Montag, 08 Oktober 2012 15:36

Hinter den Kulissen des kTS brodelt es gewaltig

Gab es Erpressung und Scheinselbständigkeit im Theater?

Droht nun eine finanzielle Schieflage und muss eine Insolvenz beantrag werden? kTS

 Das kTS in der Schillerstrasse. Foto: T. Bartel

 

Geesthacht (tba).  Begonnen hatte das „theaterreife“ Stück bereits im Mai. Auslöser des Ganzen war wohl ein Schreiben, welches unserer Redaktion vorliegt, gerichtet an Bürgermeister Dr. Volker Manow.

In einem Schreiben erhebt der ehemalige stellvertretende technische Leiter des kTS schwere Vorwürfe gegen den Leiter des Theaters, Ulrich Jacobi. In dem Brief, der an Bürgermeister Dr. Volker Manow ging, der auch gleichzeitig Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des kTs ist, wird Jacobi sowohl geschäftlich als auch menschlich Inkompetenz vorgeworfen.

In dem Schreiben wird Ulrich Jacobi beschuldigt, er hätte für die Aufgabe des Geschäftsführers keinerlei Kompetenz. Der Verfasser des Briefes sieht daher das Theater bereits kurz vor der Insolvenz. Auch würde es dem Theaterchef an Personalkompetenz mangeln. Weitere Vorwürfe sind, dass sich Jacobi über die Gesellschafterversammlung lustig machen würde, und diese um 40.000 Euro „erpresst“ habe. Als Druckmittel soll Jacobi eine drohende Insolvenz genutzt haben.

Fakt ist, dass der Etat des Theaters von der Ratsversammlung für das Jahr 2012 erheblich gekürzt wurde. Ebenfalls Tatsache ist, dass der Etat dann im Nachhinein, und zwar im März diesen Jahres, vom Bürgermeister in einem Verwaltungsakt um 56.000 Euro erhöht wurde, was auch aus dem Rathaus bestätigt wurde. Rechtlich gesehen sei dies korrekt und die Ratsversammlung muss von einer solchen Entscheidung des Verwaltungschefs lediglich in Kenntnis gesetzt werden.

Theaterleiter Ulrich Jacobi dementierte gegenüber der Lauenburger Online-Zeitung vehement, je von einer „Erpressung“ gesprochen zu haben. Sein Antrag sei allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten und sachlich erfolgt und nur unter diesen Aspekten habe er sich gegenüber der Öffentlichkeit geäußert.

Der ehemalige Mitarbeiter Thorsten Türpitz, der auch unter dem Künstlernamen Thorsten Kremer auftritt, bestätigte unserer Zeitung allerdings gegenüber, Jacobi hätte tatsächlich damit geprahlt, die Gesellschafterversammlung um 40.000 Euro „erpresst“ zu haben. „Das hat Ulrich Jacobi so gesagt. Ich weiß das genau, denn ich war bei einem dieser Gespräche dabei“, so Türpitz.

Für den Verfasser des oben genannten Schreiben endete die Anstellung beim Theater dann schneller als gedacht. Der Brief wurde an Jacobi weitergeleitet, der den Verfasser daraufhin vor die Tür setzte (das Schreiben liegt der Redaktion vor). „Das Vertrauensverhältnis ist derartig gestört, dass eine Weiterbeschäftigung nicht mehr möglich ist und hiermit eine unverzügliche Freistellung nebst Kündigung erfolgt“, heißt es in dem Schreiben.

Auf der kTS-Gesellschafterversammlung im Mai war das Vertrauen der Delegierten dem Theaterleiter gegenüber bereits getrübt. Auf der Versammlung stand unter anderem die Position des Theaterleiters zur Debatte. Bei der Abstimmung, ob Jacobi im Amt bleiben kann, stand es zunächst 3:3 Stimmen (SPD und Grüne stimmten gegen Jacobi) bis letztendlich die Stimme des Bürgermeisters für einen Verbleib des Intendanten sorgte und die Abstimmung somit 4:3 für Jacobi ausging.

