Donnerstag, 04 Oktober 2012 13:59

Helmholtz-Zentrum Geesthacht sucht den Dialog mit den Bürgern

Vom kompletten Reaktorrückbau bis zur „Grünen Wiese“ ist es noch ein weiter Weg

Luftbild Forschungsreaktor tba

Der Rückbau des HZG-Forschungsreaktors wird bis 2030 dauern. Foto: HZG

 

Geesthacht (tba). Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) betreibt den Forschungsreaktor an der Max-Planck-Straße, der auch immer wieder mit der auffällig hohen Zahl an Leukämieerkrankungen bei Kindern in den vergangen Jahren in Verbindung gebracht wurde. Der „kleine“ Nachbar von Krümmel (Betreiber Vattenfall) startet nun die Aktion „HZG im Dialog“. Im Gegensatz zu Vattenfall versucht das HZG eine Bürgerbeteiligung herzustellen und zu erklären, was auf dem Gelände bisher passiert ist und noch passieren wird.

Circa 100 Interessierte besuchten die Informationsveranstaltung, die kürzlich im HZG-Hörsaal auf dem Firmengelände stattfand. Die Veranstaltung wurde moderiert von Silke Freitag und Tammo Krüger, beide erklärte Kernkraftgegner und Aktivisten.

„Wir haben uns gewundert, dass gerade wir als Moderatoren vom HZG eingeladen wurden“, sagte dann auch Silke Freitag, „aber es zeigt, dass das HZG an einem echten Dialog interessiert ist.“

 

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Kernkraftgegnerin Silke Freitag moderierte die Veranstaltung. Foto: T. Bartel

 

Professor Dr. Wolfgang Kayser, wissenschaftlicher Leiter des HZG, gab zunächst einen kurzen Überblick, wozu der Forschungsreaktor überhaupt diente und was geplant war.

„Zunächst einmal ging es um das nuklearbetriebene Schiff ‚NS Otto Hahn‘. Die Antriebsart ist zwar von uns entwickelt worden, aber schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass sich dieses Projekt nicht amortisieren wird und wurde daher eingestellt“, sagte er in seinem Vortrag und weiter, „der Forschungsreaktor ‚FRG1‘ hatte eine Leistung von maximal fünf Megawatt. An eine Stromversorgung der Bevölkerung mit einer so geringen Leistung war nie gedacht, ebenso wenig wie an einer Urananreicherung, um militärische Waffen herzustellen. Hier ging es um die Herstellung von Neutronen, die der Materialerforschung dienen.“

Der Reaktor war 52 Jahre in Betrieb und wurde am 28. Juni 2010 endgültig abgeschaltet. Die letzten 25 Brennelemente wurden am 24. Juni 2012 nach Nordenham transportiert und von dort in Richtung USA verschifft. „Dort sind diese Brennstäbe auch hergestellt worden“, erläutert Dr. Peter Schreiner, wissenschaftlicher Leiter des HZG, „und auf Grund eines Rücknahmevertrages war dies kein Problem.“

Damit ist die kerntechnische Anlage in Geesthacht komplett frei von Brennelementen aller Art. Ebenfalls abgerissen wurde in der Zwischenzeit auch der Kühlturm der Anlage und ein Büroanbau.

„Wir haben auf unserem Gelände keine hochradioaktiven Abfälle“, so Peter Schreiner in seinem Bericht, „jedoch schwach und mittel radioaktive Abfälle sind noch vorhanden.“

 

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Prof. Dr. Wolfgang Kayser (li) und Dr. Peter Schreiner erklärten den Besuchern den Ablauf des Rückbaus des Forschungsreaktors aus Betreibersicht.

Fotos: T. Bartel

 

Diese bereiten allerdings noch einige Probleme. Aus seiner Sicht können diese nämlich frühestens im Jahr 2020 abgegeben werden, werden dann wohl in den Schacht „Konrad“ gehen, müssen aber bis dahin von dem HZG zwischengelagert werden.

Ebenfalls Probleme bereitet der Reaktorbehälter der „NS Otto Hahn“. Dieser ist zwar auch frei von Brennelementen, aber der Abtransport des ‚Torsos‘ gestaltet sich schwierig. Der Abtransport in einem Stück ist nach heutiger Rechtslage nicht möglich, da er zu gefährlich für die Umwelt wäre. Also muss dieser in Einzelteile zerlegt werden. Um hier eine entsprechende Spezialfirma zu finden, läuft derzeit eine europaweite Ausschreibung. Zur Zeit liegt das ‚Teil‘ in einem Betonbehälter.

Dr. Schreiner geht davon aus, dass bis Ende November alle Anträge und Unterlagen für den Rückbau vorliegen und dann auch mit der Abwicklung begonnen werden kann.

„Von der Möglichkeit des sogenannten ‚sicheren Einschlusses‘ haben wir Abstand genommen“, betont Dr. Schreiner, „denn diese Möglichkeit ist bei den Bürgern verpönt und wird nicht angenommen.“

Der Rückbau des Forschungsreaktors hat allerdings seinen Preis. Bis zur ‚Grünen Wiese‘ werden wohl geschätzte 150 Millionen Euro an Kosten anfallen, 90 Prozent davon wird der Bund und die verbleibenden zehn Prozent  die Länder Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein übernehmen. Und es wird noch viel Zeit ins Land gehen.

Die komplette Abwicklung des Rückbaus wird wohl bis zum Jahr 2030 dauern.

Letzte Änderung am Donnerstag, 11 Oktober 2012 16:14
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