Deutlich mehr Menschen mit Tuberkulose

Deutlich mehr Menschen mit Tuberkulose Foto: W. Reichenbächer

(LOZ). Zum Welttuberkulosetag am 24. März hat das Robert Koch-Institut (RKI) die Tuberkulose-Fallzahlen für das Jahr 2015 veröffentlicht. Es ist der höchste Wert seit 2005: 5.865 Fälle. Das sind rund 30 Prozent und 1.332 Fälle mehr als im Jahr 2014 (4.533 Fälle insgesamt). Auch in Schleswig-Holstein sind die gemeldeten Infektionszahlen gestiegen, wie die IKK classic mitteilt. Die Krankenkasse hat sich die Auswertung vom RKI genauer angesehen und festgestellt, dass im nördlichsten Bundesland die Fallzahlen von 85 im Jahr 2014 um 29 Fälle gestiegen sind, ein Plus von 34 Prozent. Insgesamt wurden 2015 in Schleswig-Holstein 114 Fälle mit Tuberkulose gemeldet. Das ist der höchste Wert seit 2006.

Im Herzogtum Lauenburg spielt Tuberkulose kaum eine Rolle, die Fallzahlen sind sogar gesunken. 2015 wurden drei Fälle gemeldet, 2014 waren es sieben. Die meisten Meldungen in Schleswig-Holstein und gleichzeitig die stärkste Steigerung gab es im vergangenen Jahr in Kiel. 2015 wurden in der Landeshauptstadt 17 Tuberkulosefälle gemeldet, zehn Fälle mehr als im Jahr zuvor.

„Trotz der erhöhten Fallzahlen versichert das Robert Koch-Institut, dass das Infektionsrisiko in der Allgemeinbevölkerung unverändert gering ist“, sagt Peter Rupprecht von der IKK classic. „Der deutliche Anstieg bei den Erkrankungszahlen im Jahr 2015 lässt sich erklären. Er geht zurück auf die aktive Fallfindung bei der gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchung von Asylsuchenden, die in Gemeinschaftsunterkünfte kommen.“

Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird und meist die Lunge befällt. In Deutschland zählt sie zu den seltenen Erkrankungen. Betroffen sind bei uns ist erster Linie soziale Randgruppen, wie Obdachlose und Drogenkranke, aber auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem haben ein erhöhtes Risiko. Neu hinzugekommen sind Flüchtlinge, die zum Teil aus Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung und einer wesentlich größeren Tuberkuloseverbreitung stammen.

Infizierte Menschen geben die Bakterien nur dann weiter, wenn die Tuberkuloseherde eine Verbindung nach außen haben, beispielsweise über die Atemwege. Der ansteckende Zustand mit Verbindung nach außen wird als „offene TBC“ bezeichnet. Dann können die Krankheitserreger durch Husten oder Niesen an die Luft gelangen und von anderen Menschen eingeatmet werden.

„Ein einmaliger, kurzer Kontakt, wie er in Bussen oder Warteschlangen vorkommen kann, reicht in den seltensten Fällen für eine Ansteckung aus“, erklärt Rupprecht. „Ein wesentlich größeres Risiko haben enge Kontaktpersonen von Erkrankten nach wiederholten und längeren Kontakten.“

Tuberkulose kann ausbrechen, ohne dass Betroffene es merken. Sie beginnt oft schleichend und die Symptome sind häufig nicht eindeutig: Husten, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, leichtes Fieber, Nachtschweiß. Die Beschwerden halten über Wochen an und unbehandelt verschlechtern sie sich meist. Für die Diagnostik wird die Lunge geröntgt. Erhärtet sich der Verdacht auf Tuberkulose, wird die Diagnose durch den Nachweis der Bakterien gesichert. Behandelt wird die Krankheit mit einer Kombination aus verschiedenen Medikamenten, die die Bakterien abtöten und über mehrere Wochen eingenommen werden müssen.

Letzte Änderung am Freitag, 18 März 2016 15:53
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