Diese Seite drucken
Mittwoch, 01 April 2015 19:30

Diskussionsveranstaltung „Inklusion an Schulen – Anspruch und Realität“

Diskussionsveranstaltung „Inklusion an Schulen – Anspruch und Realität“ Foto: W. Reichenbächer

Geesthacht (LOZ). Die Lebenshilfe Herzogtum Lauenburg e.V. lädt am Freitag, den 24.April ab 19.30 Uhr zu einer Diskussionsveranstaltung „Inklusion an Schulen – Anspruch und Realität“ in die Räume der Geesthachter Werkstätten, Heuweg 42, Geesthacht ein.

Inklusion – das ist das aktuelle Schlagwort, nicht nur in der schulpolitischen Diskussion. Gemeint ist damit, dass nicht die Menschen mit Behinderung sich an die Gesellschaft und ihre Institutionen anpassen müssen (Integration), sondern die Institutionen sich so verändern müssen, dass Menschen mit Behinderung ein selbstverständlicher Teil von ihnen sind.

In der Realität stellt die Umsetzung dieser Idee alle an der Umsetzung Beteiligten vor große Herausforderungen und Probleme. Dies gilt in besonderer Weise für die Schulen in Schleswig-Holstein, die sich ohnehin tiefgreifenden Veränderungen stellen müssen.

Die Landesregierung hat sich in ihrem Inklusionsbericht einerseits dafür ausgesprochen, Schüler mit Behinderung an Regelschulen zu unterrichten, andererseits aber erklärt, die Förderzentren für geistige Entwicklung (bei uns im Kreis Hachede- und Steinfeldschule) weiterhin aufrechterhalten zu wollen. Allerdings sollen vermehrt Schüler dieser Schulen an Regelschulen „ausgegliedert“ und von Sonderpädagogen vor Ort betreut werden.

Woher die dafür erforderlichen Lehrkräfte kommen sollen, sagt die Landesregierung nicht. Schon heute sind vorhandene Planstellen nicht besetzt, da es am Lehrernachwuchs im sonderpädagogischen Segment fehlt.

„Im Kreis fehlt es an den Schulen derzeit oft an den baulichen Voraussetzungen, um Schüler mit körperlichen Behinderungen ordentlich beschulen zu können. Dazu zählen Rampen, Fahrstühle im Schulgebäude und rolligerechte WC’s ebenso, wie Leitsysteme für Menschen mit Sehbehinderung. Dies wurde im Teilhabeplan des Kreises deutlich.“ so Dennis Kissel, der Vorsitzende der Lebenshilfe Herzogtum Lauenburg. „Vor noch viel größere Probleme stellt die Schule die Aufgabe, Kinder mit einer geistigen oder psycho-sozialen Behinderung an den Regelschulen zu unterrichten. Die Kids haben teilweise. körperliche Einschränkungen und bedürfen zusätzlich einer intensiven sonderpädagogischen Betreuung, letztere ist in den Schulen selten gegeben.“ so Kissel weiter. Schon die Beschulung eines Autisten sei für Schulen nicht so einfach zu leisten.

Die betroffenen Eltern fürchten, auch aufgrund der finanziellen Lage der Schulträger, dass ihre geistig behinderten Kinder unter dem Deckmantel der Inklusion, in Wirklichkeit aber um Geld zu sparen, quasi in die Regelschulen gezwungen werden. „Wir wollen, das unsere Kinder möglichst „normale“ Schulen besuchen, aber unter Bedingungen, die gut für ihre Entwicklung sind“, so Tanja Slopianka aus Wentorf, Mutter eines behinderten Kindes.

Im Gegenzug fürchten einige Eltern von „regelentwickelten“ Kindern, dass die Chancen ihrer Kids unter der Inklusion leiden könnten. „In den Zeiten von G8 und verschulten Studiengängen, die ein „Scheitern“, wie das Wiederholen einer Klasse, zum Drama werden lassen“, kann Kissel die Sorgen schon nachvollziehen.

Über dieses Spannungsfeld möchte die Lebenshilfe gemeinsam mit Martin Habersaat, dem bildungspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr Katrin Engeln, der Vorsitzenden des Landeselternbeirates der Förderzentren und Grundschulen, Bärbel Brüning, der Geschäftsführerin der Lebenshilfe Schleswig-Holstein, sowie Angehörigen von Menschen mit und ohne Behinderung diskutieren.