Freitag, 23 November 2012 14:40

Brötchentüten gegen Gewalt

Aktion gegen häusliche Gewalt gestartet

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Sabine Wöhl hat an die Schüler Maja Grüzner, Marvin Gosmann und Lena Döhmen (v.l.) Brötchentüten verteilt, die von den ortsansässigen Bäckern gestiftet wurden. Foto: W. Reichenbächer

 

Geesthacht (wre). In Schleswig-Holstein flüchten sich jedes Jahr rund 2.800 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäuser. Vorangegangen ist oft jahrelange häusliche Gewalt, die vom Partner ausging. Viele Frauen bleiben aber auch oft bei ihrem Partner, weil sie Angst vor einer Trennung haben, oder auch nicht wissen, wo sie Hilfe bekommen können.

Genau da setzt die jährlich im Herbst stattfindende Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ an. In diesen Tagen werden 340.000 Brötchentüten in Schleswig-Holstein mit der Telefonnummer und der Internetadresse der Frauenhelpline verteilt. Frauen können sich so schnell Hilfe holen, oder auch informieren, was sie bei Gewalt tun sollen.

Zusätzlich veranstaltete Geesthacht im Berufsbildungszentrum einen Informationsvormittag für die Schüler. Die Geesthachter Gleichstellungsbeauftragte Jutta Scharnberg-Sarbach, Sabine Wöhl von der Frauenberatungsstelle des Kreises und Polizist Bernd Telm informierten darüber, wie man auch als Außenstehender häusliche Gewalt erkennen kann, und was dann zu tun ist. Wie können sich Betroffene schützen, und wo gibt es Hilfe, wurde in Gesprächen und Filmvorführungen durchgespielt.

„Gewalt ist in Geesthacht ist genauso vorhanden wie in jeder anderen Stadt“, sagt Jutta Scharnberg-Sarbach, „wir haben aber hier mehr mit Drogen zu tun.“ Der Gleichstellungsbeauftragten sind auch Fälle bekannt, wo Schüler des Berufsbildungszentrums betroffen sind. „Wir bekommen von den Betroffenen Frauen oft zu hören, dass es eine tolle Aktion ist, wenn die Brötchentüten mit den Daten verteilt werden“, ergänzt Sabine Wöhl. Bernd Tell ist das Problem durch seine tägliche Arbeit ebenfalls bekannt. „Wenn wir einschreiten, werden wir plötzlich zu Tätern gegenüber dem 'geliebten' Partner. Da stehen die Frauen, die eben noch von ihrem Mann Gewalt erlebt haben ihm plötzlich zur Seite“, sagt Telm. Es gibt aber auch Frauen, die froh über die Hilfe sind. Seit zehn Jahren gibt es auch die Möglichkeit, dass die Polizei die Männer für einige Zeit aus der Wohnung verweisen können. Im Kreis Herzogtum Lauenburg werden jährlich rund 30 „Wegweisungen“ durch die Polizei ausgesprochen. „Es dauert im Schnitt sieben bis neun Jahre, ehe sich Frauen von ihren gewaltigen Partner lösen“, schließt Sabine Wöhl ab.

 

Die Frauenhelpline ist unter der Telefonnummer 0700 999 11 444 oder im Internet www.helpline-sh.de erreichbar.

Letzte Änderung am Samstag, 01 Dezember 2012 13:21
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