Dienstag, 10 Februar 2015 10:26

Brandanschlag in Escheburg: Mölln sollte sich niemals wiederholen

Brandanschlag in Escheburg: Mölln sollte sich niemals wiederholen Foto: W. Reichenbächer

Escheburg (LOZ/wre). Gestern gegen die Mittagszeit wurde ein Brandanschlag in Escheburg auf ein Wohnhaus verübt, in dem Asylbewerber einziehen sollten. Vermutlich mit einem Molotow-Cocktail, der durch ein Fenster geworfen wurde, wurde das Feuer gelegt. Personen kamen nicht zu schaden, aber es entstand ein erheblicher Sachschaden an dem von der Gemeinde erst kürzlich erworbenen Haus. Obwohl die Tat am helllichten Tag geschah, gibt es zunächst keine Zeugen.

Der Juso-Kreisvorsitzende Calvin Fromm zu dem Brandanschlag auf das Asylbewerberwohnheim in Escheburg: „Dass Flüchtlinge sich sozusagen mitten in unserer Nachbarschaft solcher Attacken ausgesetzt sehen müssen, beschämt mich zutiefst. Rund 13 Jahre nach dem Brandanschlag von Mölln sieht sich der Kreis Herzogtum Lauenburg schon wieder mit den abscheulichen Folgen von Fremdenfeindlichkeit konfrontiert. Wer diffuse Ängste als Rechtfertigung für Fremdenfeindlichkeit annimmt, musste noch nie erleben, mit Feuer empfangen zu werden. Wir fordern, dass der Fall aufgearbeitet wird, damit sich dies nicht wiederholt.“

Fabian Harbrecht, Pressesprecher der Jusos Herzogtum Lauenburg ergänzt: „Diese Menschen fliehen vor Kriegen, Gewalt und vor Vertreibung nach Deutschland. Ihnen muss Schutz geboten werden. Eine Willkommenskultur ist dies nicht. Nur noch mehr Offenheit und eine solidarischere Gesellschaft kann die Antwort sein, um dem zu begegnen. Derartigen Ressentiments muss hingegen entschieden begegnet werden.“

Auch der Beauftragte für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen des Landes Schleswig-Holstein Stefan Schmidt ist entsetzt über den Brandanschlag auf die für die Unterbringung von Asylsuchenden vorgesehen Unterkunft in Escheburg. „Wer mit solch unfassbarer Gewalt die Aufnahme von schutzsuchenden Flüchtlingen verhindern will, zeigt seine menschenverachtende Gesinnung. Die Bevölkerung und die Politik müssen dieser rassistischen Tat entschieden entgegengetreten“, sagte Schmidt heute in Kiel.

Im ganzen Land setzten sich viele Menschen ehrenamtlich für die Aufnahme von Flüchtlingen ein und unterstützten diese im täglichen Leben. „Vor diesem Hintergrund hoffe ich, dass die Brandstifter keine Nachahmer finden werden“, so der Beauftragte.

Die Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer (SPD) erklärt: „Menschen, die auf Flüchtlingsunterkünfte Brandanschläge verüben, verweigern sich unserer Wertegemeinschaft und haben ihrerseits ein Integrationsproblem. Der Anschlag ist niederträchtig.“

Mit Blick auf mögliche vorbeugende Maßnahmen schlägt Scheer eine bessere Willkommens-Kommunikation am Ort der unterzubringenden Flüchtlinge vor. „Ein deutliches und öffentliches Willkommen-Erklären vor Ort und in der Umgebung von Unterkünften im Vorfeld der Ankunft von Flüchtlingen könnte möglicherweise aufkeimender Gewalt gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünften entgegenwirken“, so Scheer. Es dürfe nicht sein, dass Gewalt an die Stelle von Kommunikation trete und hiermit einer Gesellschaft der Gewalt-Stempel aufgedrückt werde.

Letzte Änderung am Dienstag, 10 Februar 2015 12:41

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