Sonntag, 21 Juni 2015 20:24

Geesthacht setzt ein Zeichen gegen den Terror

Geesthacht setzt ein Zeichen gegen den Terror Foto: W. Reichenbächer

Trauerkundgebung gegen den Islamischen Staat

 

Geesthacht (LOZ). Der Freitod von Ercan B. (49) aus Geesthacht am 14. Juni sorgte für Aufsehen. Er nahm sich das Leben, weil sich seine Tochter Ece (18) und deren Freundin Merve S. (17) aus Billstedt auf den Weg nach Syrien machten, um sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Heute fand auf dem Menzer-Werft-Platz eine große Trauerkundgebung statt, wo auch friedlich gegen die Terrororganisation demonstriert wurde.

Angemeldet waren 200 Personen, zum Ende der Feier hatten sich aber wohl nach Schätzungen eher 400 bis 600 Menschen auf dem Platz versammelt, um ihre Anteilnahme zu zeigen, und auch ein Zeichen gegen den Terrorismus zu setzen. Muslime und Christen zeigten gemeinsame Solidarität. Auf der Feier sprachen dann auch die Pastorin Antje Laudin der St. Salvatorisgemeinde, und der Geesthachter Iman Mustafa Cakmak.

 

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Ali Demirhan, Antje Laudin und Mustafa Cakmak (v.l.) mahnten, sich nicht einer Terrororganisation zu beugen. Foto: W. Reichenbächer

 

Organisator Ali Demirhan zeigte sich erfreut über die vielen Teilnehmer. „Wir wollen gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt und Terror setzen“, so Demirhan. Er zeigte sich entsetzt darüber, dass in Geesthacht Dinge geschehen, die man bisher nur aus dem Fernsehen kannte. Aber nun sei auch ein Mädchen aus ihrer Mitte nach Syrien gereist, um sich dem IS anzuschließen. „Der IS hat es jetzt bis hier her geschafft“, sagte Demirhan und fragte, was junge Menschen dazu treiben möge sich einer Terrororganisation anzuschließen. Dabei mahnte der Lokalpolitiker auch mehr Bemühungen bei der Integration an. Aber auch Polizei und Justiz müssten sich fragen, was schief gelaufen ist. „Ercan sollte nicht umsonst gestorben sein“, mahnte Ali Demirhan. Und so tragisch auch der Freitod ist, hat er damit doch etwas bewirkt. Die Aufmerksamkeit und Wachsamkeit gegen den Terror wurde geschärft. Auch die friedliche und gemeinsame Kundgebung heute hat ein Zeichen gesetzt, dass man sich nicht einer Terrororganisation unterordnen werde, egal welche Glaubensrichtung man besitzt. Doch es gilt, auch in Zukunft wachsam zu bleiben, mahnte Demirhan.

Auch Pastorin Antje Laudin zeigte sich entsetzt und fassungslos über die Geschehnisse. Sie erklärte, dass ihre Gedanken nicht nur bei Ercan B. sind, sondern auch bei den beiden Mädchen. Bisher waren es immer nur abstrakte Zahlen an Menschen, die sich aus Deutschland dem IS angeschlossen haben. Doch nun ist dies mitten in der Gemeinde passiert. Antje Laudin verurteilte die Methoden des IS, um verunsicherte junge Menschen in ihre Fänge zu locken. „Hier ist die Religion nur Mittel zum Zweck für politische Ziele“, erklärte Laudin. Sie machte darauf aufmerksam, dass sich Christentum und Islam sehr ähnlich sind, und denselben Ursprung haben. „Da wo Hass und Terror regiert, kann Gott nicht sein“, so Laudin.

Der Geesthachter Iman Mustafa Cakmak erklärte, dass der IS nichts mit dem Islam zu tun hat. „Ein guter Muslim fügt weder durch Worte noch durch Taten anderen Schaden zu“, erklärte Cakmak, und erklärte, er sei entsetzt, dass die Terrororganisation mit ihrem Glauben in Verbindung gebracht wird. Der Iman erklärte dann die Grundzüge des Islam, und warum diese nichts mit dem IS zu tun hat. Er fügte auch hinzu, dass andersgläubigen Menschen keine Gewalt angetan werden darf. Die größte Aufgabe sei es nun, sich nicht dem Terror zu beugen. „Wer bei Gewalt nicht die Stimme erhebt, ist ein Teufel ohne Stimme“, forderte Cakmak zum Kampf gegen den Terror auf.

 

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Ali Demirhan gibt Anweisungen für die Menschenkette rund um den Menzer-Werft-Platz. Foto: W. Reichenbächer

 

Nach den Ansprachen wurde um den Menzer-Werft-Platz eine Menschenkette gebildet, um eine entschlossene Gemeinschaft zu zeigen. Anschließend hatten Besucher die Gelegenheit Blumen oder Kerzen niederzulegen, oder auch vor dem Bild von Ercan B. zu beten.

Letzte Änderung am Sonntag, 21 Juni 2015 20:47

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