Dienstag, 19 November 2013 18:24

Keine Nachrichten sind gute Nachrichten?

Geesthachter Verein „Partnerschaft Afrika e. V.“ : Nach den Wahlen in Mali kehrt vorerst Ruhe ein – in Kidal ist die Lage weiterhin gefährlich

 

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Verteilung von Lebensmitteln an Flüchtlinge in Sévaré, Mali. Foto: hfr

 

Geesthacht (LOZ). Die mediale Aufmerksamkeit, die Mali zu Beginn dieses Jahres genoss, ist verflogen. War noch vor ein paar Monaten im Deutschen Fernsehen fast täglich über die militärischen Aktionen im westafrikanischen Staat berichtet worden, so liest man heute nur noch von einzelnen Gräueltaten gegenüber Journalisten, die aus dem Norden des Landes zu berichten versuchen – so zum Beispiel vom Mord an der Korrespondentin Ghislaine Dupont und ihrem Techniker Claude Verlon in Kidal. Ereignisse wie dieses belegen, dass speziell im Norden Malis noch kein dauerhafter Frieden eingekehrt ist. Doch wie sieht das Leben für die Menschen in Mali jetzt aus? Wie geht die malische Bevölkerung mit dem Erlebten um, wie schützt sie ihr bislang friedliches multi-ethisches Land und wie versucht sie wirtschaftlich wieder Fuß zu fassen?

Im März 2012 hatte eine Gruppe Soldaten den langjährigen Präsidenten Malis, Amadou Toumani Touré, kurz „ATT“ genannt, gestürzt. Fast zeitgleich, jedoch unabhängig davon, brachten Tuareg-Rebellen zusammen mit radikalen Islamisten innerhalb weniger Tage den Norden Malis unter ihre Kontrolle. Später vertrieben Islamisten die Tuareg-Rebellen aus den wichtigsten Städten und verhängten das islamische Recht der Scharia. Als sie im Januar 2013 weiter nach Süden vorzudringen drohten, intervenierte die französische Armee und stoppte den Vormarsch. Viele Kämpfer konnten jedoch fliehen und zogen sich in die unwegsame Wüstenregion in der Umgebung zurück. Mehrfach griffen anschließend Selbstmordattentäter die ausländischen Truppen an.

Im Süden hat sich die Lage in dem westafrikanischen Land zwischenzeitlich weitgehend stabilisiert. Die Präsidentschaftswahl im Sommer verlief ohne größere Zwischenfälle. Ibrahim Boubacar Keita wurde in einer Stichwahl mit drei Viertel der Stimmen gewählt. Die Wahlbeteiligung war überraschend hoch: fast jeder zweite Bürger nahm an der Wahl teil. In Anbetracht der schwierigen Umstände im Land ein mehr als beachtenswerter Erfolg für die Demokratie. Der unterlegene Präsidentschaftskandidat Soumaila Cissé hat sofort nach der Wahl seine Niederlage anerkannt und seinem Konkurrenten gratuliert – ein klares Zeichen für Fairness, nicht selbstverständlich in manchen Staaten Afrikas. Momentan bereitet sich Mail auf die Parlamentswahlen vor. Am 24. November wird eine neue Nationalversammlung gewählt, 1.141 Kandidaten bewerben sich um 147 Sitze. Viele Wähler hoffen, dass das neue Parlament dazu beitragen wird, ihr Land aus der Krise zu führen. Die Menschen haben verstanden, dass das schwache Parlament unter dem früheren Präsidenten ATT zur Misere beigetragen hat. Jetzt arbeiten Sie an mehr direkter Einflussnahme an Entscheidungen, insbesondere an denen die den Norden des Landes betreffen. Aus der jüngsten Befragung von 3.000 Maliern seitens der Friedrich-Ebert-Stiftung geht hervor, dass 75 Prozent der Befragten die primäre Aufgabe in der Schaffung von Frieden im Norden sehen. Ein spezielles Ministerium für nationale Versöhnung und Entwicklung der Nordregionen wird von 76 Prozent befürwortet. Umgekehrt wird eine mögliche Autonomie des Nordens von 70 Prozent der Befragten abgelehnt. Hieraus kann man den Willen erkennen, das Land in seiner Gesamtheit zu erhalten und Konflikte friedlich zu lösen.

Der Geesthachter Verein „Partnerschaft Afrika e. V.“ (PA) hat über seine Kooperationspartner in Sévaré bei Mopti einen „direkten Draht“ und versucht nach seinen Möglichkeiten den Menschen in ihrer schwierigen Situation zu unterstützen. Alle Projekte laufen dank des unermüdlichen Einsatzes von Daniel Coulibaly vor Ort zurzeit wie geplant. Der malische Leiter der Kooperationspartner hat mit seinen Leuten seine Heimat nur für ein paar Tage verlassen müssen, konnte kurz nach Intervention der französischen Truppen zurückkehren und seine Arbeit wieder aufnehmen. Im Frühsommer dieses Jahres arbeitete er zusammen mit PA an einer Spendenaktion, um den Flüchtlingen im Land mit Hirse, Reis und Pflanzenöl zu helfen. Insgesamt 20.000 Euro konnten in Geesthacht gesammelt werden. Die dringen benötigten Lebensmittel wurden im Juni und September an Flüchtlingsfamilien in Sévaré verteilt. Dafür hat der Geesthachter Verein viel Lob bekommen. Die schnelle und direkte Hilfe kam an, und die Menschen waren sehr dankbar. Andere Hilfsorganisationen mussten im Frühjahr das Land aufgrund der Sicherheitslage verlassen, so dass ausschließlich lokales Engagement möglich war – mit Hilfe aus Geesthacht. Diesen Dank gibt PA gerne an die Spender weiter. Die Flüchtlinge sind nun zum größten Teil wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, ein akuter Bedarf besteht nun nicht mehr.

 

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Foto: hfr

 

Wer sich ein genaueres Bild der Lage machen möchte, der ist herzlich zum Geesthachter Weihnachtsmarkt eingeladen. Am Sonntag, den 1. Dezember, wird von 10.00 bis 17.00 in der Sporthalle Berliner Straße neben Informationen um Mali ein buntes Programm geboten. In der stimmungsvoll geschmückten Halle bieten Aussteller aus Geesthacht und Umgebung liebevoll hergestelltes Kunsthandwerk an. Insgesamt 45 Aussteller bieten für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas. Geesthachts Verschwisterungsgemeinden sind diesmal mit von der Partie. Dieses Jahr gibt es einen neuen Rekord an Ausstellern – die Halle ist komplett gefüllt. Aus Mali können Holzschnitzereien, Spiele und Schmuck aus dem Direktimport erworben werden. Für das leibliche Wohl ist durch eine große Kuchentheke, Bratwurst vom Grillstand, warme Suppe sowie Kaffee, Glühwein und Softdrinks gesorgt. Eine Attraktion ist wie in den vergangenen Jahren die Tombola, die500 Gewinne ausschütten wird. Auch diesmal haben Geesthachter Einzelhändler und Firmen attraktive Preise gestiftet, die zugunsten von Entwicklungshilfeprojekten verlost werden. Lose zum Stückpreis von zwei Euro werden ab 10.00 verkauft. Um 11.00 wird Bürgermeister Dr. Manow Aussteller und Gäste begrüßen. Danach beginnt das musikalische Programm unter anderem mit den Oberstadt-Trommlern und einem Trio um den Gitarristen Rüdiger Ullrich.


 

Letzte Änderung am Dienstag, 26 November 2013 18:46
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