Dienstag, 10 Februar 2015 17:57

Statements zum Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft in Escheburg

Statements zum Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft in Escheburg Foto: W. Reichenbächer

(LOZ). Auch der Kirchenkreis und die Politik haben sich zu Wort gemeldet, und verurteilen den Brandanschlag auf die Asylunterkunft in Escheburg.

Petra Kallies, Pröpstin Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg:

„Wer zieht da in unsere Nachbarschaft? Eine Frage, die Menschen stellen dürfen und die beantwortet werden muss. In Escheburg aber hat der Kauf eines Hauses als Unterkunft für Flüchtlinge eine Lawine von Protesten ausgelöst und schließlich zu einer Tat geführt, die aufs Schärfste zu verurteilen ist. Ein Brandsatz hat das Haus beschädigt. Menschen sind Gott sei Dank nicht zu Schaden gekommen, aber der für heute geplante Einzug der Flüchtlinge verzögert sich nun.

Die Symbolik ist beschämend. Während die materiellen Schäden hoffentlich zügig behoben werden können, zielt der Anschlag gleichermaßen auf unser Verständnis von Gastfreundschaft und Fürsorge – am Ende auf das, was unserer Gemeinschaft Halt gibt, das Gebot der Nächstenliebe.

In vielen anderen Orten gelingt das Zusammenleben von Einheimischen und Asylsuchenden gut. Auch in Escheburg und in den umliegenden Orten haben sich Helferkreise gebildet, die sich dafür engagieren. Ich hoffe sehr, dass hier weiterhin viele Bürger ein klares Signal setzen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Mitmenschlichkeit. Dass sie mithelfen, die Flüchtlingsfamilien, die vor Terror aus ihrer Heimat fliehen mussten, willkommen zu heißen.“

Christel Rüder, Pastorin in der Kirchengemeinde Hohenhorn, die auch die Dörfer Escheburg, Kröppelshagen und Börnsen umfasst:

„Unsere Kirchengemeinde ist schockiert und wir wollen nun gemeinsam überlegen, wie ein starkes Zeichen gegen Fremdenhass gesetzt werden kann. Deshalb sind alle Bürger am Donnerstag, 12. Februar, ab 20 Uhr zu einem offenen Tisch im Gemeindezentrum Escheburg, Hofweg 2, eingeladen, um das weitere Vorgehen zu planen.“

Der Kreisvorsitzende Christopher Vogt (FDP):

„Der Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Escheburg ist ein niederträchtiger Angriff, den wir aufs Schärfste verurteilen. Auch wenn glücklicherweise kein Mensch dabei zu Schaden gekommen ist, ist dieser Akt durch nichts zu entschuldigen.

Wir hoffen sehr, dass der oder die Täter sehr schnell ermittelt werden. Wer in dieser Form Gewalt gegen Dinge ausübt, ist nicht weit davon entfernt, dies auch gegen Menschen zu tun.

Es bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, alles Notwendige zu tun, um solche Gewalttaten zu verhindern. Desinformationskampagnen und Hetze gegen Flüchtlinge aus dem rechten Lager muss mit umfangreicher Aufklärung, bestmöglicher Vorbereitung der Flüchtlingsaufnahme und dem klaren Signal aller Demokraten begegnet werden, dass eine humane Flüchtlingspolitik notwendig und geboten ist.

Die jetzige Tat weckt traurige Erinnerungen an die schrecklichen Möllner Brandanschläge im Jahr 1992. Man sollte jedoch auch nicht übersehen, dass die breite Mehrheit in der Region schutzsuchende Flüchtlinge willkommen heißt und sich immer mehr Menschen auch ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren.“

SPD-Kreisverband:

„Selbstverständlich verurteilt auch der SPD-Kreisverband den Brandanschlag auf das gerade bezugsfertige Haus für Flüchtlinge in Escheburg. Es ist gut, wenn der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen hat. Eine rassistisch motivierte Straftat ist nicht auszuschließen“, so Gunar Schlage. Birgit Wille, stv. SPD-Kreisvorsitzende: „Dieser Anschlag nur kurz vor Bezug der Unterkunft durch Flüchtlinge aus dem Irak und genau an dem Tag, wo der SPD-Kreisverband eine sehr gut besuchte Veranstaltung zum Thema Willkommenskultur in unserem Kreis durchgeführt hat, zeigt auf, dass es offenkundig noch viel zu tun gibt. Wir bleiben bei unserem Weg der Förderung der Willkommenskultur und der Unterstützung der dort sehr engagiert tätigen Bürgerinnen und Bürger“.

Gunar Schlage, Pressesprecher des SPD-Kreisverbandes: „Durch diesen feigen Anschlag sollten sich die Menschen im Kreis nicht einschüchtern lassen. Auch wenn es nach jetziger Einschätzung eine Einzeltat war, auch die rechtsextremen Morde von Mölln waren Einzeltaten. Nach Ansicht der Sozialdemokraten macht es Sinn, wenn sich der Kreistag über den Polizeibeirat als zuständiges Gremium sich der Thematik grundsätzlich annimmt. Dabei wäre zu klären, ob es Sicherheitshinweise auch bei anderen Flüchtlingsunterkünften gibt und es ggf. besonderer polizeilicher Maßnahmen zum Schutz von Flüchtlingen bedarf“.

Letzte Änderung am Dienstag, 10 Februar 2015 18:24
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