Dienstag, 29 September 2015 21:28

Hilfe für pflegende Angehörige im Johanniter-Krankenhaus Geesthacht

Gemeinsam mit der AOK und der Uni Bielefeld stellte das Johanniter-Krankenhaus die Unterstützung für pflegende Angehörige vor. Gemeinsam mit der AOK und der Uni Bielefeld stellte das Johanniter-Krankenhaus die Unterstützung für pflegende Angehörige vor. Foto: W. Reichenbächer

Geesthacht (LOZ/wre). Ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt oder ein Oberschenkelhalsbruch: Von einem Tag auf den anderen ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen plötzlich alles ganz anders. Die Familie muss nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt oft unvorbereitet und sehr schnell Entscheidungen zur·weiteren Versorgung ihres pflegebedürftigen Allgehörigen treffen. Besonders betroffen sind Angehörige von alten, multimorbiden oder an Demenz erkrankten Menschen. Auch die Belastungen der Pflege von psychisch Erkrankten enden nicht mit der Entlassung, sondern setzen sich langfristig fort. Wer sich zu Hause plötzlich einer solchen Aufgabe gegen übers sieht, muss in Schleswig-Holsteinkünftig nicht mehr verzweifeln: Hilfe bietet das Modelprojekt „Familiale Pflege“ von der AOK NORDWEST und der Universität Bielefeld, an dem sich das Johanniter-Krankenhaus Geesthacht beteiligt. „Wir wollen damit den Angehörigen von Patienten mit praktischen Hilfen den Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege erleichtern“, so Gunar Schlage, Regionaldirektorder AOK NORDWEST.

Schon seit 2013 bietet das Johanniter-Krankenhaus den Angehörigen ihrer somatischen Patienten die kostenlosen Beratungen und Pflegetrainings an. Seit·diesem .Jahr findet die Projektumsetzung auch in der Psychiatrie statt. „Egal, ob psychische oder körperliche Erkrankungen im Vordergrund stehen - eine häusliche Pflegesituation stellt immer eine große Herausforderung dar und birgt Belastungen für die Angehörigen“, sagt Carmen Schönberg, die Oberin des Johanniter-Geesthacht. Neben den Angeboten für die individuellen Pflegetrainings in Somatik und Psychiatrie etabliert das Johanniter-Krankenhaus nun auch ein ebenfalls kostenfreies Kursangebot für pflegende Angehörige und Interessierte. „Mit der Einführung des Projekts und des Kursangebots in unserem Hause unternehmen wir einen wichtigen Schritt, um Angehörige zu guter Pflege zu befähigen und so den Drehtüreffekt von Wiederaufnahmen bereits versorgter Patienten zu vermeiden“, so Schönberg.

Nicht selten wird der Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Versorgung als Krise erlebt: Die Durchführung der Pflege ist häufig mit Unsicherheiten behaftet, da Pflegetechniken noch nicht gelernt, kommende Herausforderungen durch die Erkrankungssituation unterschätzt und die häusliche Pflegesituation in der Familie noch nicht abgestimmt sind. Hier setzt das Modellprojekt „Familiale Pflege“ an. „Ein Krankenhausaufenthalt dauert heute in vielen Fällen nur noch ein paar Tage, da ist schnelle Hilfe erforderlich“, sagt Stephan Seifen, wissenschaftlicher Begleiter des Projekts von der Universität Bielefeld.

Deshalb bieten die Pflegetrainerinnen den Angehörigen schon im Krankenhaus einzelfallbezogene Pflegetrainings an. Dabei lernen die Teilnehmer neben Pflegetechniken, wie Lagerung und Bewegung, Körperhygiene und praktischen Hilfestellungen beim An- und Ausziehen, beim Essen und Trinken auch Hilfen zur Tagesstrukturierung und Kommunikation sowie den richtigen Umgang mit den Erkrankungen ihrer Angehörigen kennen. Darüber hinaus steht der Einsatz von Hilfsmitteln auf dem Übungsplan. Damit die Verantwortung nicht auf den Schultern einer einzelnen Person lastet, überlegen die Pflegetrainerinnen gemeinsam mit den Familien, wie ein pflegerisches Netzwerk geknüpft werden kann. „In dieser Situation müssen mehrere Personen Verantwortung übernehmen, sonst kommt es zu Stress und Erschöpfung der Pflegenden“, so Stephan Seifen. Auch nach der Entlassung vermitteln die Pflegetrainerinnen den·pflegenden Familien Sicherheit durch individuelle Pflegetrainings im Rahmen von Hausbesuchen bis zu sechs Wochen nach Krankenhausaufenthalt. Initialpflegekurse und ein monatlicher Gesprächskreis dienen der Vertiefung der Pflegekompetenz und der Reflexion des familialen Pflegealltags.

Im·Johanniter-Krankenhaus Geesthachthat die Umsetzung der Pflegetrainings bereits Mitte 2013·begonnen. Seitdem beteiligten sich schon 167 pflegende Angehörige an Pflegetrainings und Beratungsgesprächen. „Die Resonanz war durchweg positiv“, freut sich die Pflegetrainerin Michaela Kuhrke. „Wir haben inzwischen vier Pflegefachkräfte, jeweils zwei für die Somatik und für die Psychiatrie in wissenschaftlichen Weiterbildungen der Universität Bielefeld für die familiensensible Durchführung der Unterstützungsangebote qualifiziert“, so Carmen Schönberg.

AOK-Regionaldirektor Schlage erwartet von dem Projekt, das die Pflege allein durch die Angehörigen im häuslichen Umfeld weiter gestärkt wird. Denn gerade in Schleswig-Holstein liegt deren Anteil lediglich bei 39,9 Prozent. Damit bildet Schleswig-Holstein im Vergleich mit den anderen Bundesländern das Schlusslicht.

Seit Anfang 2015 sind in Schleswig-Holstein 35 Akut- und Rehakliniken sowie insgesamt 11 Psychiatrien im Rahmen des Modellprojekts·aktiv. Die Pflegetrainerinnen der beteiligten Krankenhäuser haben eine wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Bielefeld abgeschlossen. Die Kosten für die Begleitung der pflegenden Angehörigen im Rahmen des Modellprojekts trägt in·Schleswig-Holstein die AOK NORDWEST im Rahmen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Profitieren von·dem Projekt können alle pflegenden Angehörigen unabhängig welcher gesetzlichen oder privaten Pflegekasse sie angehören. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Der Kursus für Pflegende Angehörige findet am Mittwoch, 14. Oktober von 16 bis 19.30 Uhr, am Sonnabend, 17. Oktober 9.30 bis 13 Uhr, und am Mittwoch, 21. Oktober von 16 bis 19.30 Uhr statt. Anmeldungen nehmen Heike Bäumle unter der Telefonnummer 0151 / 15 61 26 77 und Michaela Kuhrke unter 0151 / 53 69 39 69 entgegen. Wer gern zu einem anderen Zeitpunkt den Kursus besuchen möchte, kann dies ebenfalls unter den Telefonnummern anmelden.

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