Montag, 12 September 2016 17:44

Kostenlose „Deutschstunde“ für Schüler beim Spielzeitauftakt im kTS-Geesthacht

Kostenlose „Deutschstunde“ für Schüler beim Spielzeitauftakt im kTS-Geesthacht Foto: hfr

Geesthacht (LOZ). Die neue Bühnenfassung der „Deutschstunde“ – die erste von Autor und Verlag autorisierte – wird am Mittwoch, 14. September, um 20 Uhr die neue Theaterspielzeit im kleinen Theater Schillerstraße (kTS) in Geesthacht eröffnen. Es handelt sich um die Premiere der Wiederaufführung. Um 19 Uhr wird eine Einführung in das Stück mit Regisseur Stefan Zimmermann angeboten. Wer Karten für die Aufführung hat, braucht sich für die Einführung nicht extra anzumelden.

Ein besonderes Angebot für Schüler hält zum Spielzeitauftakt das Theater bereit: Gegen Vorlage eines Schülerausweises an der Theaterkasse in der Schillerstasse 33 erhalten sie für diese Vorstellung eine kostenlose Eintrittskarte.

In ausgewählten Szenen konzentriert sie das Geschehen auf das Kernthema, den Aufsatz über „Die Freuden der Pflicht“, den der 20-jährige Siggi Jepsen 1954 in einer Besserungsanstalt schreiben soll. Zunächst bleibt das Blatt leer, doch dann kann Siggi kein Ende finden – Heft um Heft füllt sich. Zu sehr beschäftigt ihn, was er als Kind und Jugendlicher während des Krieges erleben musste: Sein Vater, der kleine Dorfpolizist Jens Ole Jepsen, hatte seinen Jugendfreund, den als „entartet“ gebrandmarkten und mit Berufsverbot belegten Maler Max Ludwig Nansen, bespitzelt, überwacht und denunziert. Vorlage der Figur ist der berühmte Expressionist Emil Nolde. Pflichterfüllung ging vor Menschlichkeit. Und selbst nach dem Ende des Regimes verfolgte Jepsen den Maler beharrlich weiter – seine Mission schien keinen Auftrag mehr zu brauchen.

Lenz wurde nicht nur zum genialen Denker über die deutsche Nazi-Diktatur, sondern auch zum menschlichen Botschafter zwischen dunkler Vergangenheit und demokratischer Gegenwart – vor allem mit der Deutschstunde, in der er das Unvorstellbare vorstellbar machte, getreu seinem Motto: „Ich schreibe, um die Welt zu verstehen“.

Wenn man Deutschland verstehen will, muss man Siegfried Lenz lesen. Der Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels beschäftigt sich in der Deutschstunde mit der für unser Land durchaus typischen Thematik, dass Pflichterfüllung als Erziehungsideal lange vor Menschlichkeit ging, ganz besonders während der NS-Herrschaft. Der vielfach ausgezeichnete israelische Schriftsteller Amos Oz über Lenz: „Einer der wichtigsten Vertreter der Weltliteratur. Man stellt sich die Frage: Wie hätte ich mich damals verhalten? Lenz bringt uns dazu, darüber nachzudenken“.

Die Deutschstunde ist nach wie vor Pflichtlektüre im Schulunterricht. Nicht ohne Grund, denn Siegfried Lenz hat sich damit „zum Volksschriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur geschrieben“, wie Marcel Reich-Ranicki treffend bemerkte.

Die Einführung mit dem Regisseur beginnt um 19 Uhr. Karten für Schüler sind kostenlos, der Normalpreis ist ab 26,40 Euro. Kartenvorverkauf: Kleines Theater Schillerstrasse, Telefon 04152 / 77 979, www.kts-geesthacht.de und bei Zigarren Fries.

Letzte Änderung am Montag, 12 September 2016 17:49
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