Freitag, 23 März 2012 19:04

„Die Fetten Jahre sind vorbei“

Zukunftsforscher Opaschowski über Chancen und Risiken der nächsten Jahrzehnte

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Gespannt hörten die rund 150 Gäste Prof. Dr. Horst Opaschowski zu, als er einen Vortrag über das Leben in der Zukunft hielt. Foto: W. Reichenbächer


Geesthacht (wre). Wenn Prof. Dr. Horst Opaschowski einen Blick in die Zukunft wirf, ist ihm die Aufmerksamkeit sicher. Viele seiner Prognosen trafen bisher ein, auch wenn bei einigen Thesen die Hoffnung groß war, er möge sich irren. Aber auch bei den unangenehmen Prognosen ist Opaschowski gleichermaßen treffsicher und nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Vor rund 150 Zuhörern aus der Wirtschaft hielt der Zukunftsforscher einen Vortrag im Gitz in Geesthacht. Anschließend erfolgte eine Diskussion über die Themen des Abends.

Motivationsseminare gehen anders. Dort heißt es, alles ist gut, und es wird noch viel besser. Das Thema von Opaschowski war aber „Wie leben und arbeiten wir in der Zukunft“. Dazu gehörte auch eine Bestandsaufnahme der momentanen Situation. Und dabei trägt der fünffache Großvater keine rosa Brille. Mit aller Deutlichkeit wurden die Probleme im Hier und Jetzt aufgezeigt, und was auf uns in den nächsten Jahrzehnten zukommen kann. Die aktuellen Probleme sind groß, und auch noch für die nächsten Generationen spürbar. „Vor uns liegt der größte Schuldenberg der Nachkriegszeit. Unsere Schulden von heute werden die Steuern von morgen sein“, begann Opaschowski. Die Finanzkrise könne sich bis zu einer Krise der Demokratie ausweiten. „Wir müssen immer mehr Abstand von unserem Lebensstandart nehmen, die Fetten Jahre sind vorbei“, stimmte der Forscher die Zuhörer ein. Dabei prophezeite er auch, dass die Kluft zwischen arm und reich immer größer werde. Es drohe eine Welt des Mangels. Einher geht eine zunehmende Arbeitsbelastung. Es wird immer mehr gefordert, einen festen Feierabend wird es nicht mehr geben. Auch sei mit einer weiteren Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre zu rechnen. Das Leben wird sich weiterhin in Richtung Städte orientieren, Mobilität werde besonders wichtig sein.

Um die Krise abzuwenden, oder zumindest geringer zu halten, stellt Prof. Dr. Horst Opaschowski einige Forderungen auf. Diese richten sich an Gesellschaft und Politik gleichermaßen. Er fordert ein stärkeres Engagement in allen Bereichen, Ärmel hochkrempeln und loslegen. Nicht morgen, sondern jetzt und hier. Die Verschuldung muss gestoppt werden. Und die Alten sollen nicht in Heime abgeschoben werden, sie werden gebraucht und sollen so lange es geht eigenständig leben.

Bei seinen Zukunftstrends betont Opaschowski, „ich prophezeie nicht, ich beobachte“. So rechnet er mit einer zunehmenden Angst vor der Globalisierung. „Die Arbeit wird künftig anders verteilt, über die ganze Welt“. Für die Zukunft stellte er auch ein Formel auf, die für Arbeitnehmer nicht gerade rosig klingt. „Die Hälfte der Mitarbeiter verdient dann doppelt soviel, und muss dafür drei Mal soviel arbeiten“. Deutschlands Bevölkerungszahl wird auch künftig weiter abnehmen. Einen gewissen Ausgleich lässt sich mit Zuwanderern erreichen. Es sollte aber drauf geachtet werden, mehr fachlich qualifiziertes Personal nach Deutschland zu holen. „Deutschland liegt zurzeit an der Spitze der schlecht ausgebildeten Zuwanderer“, so Opaschowski. Von den Jungen wird mehr Leistung erwartet, die älteren Arbeitnehmer werden wieder Chancen haben am Berufsleben teilzunehmen. Auch über 50 wird es noch möglich sein sich neu zu orientieren. Die Menschen werden älter, und stehen dabei länger im Berufsleben. Dabei wird dann die Familie eine Renaissance erleben. Der Zusammenhalt soll wieder stärker werden. Ein Rat ist es auch, sein Leben nach Zufriedenheit, und nicht nach materiellen Dingen auszurichten. Denn der Kampf um Wohlstand wird größer, und von immer weniger Personen zu leisten sein. Für die Zukunft sieht Opaschwoski also eine größere Ausrichtung zu sozialem Zusammenhalt. Durch den abnehmenden Wohlstand zählt wieder mehr das Menschliche, der Besitz tritt in den Hintergrund. Es wartet aber auch viel Arbeit auf künftige Generationen. Wer mithalten will, muss gut organisiert sein und eine hohe Bereitschaft haben sich zu engagieren.

Letzte Änderung am Samstag, 31 März 2012 10:26
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