Mittwoch, 27 April 2016 15:59

AKW Krümmel: LINKE fordert sofortigen Rückbau und volle Transparenz

AKW Krümmel: LINKE fordert sofortigen Rückbau und volle Transparenz Foto: W. Reichenbächer

Geesthacht (LOZ). Vor dem Hintergrund der Jahrestage der verheerenden Reaktorkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima diskutierten Atomkraftgegner im Geesthachter Oberstadttreff auf einer Veranstaltung der Linkspartei über Möglichkeiten und Risiken beim Rückbau von Atomanlagen und beim Umgang mit dem radioaktiven Müll. Im Focus stand dabei das AKW Krümmel.

Volker Hutfils, Kreissprecher der LINKEN, wies zu Beginn der Veranstaltung darauf hin, dass sich das AKW Krümmel immer noch in einem sogenannten langfristigen Stillstandsbetrieb befände. Es gäbe zwar einen Stilllegungsantrag vom Betreiber Vattenfall. Unumkehrbar werde eine Stilllegung jedoch erst, wenn die Atomaufsicht eine Rückbaugenehmigung erteilt und der Betreiber diese dann auch annimmt. Hutfils: „Es kann nicht angehen, dass die Atomkonzerne hier auf Zeit spielen und eine theoretisch mögliche Wiederinbetriebnahme der abgeschalteten Schrottreaktoren als Faustpfand im Streit um etwaige Entschädigungszahlungen benutzen.“ Das Atomgesetz müsse dahingehend geändert werden, dass bei einer Beendigung des Leistungsbetriebes automatisch die Betriebsgenehmigung der Anlage erlischt und nach einer angemessenen Frist mit dem Rückbau oder einem sogenannten sicheren Einschluss begonnen werden muss, fordert DIE LINKE. Vattenfall solle endlich konkrete Pläne für den Rückbau vom AKW Krümmel vorlegen und öffentlich machen, damit ein transparentes Rückbauverfahren eingeleitet werden könne. Die LINKE fordert eine umfassende öffentliche Beteiligung sowie ein Gesundheitsmonitoring über die gesamte Rückbauphase, die voraussichtlich mehr als 15 Jahre dauern werde. Die Sicherheit der Menschen in der Umgebung der Anlage und der Beschäftigten vor Ort müsse höchste Priorität haben.

Da es für den beim Abbruch anfallenden Strahlenmüll und die abgebrannten Brennelemente derzeit keine geeigneten Endlagermöglichkeiten gäbe und auf absehbare Zeit wohl auch nicht geben werde, sollten unnötige Atommülltransporte unterbleiben. Die LINKE fordert daher sichere Zwischenlager an den Kraftwerksstandorten.

Manfried Liedke, der die Linkspartei im Kreistag vertritt, bezweifelt, dass es bei dem derzeitigen Stand von Wissenschaft und Technik überhaupt eine sichere Endlagerlösung geben könne. Für die Lagerung hochradioaktiven Atommülls könne daher nur eine rückholbare Lösung in Frage kommen. Kritisch wird auch die Praxis der Freimessung von schwach radioaktiven Materialien gesehen. Hutfils: „Es gibt keine ungefährliche radioaktive Strahlung, sondern immer eine klare Dosis-Wirkung-Beziehung. Als die für die Freimessung geltenden Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung festgelegt wurden, konnte niemand ahnen, dass in den nächsten Jahren acht bis neun AKWs quasi zeitgleich zurückgebaut werden und dadurch die Menge des schwach radioaktiven Mülls enorm ansteigen wird. Außerdem gibt es neuere human-toxische Studien, die die gesundheitsschädliche Wirkung von Niedrigstrahlung belegen.“ Die Fakten müssten bei einer notwendigen Neufestlegung von Verfahren und Grenzwerten für die Freimessung unbedingt berücksichtigt werden, bevor dieser Müll als Recyclingmaterial oder Metallschrott wieder in den Wirtschaftskreislauf gelange, fordert Die LINKE.

Liedke: „Die Atomkonzerne, die in den letzten Jahrzehnten hunderte von Milliarden Gewinne erzielt haben, dürfen nicht aus der Verantwortung entlassen werden und müssen in vollem Umfang für Rückbau und Endlagerung aufkommen. Ob die gebildeten Rücklagen dafür ausreichen, darf jedoch bezweifelt werden.“ Die LINKE lehnt auch eine indirekte Subventionierung der Atomwirtschaft durch den von der Merkel-Regierung geplanten Wegfall der Brennelementesteuer kategorisch ab.

„Wir werden das weitere Verfahren zum Rückbau von Krümmel kritisch begleiten und die Impulse, die aus der Versammlung heraus gekommen sind, bei der künftigen Arbeit berücksichtigen“, so Hutfils abschließend.

Das nächste Treffen der Arbeitsgemeinschaft Energiewende der Linkspartei findet am Mittwoch, 25. Mai um 18.30 Uhr in Gothmanns Hotel in Breitenfelde statt.

Letzte Änderung am Mittwoch, 27 April 2016 16:05
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