Das Phänomen Schmerzgedächtnis: Nervenzellen vergessen nicht

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Foto: Change Pain/akz-o


(akz-o). Akuter Schmerz ist überlebenswichtig: Er warnt uns vor äußeren Reizen und schützt unseren Körper vor Verletzungen, Krankheiten oder Überlastung. Bedenklich wird es jedoch, wenn der Schmerz diese Warnfunktion verliert, über längere Zeit anhält und sich zu einem dauerhaften Problem entwickelt, also chronisch wird. Bei diesem Vorgang nimmt unser Nervensystem eine zentrale Rolle ein: Bleiben Schmerzen lange Zeit unbehandelt, entsteht ein sogenanntes Schmerzgedächtnis. Wir verraten Ihnen, was sich dahinter verbirgt und wie man Schmerzen wieder verlernen kann.


Es ist ein Vorgang, den jeder von uns kennt: Wiederholt man etwas über einen längeren Zeitraum, verankert sich das Gelernte früher oder später in unserem Gedächtnis. Ein solcher Trainingseffekt kann sich auch bei Schmerz einstellen: Kehrt dieser immer wieder zurück, merken unsere Nervenbahnen sich den Reiz. Die Nervenzellen, die den Schmerz weiterleiten, werden überempfindlich und reagieren schon auf kleinste Signale. Manchmal kann dann schon eine leichte Berührung Schmerzen auslösen. In der Folge kann sich die Schmerzreaktion so verselbstständigen, dass kein äußerer Reiz mehr vorliegen muss, um eine Reaktion hervorzurufen. Der Schmerz wird zu einer eigenständigen Krankheit.


Therapien gehen Hand in Hand
Bekommt unser körpereigenes System Schmerzen nicht mehr allein in den Griff, ist eine unterstützende medikamentöse Therapie sinnvoll. Hier eignen sich z. B. Medikamente wie Tramadol, NSAR oder bei starken chronischen Schmerzen Arzneimittel mit der Wirkstoffklasse MOR-NRI. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von opioidhaltigen Pflastern. „Die medikamentöse Therapie ist aber nur eine Säule der Schmerzbehandlung“, weiß Dr. Adrian M. Stoenescu, Schmerzspezialist am Schmerzcenter Wuppertal. Bei der sogenannten multimodalen Schmerztherapie werden zusätzlich unterschiedliche Behandlungsansätze, wie psychotherapeutische Verfahren, Physiotherapie, bis hin zu diversen Entspannungstechniken eingesetzt.


Extremer Stress für Körper und Seele
„Haben sich Schmerzen dauerhaft ins Leben eingenistet, bedeutet dies Stress für Körper und Seele“, weiß Stoenescu. Betroffene leben in ständiger Angst vor dem Schmerz. „Dieser Angst muss in einer Schmerztherapie entgegengewirkt werden. Der Patient muss sich bewusst machen, dass sein Schmerz etwas Erlerntes ist, das er wieder verlernen kann“, erklärt der Experte. Damit sich ein solches Schmerzgedächtnis gar nicht erst ausbilden kann, ist es wichtig, länger andauernde Schmerzen frühzeitig zu behandeln!
Weitere Infos im Internet unter: www.change-pain.de

Letzte Änderung am Mittwoch, 12 September 2012 09:28
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