Freitag, 06 Februar 2015 19:01

Kahlschlag auf der Werfthalbinsel vernichtet Brutraum der Geesthachter Nachtigallen

Gerhard Boll betrachtet die traurigen Überreste einer einst prachtvollen Schwarzpappel. Gerhard Boll betrachtet die traurigen Überreste einer einst prachtvollen Schwarzpappel. Foto: Renate Lefeldt

Geesthacht (LOZ). Auf einen Hilferuf des Naturschutzbundes NABU reagierten die Grünen sofort. Am Mittwoch erhielten sie eine Mail, dass „beim NABU helle Aufregung und Entsetzen herrsche über die Abholzaktion auf dem westlichen Teil der Werfthalbinsel“. Am Donnerstagvormittag machten die grünen Fraktionsmitglieder Bettina und Gerhard Boll sowie Renate Lefeldt sich vor Ort ein Bild vom Ausmaß des Schadens.

Auf der Hafenseite der Werfthalbinsel wurden die Weiden radikal herunter geschnitten. Das ist normalerweise eine regelmäßige Pflegemaßnahme. Die Weiden wachsen sehr schnell wieder nach. Nicht berücksichtigt wurde dabei aber, dass gerade hier die in Afrika überwinternden Nachtigallen am Buschrand meist direkt am Boden ihre Nester bauen. Hier sind im Sommer die meisten Nachtigallen anzutreffen sind, für die Geesthacht über die Stadtgrenzen hinaus berühmt ist. Im kommenden Sommer werden sie die Vogelfreunde an dieser Stelle wohl nicht mit ihrem wundervollen Gesang erfreuen.

Darüber hinaus wurde eine prächtige, vielarmige Schwarzpappel ein Opfer der Säge. Nur ein trauriger Stumpf blieb übrig. Auf Nachfrage im Rathaus erhielt Gerhard Boll die seltsame Antwort, dass keiner wisse, wer die Aktion in Auftrag gegeben habe. Boll teilte dort mit, dass sich einige Grüne um 11 Uhr vor Ort ein Bild machen würden. Dazu kamen auch Jürgen Pflantz, Leiter des Fachdienstes Umwelt sowie Franko Stein und Ulrike Stüber. Aufklären konnten sie nur insoweit, dass der Grund in Gefahren läge, die herabfallende Äste sein könnten für an den Stegen liegende Binnenschiffe und Spaziergänger. Sie räumten allerdings ein, dass man sensibler hätte vorgehen können. So hätte die Pflege der Uferbepflanzung abschnittsweise vorgenommen werden können. Bei der Schwarzpappel hätte wohl auch eine Auslichtung der Krone den Zweck erfüllt.

So aber wurden irreparable Fakten geschaffen. Dazu Boll: „Es hat sich in den letzten Jahren sehr bewährt, dass derartige Vorhaben im Voraus bekanntgemacht wurden. Bei Ortsbegehungen konnte die Notwendigkeit des Vorhabens erläutert, Einwände vorgebracht und Alternativlösungen gesucht werden.“

Die Vertreter des Rathauses versprachen, in Zukunft sensibler vorzugehen und wieder im Voraus zu informieren. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob irgendjemand die Verantwortung dafür übernimmt, dass derartig sorglos mit unserer Natur umgegangen wird.

 

hfr Abholzaktion Weiden kw6 15

Hier wurden verantwortungslos die Brutmöglichkeiten der Nachtigallen zerstört. Foto: Renate Lefeldt

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