Alarmzeichen Krampfadern

Wissenswertes rund um die Venen - Tipps und Therapien

djd medi kw 16-12

Patienten, die unter erweiterten Venen leiden, sollten sich vor einer Behandlung gut beraten lassen. Foto: djd/medi


Von unserer djd-Korrespondentin Paula Schmidt

(dtd). Wenn sich Adern unschön am Bein ringeln, ist das nicht nur ein kosmetisches Problem: Die so genannten Krampfadern müssen oft operiert werden, damit das Blut wieder richtig fließt. Verschiedene Therapien und Behandlungsmethoden werden angeboten - eine Entscheidung will sorgfältig getroffen werden.


Wenn schöne Beine durch Krampfadern verunziert werden, ist das mehr als nur ein kosmetisches Problem: Oft ist eine Behandlung notwendig. Mit kleinen roten Äderchen, den so genannten Besenreisern, fängt es häufig an. Und wer Pech hat, an dessen Beinen ringeln sich die Venen irgendwann bläulich unter der Haut empor. Laut einer Hochrechnung der Barmer GEK Krankenkasse stellt sich bei 325 000 Menschen in Deutschland jährlich heraus: Sie haben Krampfadern. Der Düsseldorfer Gefäßspezialist Georg Kraus beschreibt die Ursache dafür so: "Die Venen sind im Grunde eine Fehlkonstruktion der Natur. Sie sollen das Blut aus den Beinen mit geringem Druck gegen die Schwerkraft wieder zum Herzen zurückpumpen. Das kann nur mithilfe von 'Tricks' funktionieren. So wirken die Venenklappen wie Schleusen, die ein Zurücksacken des Blutes verhindern.“ Ein weiterer Grund für das Entstehen von Krampfadern: Die Venen wurden nicht darauf ausgerichtet, dass der Mensch ständig am Schreibtisch sitzt, sondern für lange Wanderungen in der Steppe konzipiert. Deshalb haben Naturvölker auch praktisch keine Venen-Probleme.

Weiten sich die Venen im Lauf der Zeit oder schließen die Klappen nicht mehr richtig, dann beulen die Adern zu Krampfadern aus. Das schmerzt, verursacht schwere sowie verschwollene Beine, kann zu Entzündungen und schlecht heilenden Geschwüren führen - deshalb gilt es, nach einer Diagnose mittels Ultraschall etwas zu tun. Wie die Behandlung aussieht, das richtet sich nach dem individuellen Befund. Auch das Alter des Patienten sowie eventuelle weitere Erkrankungen spielen dabei eine Rolle.

Verschiedene Behandlungsverfahren

Es gibt vor allem drei Verfahren, mit denen Besenreiser und ausgeprägte Krampfadern entfernt oder behandelt werden:

1) Verödung: Die so genannten Besenreiser werden häufig als dünne, dunkle Adern sichtbar, die vor allem auf den Oberschenkeln zu finden sind. Sie stellen lediglich ein kosmetisches Problem dar und bereiten keine weiteren Beschwerden. Der Arzt kann diese Äderchen veröden - beispielsweise mithilfe von Strom, Laser oder einer so genannten Blitzlampe. Auch eine chemische Behandlung ist möglich. Dabei spritzt der Gefäßspezialist, auch Phlebologe genannt, einen Wirkstoff oder eine aufgeschäumte Substanz mit einer feinen Nadel in die Venen. Auf diese Weise gerinnt das in den Äderchen vorhandene Blut und wird mit der Zeit vom Körper aufgenommen.