Den nächsten Akt dieser Inszenierung läutete dann oben genannter Thorsten Türpitz ein.

Er kümmerte sich circa acht Jahre um den Kartenverkauf, das Foyer und die damit verbundenen Gastronomie. Nach Unstimmigkeiten mit Ulrich Jacobi musste auch er seinen Hut im Mai nehmen und zieht nun vor Gericht, nachdem ein vorher stattgefundener Gütetermin nicht erfolgreich war. In seiner Klage vor dem Arbeitsgericht in Lübeck geht es um die Frage, ob er ein scheinselbständiger Angestellter oder ein selbständiger Unternehmer war.

Kommt das Gericht am 13. Dezember zu dem Schluss, dass hier eine Scheinselbständigkeit über Jahre vorlag, wie Thorsten Türpitz behauptet, so könnten nachträgliche Zahlungen für nicht geleistete Sozialabgaben in Höhe von 65.000 bis zu 120.000 Euro auf das kTS zukommen.

Ulrich Jacobi und Bürgermeister Manow sehen die Sache gelassen. „Herr Kremer war im kTS freiberuflich tätig und hatte nie kaufmännische Befugnisse. Wir gehen hier von einer selbständigen Tätigkeit aus“, sagen Jacobi und Manow.

Türpitz sieht das ganz anders. „Ich bin kein Gastronom und hatte für den gastronomischen Betrieb des kTS nie eine Konzession. Im Übrigen habe ich zeitweise mehr als 200 Stunden im Monat für das Theater gearbeitet, wie sollte ich mich denn da noch um weitere Auftraggeber kümmern“, so seine Aussage gegenüber der Lauenburger Online-Zeitung, „und Herr Jacobi hat mir seit Jahren eine Festanstellung zugesichert.“

Eng könnte es für das kTS werden, wenn das Gericht doch von einer Scheinselbständigkeit ausgeht. Die Höhe der Nachzahlungen könnten das Theater endgültig in eine Schieflage bringen.

Bürgermeister Manow beruhigt: „Insolvent gehen kann das Theater nicht, weil immer die Stadt als Gesellschafter einspringen würde.“

Die Fraktionsvorsitzenden der CDU, SPD, FDP und der Grünen stimmen dem zwar zu, haben jedoch teilweise Vorbehalte. „Es gibt hier keinen Weg zurück, wir wollen das kTS auf jeden Fall erhalten“, so Rüdiger Tonn von der FDP. „Ich gehe nicht von einer Scheinselbständigkeit von Herrn Türpitz aus“, sagte Karsten Steffen, Fraktionsvorsitzender der CDU auf unsere Nachfrage hin, „sollte dem aber so sein, wird die Stadt wohl in den sauren Apfel beißen und zahlen müssen, denn das kTS kann es ja nicht.“ Ali Demirhan (Die Grünen) sieht hier ein schwieriges Problem auf die Stadt zukommen. „Auch wir werden das kTS nicht unkontrolliert schließen lassen. Sollte es hier jedoch zu Fehlentscheidungen gekommen sein, so müssen Ross und Reiter genannt und herausgefunden werden, wer dafür verantwortlich war, und dann müssen gegebenenfalls personelle Entscheidungen getroffen werden.“. Samuel Bauer (SPD) geht noch weiter: „Wir sehen die ganze Sache äußerst kritisch und sind mit der Arbeit von Ulrich Jacobi sowieso nicht 100 Prozent zufrieden. Das kTS wird nicht Pleite gehen, aber das personelle Umfeld muss sich komplett ändern.“

Am 13. Dezember wird vor dem Arbeitsgericht in Lübeck darüber verhandelt, ob in diesem Fall eine Scheinselbständigkeit vorlagt. Wie es dann mit dem Theater weitergeht wird sich dann entscheiden.

Letzte Änderung am Dienstag, 16 Oktober 2012 19:23
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