Dienstag, 29 März 2016 16:58

Der Kampf gegen Amazon & Co

Lokal einkaufen kann nur funktionieren, wenn man auch im Internet präsent ist, sind sich Alexandra und Dirk Morawski sicher. Lokal einkaufen kann nur funktionieren, wenn man auch im Internet präsent ist, sind sich Alexandra und Dirk Morawski sicher. Foto: W. Reichenbächer

Regionale Wirtschaft muss sich mehr im Internet engagieren

Geesthacht (wre). Es gibt sie noch, die Optimisten, die glauben, dass die großen Onlineshops nur ein vorrübergehendes Phänomenen sind. Die Kunden würden schon allein wieder zu den lokalen Händlern zurückkommen. Doch Aussitzen ist eher eine Strategie in der Politik, in der Wirtschaft hat dies selten Erfolg. Das sieht auch der Unternehmensberater Jürgen Wirobski so. Gemeinsam will der erste Vorsitzende der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht (WVG) mit weiteren Wirtschaftsvereinigung die Region „digitalisieren“, um so die Kunden wieder zurückzuholen.

„Es geht jetzt erst einmal darum, ein Strategiepapier zu entwickeln“, so Wirobski. Dazu hat bereits ein Treffen mit den Vorständen anderer Wirtschaftsvereinigung und Vertretern aus Politik und Verwaltung stattgefunden (wir berichteten). Wirobski ist davon überzeugt, dass sich die lokalen Händler wieder ein Stück vom Kuchen zurückholen können. Doch die Zeit drängt. Denn auch Amazon, Zalando und Co schlafen nicht. Die Lieferwege werden immer kürzer, und damit schneller. Auch Geschäfte in den Städten sind bei dem Internetshop-Riesen Amazon inzwischen denkbar geworden.

Wie das Projekt aussehen wird, soll jetzt erarbeitet werden. Vorbild ist die Stadt Wuppertal, wo es bereits eine digitale Innenstadt gibt. Dort stellen sich Händler vor, und präsentieren ihre Waren. „Wir wollen aber eine auf unsere Region zugeschnitten Lösung“, so Wirobski. Es hat sich bereits eine Arbeitsgruppe mit vier Mitgliedern gebildet, die ein Strategiepapier auf den Weg bringen will. Dafür sollen Fördergelder der Aktivregionen eingesammelt werden, um dann ein neutrales Gutachten in Auftrag geben zu können. Neben Unternehmensberater Wirobski sind in der Gruppe Fachleute für IT und Onlinemarkting vertreten. Ziel ist es, möglichst viele Händler und Dienstleister aus der Region mit ins Boot zu holen. Weitere Wirtschaftsverbände aus dem Südkreis des Herzogtums haben bereits Signalisiert, dass sie bei dem Thema mitarbeiten wollen.

„Es ist wichtig, dass die Händler zeigen, was es vor Ort gibt“, so Dirk Morawski, der mit seiner Frau Alexandra das Fotozentrum in Lauenburg betreibt. „Ohne Internet geht es nicht mehr, die Leute informieren sich im Internet, und sehen nach, wo sie etwas einkaufen können“, ergänzt Morawski. Dem Fotogeschäft ist ein Studio angeschlossen, mit beiden Sparten ist Morawski im Internet vertreten. „Man muss eben Präsenz zeigen“, so der Fotohändler. Dass die Kombination von Online und Offline funktioniert, kann Dirk Morawski bestätigen. Vor Weihnachten wurde eine Leinwandaktion durchgeführt. Gleichzeigt lief eine ähnliche Aktion eines großen Fotodienstleisters, der seine Aktion sogar im Fernsehen beworben hat. „Wir haben die Aktion online beworben, und die Leute haben uns förmlich das Geschäft eingerannt“, so Morawski. Denn nicht nur der gute Preis, auch der Service ist wichtig. Der ist bei den Händlern vor Ort meist besser, als bei einem reinen Onlineshop. „Das wissen auch die Kunden, sie müssen aber auch wissen, wo sie etwas bekommen“, ergänzt Wirobski. „Der Flyer ist eben tot“, untermauert Schuhhändler Uwe Krützmann, der neben seinem Ladenlokal in Schwarzenbek noch einen Onlinehandel betreibt.

Im Mai soll es nun ein weiteres Treffen in Lauenburg geben. Dann sind alle Händler und Dienstleister eingeladen, sich direkt über das Projekt unter der Überschrift „Wirtschaft 4.0“ zu informieren. „Eine gemeinsame Sache ist sicherlich interessant. Man muss dann sehen, was angeboten wird, und wo die Kosten liegen“, so Dirk Morawski. Während in Wuppertal aber ein Dienstleister hinter dem Projekt steckt, wollen im Herzogtum und eventuell auch aus den umliegenden Gemeinden und Städten die Wirtschaftsverbände das Ruder in die Hand nehmen. Das Interesse liegt dann in der Stärkung der Mitgliedsbetriebe, und nicht am Gewinn eines regionalen Onlineportals. „Wir werden bei unseren Plänen nicht nachlassen. Wir sind ja auch als Wirtschaftsverein verpflichtet, unseren Mitgliedern zu helfen“, so Wirobski. Jetzt müssen noch die Mitgliedsbetriebe der Wirtschaftsverbände überzeugt werden, an einem Strang zu ziehen. „Wer nicht im Internet präsent ist, wird vom Markt verschwinden“, ist der Unternehmensberater sicher.

Letzte Änderung am Mittwoch, 11 Mai 2016 14:48
Kostenlose Nachrichten aus dem Herzogtum Lauenburg
Kostenlose Nachrichten Mobil

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.