Freitag, 20 Februar 2015 17:01

Heizen mit Strom?

Heizen mit Strom? Foto: W. Reichenbächer

Nachtspeicherheizung und Infrarot-Flächenheizung im Fakten-Check

 

Geesthacht (LOZ). Heizen mit Strom gilt als ineffizient und teuer. Dennoch wurde die gesetzliche Vorschrift „elektrische Nachtspeicherheizungen auszutauschen“ zurückgenommen. Momentan werden elektrische Infrarot-Flächenheizungen von den Herstellern als besonders kostengünstig und klimafreundlich beworben. Carina Vogel, Expertin der Verbraucherzentrale Energieberatung, erläutert, was von den beiden Technologien zu halten ist.

Der Austausch elektrischer Nachtspeicherheizungen ist nicht mehr verpflichtend. Die Heizungen könnten nämlich, so das Argument, eine wichtige Rolle für die Energiewende spielen, indem Strom aus erneuerbaren Energien, z.B. der Windkraft, in privaten Speicherheizungen „zwischengespeichert“ würde.

„Die Idee ist gut“, bestätigt Carina Vogel. „Die Praxis ist aber leider schwierig: In den entsprechenden Regionen sind gar nicht genug Speicherheizungen angeschlossen, um die Netze tatsächlich spürbar zu entlasten. Außerdem sind viele Anlagen nicht vom Netzbetreiber aus der Distanz regelbar – damit können sie gar nicht bei Bedarf zugeschaltet werden. Und so bleiben Nachspeicherheizungen in erster Linie Strom- und Geldfresser.“

Als kostengünstige und umweltfreundliche Alternative zur Nachspeicherheizung wird die Infrarot-Flächenheizung beworben. Da sie mit Strahlungswärme heizt, reichen laut den Herstellern niedrigere Raumtemperaturen aus für ein behagliches Wohnklima. Allerdings verbraucht die Infrarotheizung vor allem tagsüber Strom, zu durchschnittlich 27 Cent pro kWh (zum Vergleich: Gas ca. 5,5 Cent/kWh, Heizöl umgerechnet ca. 6 Cent/kWh, Holzpellets ca. 5 Cent/kWh). „Diese hohen Betriebskosten einer Infrarotheizung werden auch durch die relativ niedrigen Anschaffungskosten nicht wettgemacht“, stellt Carina Vogel klar. „Und klimafreundlich sind Elektroheizungen übrigens auch nur mit einem zertifizierten Ökostromtarif – sonst ist die Klimabilanz schlechter als bei anderen Energieträgern.“

„Generell sind Elektroheizungen also nur in wenigen Einzelfällen sinnvoll“, fasst Carina Vogel zusammen. „Allerdings ist der Umstieg auf ein anderes Heizsystem auch nicht ganz unkompliziert, Leitungen müssen verlegt und Heizkörper montiert werden.“ Bevor über den Austausch der Heizung entschieden werde, sollten Verbraucher daher unbedingt eine unabhängige Beratung in Anspruch nehmen.

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