Sonntag, 17 März 2013 18:26

„Kanzler wollte ich eigentlich nie werden“

150 Jahre SPD - Helmut Schmidt zu Gast in Geesthacht

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"Elder Statesman" Helmut Schmidt in Geesthacht. Foto: T. Bartel


Geesthacht (tba). Die SPD feiert dieses Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Grund genug für den Altkanzler Schmidt nach Geesthacht zu kommen und über die Geschichte seiner Partei, aber auch über seinen Werdegang zu sprechen.

Im Jahre 1863 wurde die Arbeiterpartei in Leipzig gegründet, orientierte sich jedoch nach Schmidts Worten nicht an der französischen Revolution, wo die Werte „Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit“ im Vordergrund standen, sondern vielmehr an den Theorien von Karl Marx.

Zu Beginn der Veranstaltung, eröffnet von Peter Eichstädt (SPD), fand dieser in seiner Eröffnungsrede deutliche Worte: „Helmut Schmidt wurde vom Hamburger Innensenator zum politischen Hoffnungsträger der SPD. Er genoss in der Partei 100 Prozent Respekt, auch wenn ihn nicht alle geliebt haben und er ist ein Sonderfall in der deutschen Politik, den wir wohl nie wieder erleben werden.“

Schmidt, ganz der kühle Hanseat, reagierte: „Ach wissen Sie, Kanzler wollte ich eigentlich nie werden. Ich wäre lieber in die Wirtschaft gegangen, aber einer musste es ja machen.“

In seinem Podiumsgespräch in der Sporthalle der Buntenskamp Schule mit dem Historiker Dr. Bernd Faulenbach und vor mehr als 200 Besuchern betonte der Altkanzler dann auch, „die SPD hat lange gebraucht, um sich als Partei zu etablieren und als dies dann gelang, war sie eine reine Oppositions-Partei, die nach ihren Inhalten suchen musste.“

Zum damaligen Zeitpunkt waren von 100 Menschen circa 75 Arbeiter, so Schmidt , „und es ging darum, für diese Gerechtigkeit ein zu fordern und deren Ausbeutung ein zu schränken bzw. zu verhindern. Im Laufe der Industrialisierung veränderten sich diese Zahlen jedoch drastisch und die Partei musste sich den neuen Gegebenheit anpassen.“ Dies gelang nach seiner Meinung hauptsächlich Anfang der 1960er Jahre, in denen sich die SPD als große Volkspartei etablieren konnte.

„Zu meinen großen Leitfiguren, die mein politisches Leben geprägt haben zählen Kurt Schumacher, Max Brauer, Wilhelm Kaisen und Ernst Reuter“, sagt Schmidt, „und später noch der Franzose Valery Giscard d‘Estaing. Sie alle hatten den ‚Europa-Gedanken‘, aber um dieses Europa mache ich mir heute ernsthafte Sorgen.“

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Weggefährten: Peter Walter (li.) und Helmut Schmidt. Foto. T. Bartel

 

Persönlicher wurde die Talkrunde, als der ehemalige Referent (von 1973 bis 1978) von Helmut Schmidt und spätere Bürgermeister von Geesthacht Peter Walter die Bühne betrat.

„Ein 14 bis 16-stündiger Arbeitstag war damals für uns völlig normal“, so sein Rückblick; „und mit Helmut Schmidt war es auch nicht immer ganz einfach und er hat mich auch nicht immer ‚gut‘ behandelt.“

Mit einem Lächeln konterte Schmidt: „Das wäre ja auch noch schöner gewesen.“

Laut Walter war es jedoch auch eine schwere und gefährliche Zeit gewesen, gerade in Hinblick auf die Aktivitäten der RAF. „Wir mussten ständig auf der Hut sein, denn niemand wusste genau, ob und wann diese Gruppe wieder zu schlagen würde. Allerdings ebenso gefährlich war es, wenn der Chef auf die Idee kam, den Dienstwagen selber zu steuern“, fügte er schmunzelnd hinzu.

Letzte Änderung am Montag, 25 März 2013 11:21
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