Samstag, 10 November 2012 18:28

Geesthacht verabschiedet Resolution gegen Fracking

Exxon Mobile Tochter PRD Energy GmbH bekommt unerwartet Gegenwind

wre-pix fracking geesthacht

Stehen bald im Herzogtum Lauenburg Fördertürme für Öl und Gas? Die Geesthachter Stadtvertreter haben sich jedenfalls mit deutlicher Mehrheit dagegen ausgesprochen. Foto: khv24 / pixelio.de – W. Reichenbächer


Geesthacht (wre). Das hatten sich die Verantwortlichen im fernen Kanada sicherlich anders gedacht. Mit Präsentationen wird bei Investoren dafür geworben, in Norddeutschland Öl und Gas abzubauen. Hervorgehoben werden die hervorragenden Bedingungen in Deutschland, wo eine günstige Gesetzgebung die Vorhaben noch erleichtern. Die Firma PRD Energy will auch im Herzogtum Lauenburg nach Gas und Öl suchen (wie berichteten). Aber die Werbepräsentation des kanadischen Mutterkonzerns geht noch weiter. Im Fokus stehen Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen, auch die Nordsee einschließlich der Inseln zählt zum Gebiet, wo man gerne die Bodenschätze abbauen würde. Die Geesthachter Ratsversammlung hat nun mit einer Enthaltung eine Resolution verabschiedet, wo die Landesregierung in Kiel aufgefordert wird, gegen das sogenannte Fracking Einspruch zu erheben.

In der Kritik steht beim Abbau das Fracking-Verfahren. Werden ausreichend Öl- oder Erdgasvorkommen gefunden, sollen die Vorkommen mit dieser Methode gefördert werden. Beim sogenannten Fracking werden in tiefe Bohrlöcher Flüssigkeiten gepresst, um das Gestein zu sprengen. Neben sehr viel Wasser werden auch Sand und einige Chemikalien eingesetzt, die in das Erdreich gedrückt werden. Die Wasserführenden Schichten sollen zwar durch Rohre geschützt werden, aber ob diese Methode wirklich lange vor Verunreinigung schützt ist umstritten. Auch wird ein Großteil des Verwendeten Gemisches wieder abgesaugt und muss entsorgt werden. Einige der verwendeten Zusätze wird auch als Krebserregend eingestuft, was den Einsatz und die Entsorgung besonders problematisch macht.

Oftmals werden die Abwasser in Bohrlöchern „entsorgt“. Diese sollen zum Erdreich hin abgedichtet sein, damit der Wasser-Chemiecocktail nicht ins Grundwasser sickern kann. Das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld berichtet in der Vergangenheit aber immer wieder von Leckagen, die bei den sogenannten “Lagerstättenwasser-Leitungen“ auftreten würden.

Dem Landesamt liegt derzeit ein Antrag auf entsprechende Bodenuntersuchungen für das Herzogtum Lauenburg vor. Mittels verschiedener Verfahren soll untersucht werden, ob sich ein Abbau, und damit ein Aufbrechen der Erdkruste für das Unternehmen lohnen würde. Vorzugsweise will PRD Energy die nötigen Daten kaufen, aber auch selber Untersuchungen vornehmen. Die Landesbehörde geht von Kosten von 11,6 bis 15,8 Millionen Euro aus.

Wegen der lauernden Gefahren und unbekannten gesundheitlichen Folgen lehnt die Geesthachter Stadtvertretung die Förderung mit dieser Methode ab. „Kein vernünftiger Mensch kann so einem Verfahren zustimmen“, sagte Samuel Walter Bauer (SPD). „Wir haben genug Technologien im Land, die Probleme nach sich ziehen, da brauchen wir nicht noch eine“, ergänzte Bauer. Auch Karsten Steffen (CDU) ist gegen eine Genehmigung: „Ganz Schleswig-Holstein soll aufgebrochen werden. Da machen wir nicht“, erklärte Steffen bei der Versammlung. Rüdiger Tonn (FDP) räumt ein, das Verfahren könnte Zukunftsweisend sein, aber die Gefahren würden doch zu einer Ablehnung veranlassen.

In der verabschiedeten Resolution wird die Landesregierung aufgefordert, eine negative Stellungnahme zu dem Verfahren abzugeben. Auch das zuständige Landesamt in Niedersachsen soll das Fracking-Verfahren bis auf weiteres nicht mehr genehmigen. Die Landesregierung solle sich auch bei der Bundesregierung dafür einsetzen, dass alle Betroffenen Gemeinden und Bürger am Genehmigungsverfahren zu beteiligen sind. Auch soll grundsätzlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgenommen werden.

Noch sieht die Gesetzgebung ein einfaches Genehmigungsverfahren vor, dass es für die Investoren aus Kanada einfach macht, mit hohen Renditen in Norddeutschland zu arbeiten. Aber die vermeintlich willigen Bürgermeister sind nicht mehr vorzufinden. Auch der Protest unter den Bürgern wächst. Ob es weiterhin so einfach ist in Deutschland Geld zu verdienen wie es die Werbung der PRD Energie Incorporation verspricht, wird sich in den nächsten Monaten beim Genehmigungsverfahren zeigen.

Letzte Änderung am Samstag, 17 November 2012 19:42
Kostenlose Nachrichten aus dem Herzogtum Lauenburg
Kostenlose Nachrichten Mobil

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.