf die bestehenden Selbsthilfegruppen hinweisen und Mut zur Selbsthilfe machen. Mit Tanja Salkowski konnte für die Lesung eine Autorin gewonnen werden, die selbst Betroffene ist. Die Groß Grönauerin wird aus ihrem im November 2013 erschienenen Buch “Sonnengrau- Ich habe Depressionen- na und?“ vorlesen.

Das Buch ist die unverblümte Geschichte einer Gestrandeten, die akzeptiert hat und kämpft und das Thema Depressionen in die Gesellschaft tragen möchte. "Mir war es wichtig, ein Buch zu schreiben, das alle Fakten auf den Tisch legt. Ich wollte aber kein Jammer-Buch. Es ist deswegen auch ein bisschen Witz drin und soll Mut machen", sagte Tanja Salkowsi. Mit völliger Transparenz schildert sie in dem Buch ihren eigenen Leidensweg. "Mit dem Buch ziehe ich mich quasi nackt aus. Wer das liest, kennt mich danach sehr gut", verrät die Autorin. Die Diagnose 'Depression' bekam sie im Jahr 2008 gestellt. Auslöser war ein Mobbingfall beim damaligen Arbeitgeber. "Aber die Ursachen gingen viel tiefer", so Tanja Salkowski weiter. Heute kann sie sehr offen mit dem Thema umgehen, doch über viele Jahre habe sie es geheim gehalten und nach außen eine perfekte Fassade aufgebaut. Es sei ihr peinlich gewesen, zudem hatte sie Angst, Freunde und Job zu verlieren.

Wie sich dann herausstellte, war diese Furcht nicht unbegründet. "Nach fünf Jahren hatte ich einen kompletten Zusammenbruch mit Selbstmordversuch", beschreibt Tanja Salkowski rückblickend. Es folgte eine lange Email an Freunde, Bekannte und Familie, in der sie sich outete. "Einen Tag später waren 80 Prozent der Freunde weg", beschreibt sie die bittere Erkenntnis, "Das ist heftig. Trotzdem rate ich jedem Betroffenen, diesen Schritt zu tun - es lohnt sich trotzdem." So habe sie sich nach dem Outing sehr befreit gefühlt, es ausgesprochen zu haben. Salkowski: "Ich habe jetzt zwar nur noch drei Freude statt 30, aber auf die drei kann ich mich verlassen."

Danach habe sie überlegt, was sie als einzelner Mensch tun kann, damit das Tabu-Thema öffentlich wird. "Mein Ventil ist das Schreiben", sagt sie. So begann Tanja Salkowski, ihre Gedanken, ihre Geschichte zunächst unter einem Pseudonym in einem Blog im Internet zu veröffentlich. Dort erhielt sie unerwartet große Resonanz. "Ich habe gemerkt, ich bin nicht allein", erzählt sie weiter. Aus dem Blog wurde schließlich ein Buch, das mit rund 6.000 verkauften Exemplaren bereits in der dritten Auflage erschienen ist. Sie hält bundesweit Lesungen und in Kürze soll das Buch sogar in Südkorea, einem Land mit hoher Selbstmordrate aufgrund von Stress, verlegt werden. Tanja Salkowski hat vor kurzem auch ein Radioprojekt zum Thema Depressionen gestartet.

Nach einiger Wartezeit erhielt sie einen Therapieplatz. Depressionen habe Tanja Salkowski immer noch. "Aber ich bin jetzt bei weitem stabiler als vorher. Ich kenne meine Grenzen und kann leichter 'Nein' sagen. Ich merke einen Depressionsschub einige Tage vorher und weiß jetzt, was ich dann zu tun habe", beschreibt sie ihre aktuelle Situation. Sie brauche aber noch eine ambulante Therapie, doch müssten Betroffene hier oft mit Wartezeiten von einem Jahr zurechtkommen.

Die Lesungen finden in Ratzeburg im Petri-Forum, Am Markt 7, am Freitag, 9. Mai, um 19 Uhr und in Geesthacht, im Gemeindehaus der Christuskirche, Neuer Krug 4, am Donnerstag, 5. Juni um 19 Uhr in Kooperation mit der Selbsthilfegruppe: „die Angsthasen“ statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Weitere Infos unter www.kibis-herzogtum-lauenburg.de.

Letzte Änderung am Samstag, 19 April 2014 13:59
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