2) Stripping: Bei ausgeprägten Krampfadern werden laut Gefäßchirurg Georg Kraus möglichst wenige oberflächliche Venen sanft und mit kleinen Schnitten entfernt. Die kranke Vene wird durch einen kleinen Schnitt mithilfe einer Sonde herausgezogen (gestrippt). Kraus: "Das ist die klassische Operation, die auch die Krankenkassen zahlen. Der Körper vermisst diese Adern nicht, da sich der wesentliche Bluttransport im tiefen Venensystem abspielt, an das wir nicht rühren.“

3) Laser- oder Radiofrequenzverödung: Dieses Verfahren bedingt, dass ein Katheter in die große Rosenvene eingeführt wird, die in der Leiste in das tiefe Venensystem einmündet. Das Ziel ist es, diese Vene mithilfe von Energie - also Heißwasserdampf, Laser oder Radiowellen - zu verschmelzen, wenn der Katheter zurückgezogen wird.

Über die Wirksamkeit der an dritter Stelle genannten, so genannten thermoablativen oder endovenösen Verfahren, gibt es in Ärztekreisen viele Diskussionen. Während die Befürworter dieser Methoden propagieren, sie seien schonender für die Patienten, ist Gefäßchirurg Georg Kraus gemeinsam mit 20 Fachkollegen im Forum Gefäßmedizin Düsseldorf der Meinung: "Das sind Verfahren, die allenfalls bei seltenen anatomischen Voraussetzungen und wenigen Patienten Erfolg versprechen. Oft sind Nachbehandlungen notwendig.“ Ähnlich äußert sich Professor Achim Mumme, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie an der Universitätsklinik Bochum, in der Fachzeitschrift Vasomed: "In unabhängigen Vergleichsstudien ist die endovenöse Therapie (…) den Beweis für den oft postulierten Vorteil einer schonenderen Behandlung bislang schuldig geblieben. Darüber hinaus konnte im Langzeitverlauf bisher nicht gezeigt werden, dass die endovenöse Therapie tatsächlich mit der Operation gleichwertig ist.“ Patienten sollten sich daher sorgfältig beraten lassen und im Zweifelsfall eine zweite Meinung einholen, bevor sie sich für eine der Behandlungsmethoden entscheiden. Das hat auch finanzielle Hintergründe: Während die Kosten für das klassische Operationsverfahren bei Krampfadern von den Krankenkassen übernommen werden, muss man für die Laser- und Radiofrequenzbehandlungen in der Regel selbst in die Tasche greifen: Bis zu 2500 Euro kann der Patient dabei pro Bein berappen.

Vorbeugen durch Bewegung

Die Funktionen von Arterien und Venen lassen sich durch Bewegung gut trainieren.
Am besten ist es natürlich, wenn Krampfadern gar nicht erst entstehen oder durch bestimmte Verhaltensregeln in Grenzen gehalten werden. Vorbeugen lässt sich durch Bewegung, daher empfehlen Ärzte:
- Täglich möglichst viel gehen.
- Während der Schreibtischarbeit öfters aufstehen.
- Die Füße am Tisch nicht stillhalten.
- Immer mal wieder die Beine hochlegen.

Wenn sich das Blut in den Beinen staut, können geeignete Kompressionsstrümpfe helfen. Dadurch vermindert sich auch das Risiko für eine Thrombose, die auch Schwangere betreffen kann. Diese entsteht durch ein Blutgerinnsel (Thrombus), das ein Blutgefäß verschließt - meist in den tiefen Bein- und Beckenvenen. Schmerzen und eine Schwellung der Wade oder des Beins sind mögliche Symptome. Behandelt wird eine Thrombose meist mit blutverdünnenden Medikamenten wie etwa Heparin, außerdem wird ein Druckverband angelegt. Langfristig verhindert im Anschluss daran der wadenlange orthopädische Strumpf krankhafte Hautveränderungen oder die Entstehung eines offenen Beins. Fachkundige Apotheker beraten bei der Auswahl der passenden Kompressionsklasse. Vier Stärkegrade gibt es, die Klasse 2 gilt im Normalfall als die richtige für eine tiefe Beinvenenthrombose.

Letzte Änderung am Dienstag, 24 April 2012 22:48
Kostenlose Nachrichten aus dem Herzogtum Lauenburg
Kostenlose Nachrichten Mobil

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.