Freitag, 14 März 2014 19:46

Weniger Steine, mehr Natur

Göttinger Wissenschaftler setzen Umfrage zur Uferentwicklung entlang der Unterelbe fort


(pug). Viele Uferabschnitte entlang der Unterelbe sind seit Jahrzehnten von Steinschüttungen geprägt. Ein Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Gewässerkunde und der Universitäten Göttingen und Kiel erarbeitet derzeit Grundlagen für eine Rückannäherung an natürliche Ufer. In die Entscheidungen, welche Uferabschnitte in welcher Form zurückgebaut werden können, sollen die Ansichten der Anwohner frühzeitig einbezogen werden. Die Wissenschaftler hatten deshalb im Herbst 2013 rund 600 Haushalte in verschiedenen Gemeinden zwischen Cuxhaven und Geesthacht angeschrieben. In den kommenden Wochen folgt eine zweite Befragungswelle.


„Wir haben bereits einen ersten Eindruck davon, wie wichtig den Menschen entlang der Elbe naturnahe Ufer für Erholung und Freizeit sind“, so Dr. Jan Barkmann, stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelt- und Ressourcenökonomik der Universität Göttingen. „Und auch als Lebensraum für seltene oder geschützte Tiere und Pflanzen sind den Anwohnern die Elbufer wichtig.“ Es zeichnet sich ab, dass die Menschen in der Mehrheit durchaus bereit sind, eine gewisse finanzielle Belastung auf sich zu nehmen, damit sich der Zustand der Elbufer verbessert.

„Erste Ergebnisse deuten beispielsweise darauf hin, dass die befragten Haushalte freiwillig zwischen fünf und zehn Euro jährlich zahlen würden, damit pro Jahr zehn Kilometer Elbufer zurückgebaut werden können“, so Dr. Barkmann. Um diese Zahlungsbereitschaft genauer bestimmen zu können, verschicken die Wissenschaftler in den kommenden Wochen rund 3.600 Fragebögen an zufällig ausgewählte Haushalte in 32 Gemeinden und Ämtern entlang der Unterelbe sowie in Hamburg.

Die Unterelbe ist der von den Gezeiten beeinflusste Abschnitt des Flusses zwischen Geesthacht und Cuxhaven. In diesem Gebiet sind nur noch etwa 40 Prozent der Ufer naturnah – rund 150 der insgesamt 330 Uferkilometer sind so stark verbaut, dass sich dort kaum noch Pflanzen finden. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden nach und nach große Abschnitte mit Steinschüttungen, Spundwänden und anderen technischen Mitteln ausgebaut, die das Ufer vor Abbrüchen schützen und das Land vor den Deichen nutzbarer machen.

Die technisch gesicherten Ufer sind aber oft weniger wertvoll für Artenvielfalt, Gewässerqualität und Erholungssuchende. Die Wissenschaftler des Forschungsprojekts „ElbService“ untersuchen deshalb, inwiefern die Ufer im Einklang mit Hochwasserschutz, Schifffahrt und den Ansprüchen der dort lebenden Menschen zurückgebaut werden können. Aus Mitteln der Bundesanstalt für Gewässerkunde fließen bis Ende 2014 insgesamt rund 130.000 Euro in die Vorbereitung und Auswertung der Befragung.

Letzte Änderung am Samstag, 29 März 2014 11:53
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