Donnerstag, 12 Februar 2015 10:09

Nachtigall doch nicht durch Auslichtung des Ufergehölzes auf der Werfthalbinsel vertrieben

Nachtigall doch nicht durch Auslichtung des Ufergehölzes auf der Werfthalbinsel vertrieben Foto: hfr/Frebeck

Geesthacht (LOZ). Entsetzen beim NABU und den Grünen: Ein Kahlschlag auf der Werfthalbinsel vernichtet Brutraum der Geesthachter Nachtigallen, so die Feststellung in der vergangenen Woche. „In diesem Gebiet gab es gar keine Nachtigallen, weil das nötige Unterholz fehlte“, erklärt nun Geesthachts Pressesprecher Torben Heuer. „Erst jetzt könnten sich dort die Vögel ansiedeln und brüten, da durch die Auslichtung neues Unterholz entsteht“, sagt Heuer weiter, und erklärt, dass der NABU den Fehler bereits bemerkt hat, und bestätigt, dass kein Brutraum für die Nachtigallen zerstört wurde.

Die Geesthachter Verwaltung erklärt, warum die Abholzungsarbeiten nötig waren: Nach der Nutzung der Werfthalbinsel als Werftanlagen und Hafen haben sich im Uferbereich zum Hafen hin ufertypische Gehölze entwickelt. Einige seitdem aufgewachsene Weidenbäume waren für die Hausbootbewohner am Menzer-Werft-Platz zu einer Bedrohung geworden, weil ein Schädlingsbefall das Weichholz brüchig gemacht hatte. Nach einer gutachterlichen Bestandsaufnahme durch das Institut für Baumpflege wurde die Beseitigung dieser Weiden dringend angeraten. Die Bäume wurden Anfang des Jahres 2014 abgenommen.

Aus dieser Erfahrung heraus wurden auf Veranlassung der Verwaltung auch die anderen Ufergehölze entlang des Hafens inspiziert, die seitens der Stadt Geesthacht bisher keine Beachtung gefunden hatten. „So fiel den geschulten und qualifizierten Mitarbeitern der Stadt Geesthacht auf, dass sich auch an den Anlegestellen der Notliegeplätze, die hin und wieder von größeren Binnenschiffen besetzt werden, brüchige Weiden und eine nun von einer Krankheit befallenen Pappel entwickelt hatten“, sagt Pressesprecher Torben Heuer. Dieser Bereich der Werfthalbinsel wird von Erholungssuchenden stark frequentiert, die über einen Weg direkt an diesen Bäumen entlanggeführt werden. Auch Angler und die Schiffsanleger benutzen diesen Weg.

Die zum Teil brüchigen Weiden ragten zum Weg - oder zu den Anliegerplätzen herüber, wo die Binnenschiffe festmachen. Die am Weg stehende siebenstämmige Pappel hatte in der Folge eines Pilzbefalls sogenannte Hexenbesen ausgebildet, was gemeinhin als Zeichen für eine Verkehrsgefährdung gewertet wird.

Aus diesem Grunde wurde der Betriebshof beauftragt, die Gefahrenstellen zu beseitigen. Dabei wurden die Weiden eingekürzt, also auf den Stock gesetzt. Das diskutierte abschnittsweise Vorgehen hätte vermutlich nicht sämtliche Gefahren für die Erholungssuchenden und Binnenschiffer beseitigt, vielmehr wären verbliebene Weidenbestände durch den nun fehlenden Windschutz der entnommenen Weiden und die veränderten Windeinfallverhältnissen einer größeren Bruchgefahr ausgesetzt gewesen und wurde deshalb „auf den Stock gesetzt“.

Eine geeignete Gehölzstruktur für brütende Nachtigallen wurde hier nicht vorgefunden. Der Verlust von Brutstätten der Nachtigall wurde daher nicht vermutet. Vielmehr wird sich das Unterholz durch die Auslichtung nun besser entwickeln können, so dass künftig das Angebot für brütende Nachtigallen verbessert wird. Keinesfalls wurde das Potential für brütende Nachtigallen nachhaltig gestört.

Um die nun geeigneten Lichtverhältnisse auszunutzen, wird die Stadt Geesthacht durch gezielte Anpflanzungen von Sträuchern die Entwicklung eines stabilen Bestandes an Unterholz fördern.

Im Hinblick auf den Krankheitsbefall der siebenstämmigen Pappel und die sich daraus ergebene Verkehrssicherheitspflicht für die Stadt Geesthacht hätte geprüft werden können, Sicherungsmaßnahmen am Baum vorzunehmen. Erfahrungen zeigen jedoch, dass Einkürzungen oder Schnittmaßnahmen bei Pappeln den Faulungsprozess fördern und daher nur kurzfristige Alternativen darstellen.

Die Stadt Geesthacht möchte in der Nähe des verbliebenen Stammfußes an geeigneter Stelle eine Schwarzpappel nachpflanzen und wird sich um den Erwerb einer elbetypischen Art bemühen.

Die Stadt Geesthacht hat das oben beschriebene Vorgehen im Vorwege nicht kommuniziert, was sich als Fehler herausgestellt hat.

Eine gedankenlose Zerstörung dieses Bereiches hat es jedoch nicht gegeben. Es sind nun Verhältnisse entstanden, die zu einer Verbesserung des Lebensraumangebots für die Nachtigallen genutzt werden können.

Unabhängig davon muss die Stadt Geesthacht öffentliche, stark frequentierte Bereiche, die hier zudem als Hafen genutzt werden, auf die Verkehrssicherheit hin prüfen und potentielle Gefahren abwenden.

Letzte Änderung am Montag, 16 Februar 2015 10:22
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