Mittwoch, 09 März 2016 14:13

Flüchtlinge leiden unter verfehlter Integrationspolitik

Flüchtlinge leiden unter verfehlter Integrationspolitik Foto: W. Reichenbächer

Deutschkurse gibt es nur für ausgesuchte Gruppen

 

Geesthacht (wre). Ob in den Medien, zu Hause oder am Stammtisch, das Thema Flüchtlinge ist allgegenwärtig. Und beim Thema Integration geht es oft um die Sprache. Wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, hat schlechte Chancen auf Integration und einem Arbeitsplatz. Aber gerade dort gibt es Probleme. Während die eine Gruppe der Flüchtlinge gute Chancen auf intensive Sprachförderung hat, werden Flüchtlinge aus anderen Ländern abgehängt.

Es gibt derzeit zwei Sprachkurse, die allen Flüchtlingen offen stehen. Das ist zum einen ein Kursus in der Erstaufnahme mit 30 Unterrichtseinheiten, und das „Starterpaket für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein“ (STAFF.SH) mit 100 Unterrichtseinheiten. „Das reicht dann gerade mal, um einen Notruf abzusetzen, oder zu erklären, wo man herkommt“, erklärt VHS-Leiterin Gesa Häsler. Die weiterführenden Kurse sind Flüchtlingen vorbehalten, wo bereits der Asylantrag genehmigt wurde, oder die eine gute Bleibeperspektive haben. Das sind Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Eritra. „Die große Gruppe der Afghanen ist dadurch zum Beispiel ausgeschlossen“, so Markus Worm (AWO). Und gerade dies schafft große Unruhe, auch in den Unterkünften. Denn während die einen Flüchtlinge Kurse besuchen dürfen, müssen andere wieder weggeschickt werden. „Da entwickeln sich Dramen“, berichtet Häsler. Es kommt vor, dass gleich mehrere Flüchtlinge zur VHS kommen, um sich anzumelden, aber einige Gruppen einfach wieder weggeschickt werden müssen.

Markus Worm befürchtet, dass diese Unruhe auch in die Stadt getragen wird. „Die Flüchtlinge aus Afghanistan wird man wohl auch nicht wieder zurückschicken. Sie werden hier länger leben, sind aber beim Sprachunterricht schlechter gestellt“, kritisiert Worm. Er befürchtet, dass diese Unruhe auch in die Stadt getragen wird. Es sei auch für Außenstehende schwer nachzuvollziehen, warum einige Flüchtlinge schon besser Deutsch können, und andere kaum die Sprache sprechen. „Das führt zur Unzufriedenheit auf beiden Seiten“, so Häsler.

Die Volkshochschule bietet nun gemeinsam mit der AWO in der Sammelunterkunft Mercatorstraße einen neuen Kursus an. Dieser soll die STAFF-Kurse ergänzen, und eine Brücke zu weiterem Sprachunterricht schlagen. In 200 Unterrichtseinheiten sollen die Sprachkenntnisse der Stufe A1 erreicht werden. Dieser Kursus, der mit ehrenamtlichen Lehrern abgehalten wird, steht allen Flüchtlingen offen. „Wir haben derzeit drei Lehrer, die sich in dem Kursus engagieren“, berichtet Häsler. Aber auch hier mussten wieder Flüchtlinge weggeschickt werden, weil der Kursus innerhalb kürzester Zeit voll war, und nicht genug Ehrenamtliche zur Verfügung stehen. Die Volkshochschule benötigt daher noch weitere ehrenamtliche Menschen, die unterrichten wollen. „Das müssen nicht unbedingt Lehrer sein“, ergänzt Gesa Häsler. Wünschenswert wären allerdings Gruppenerfahrungen, oder ein bereits längeres Engagement in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe.

Gesucht werden auch Menschen, die auf Honorarbasis Integrationskurse abhalten. Dafür sind dann allerdings ein Hochschulabschluss und die Bereitschaft zur Fortbildung nötig.

Wer sich für die Tätigkeiten interessiert, kann sich einfach an Gesa Häsler unter der Telefonnummer 04152 / 46 22 oder per Mail info@vhs-geesthacht.de melden.

Letzte Änderung am Mittwoch, 09 März 2016 14:30
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