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Deutscher Kinderschutzbund warnt: Jedes fünfte Grundschulkind ohne Frühstück

Kindergesundheitsstudie offenbart besorgniserregende Ernährungsdefizite bei 7- bis 9-Jährigen

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Jedes fünfte Grundschulkind geht ohne Frühstück aus dem Haus - ein Ergebnis der Elefanten-Kindergesundheitsstudie, für die 5.000 Kinder zwischen 7 und 9 Jahren befragt wurden.
Foto: Deutscher Kinderschutzbund

 

(ddp direct). Fast jedes fünfte Grundschulkind geht morgens ohne Frühstück aus dem Haus. Das ist ein Ergebnis der Elefanten-Kindergesundheitsstudie, für die das PROSOZ-Institut für Sozialforschung (PROKIDS) in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) bundesweit 5.000 Kinder zwischen 7 und 9 Jahren befragt hat. Der zweite Teil der Studie deckt gravierende Unterschiede im Bereich der Kinderernährung auf: So achtet zwar eine überwiegende Mehrheit der Grundschulkinder schon aus eigenem Antrieb auf gesundes Essen. Aber nicht wenige Kinder müssen morgens mit leerem Bauch zur Schule gehen oder den ganzen Tag über ohne warme Mahlzeit auskommen.


Die Ergebnisse der Elefanten-Kindergesundheitsstudie beruhen auf einem Set von 20 Fragen zur Ernährung und weisen auf eine kritische Konstellation von Defiziten bei einem beträchtlichen Teil der Kinder hin: Danach erhalten 8 Prozent der 7- bis 9-Jährigen „nie“ und 10 Prozent „selten“ ein Frühstück vor der Schule, weitere 12 Prozent nur „manchmal“. 10 Prozent der Kinder gaben an, nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit zu erhalten. 7 Prozent haben nach eigenen Angaben „nie“, „selten“ oder nur „manchmal“ genügend zu essen im Haus.

Besorgniserregende Zusammenhänge
Besonders besorgniserregend findet Anja Beisenkamp vom PROKIDS-Institut die Zusammenhänge, die von der Elefanten-Kindergesundheitsstudie aufgezeigt werden: „Wer oft ohne Frühstück aus dem Haus geht, erhält auch öfter keine warme Mahlzeit und klagt auch öfter über einen Mangel an Nahrungsmitteln zu Hause.“ Zudem werde bei diesen Kindern häufiger Essensentzug als Bestrafung eingesetzt.

DKSB fordert gesundes Essen für alle Kinder
Für den Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) ist diese Situation nicht hinnehmbar: „Auch wenn nur eine Minderheit der Kinder betroffen ist: Jedes Kind, das keine ausreichende gesunde Ernährung bekommt, ist eines zu viel!“, kritisiert Friedhelm Güthoff, Sprecher des DKSB. Bedauerlich sei, dass Kindergesundheit als ein Generalschlüssel für Lernerfolg und Wohl-befinden im Alltag der Kinder zu wenig Beachtung erfährt. Hier stünden Eltern, Schule und Wirtschaft in der Verantwortung. „Für Eltern gilt: Hektik am Morgen vermeiden und Zeit für ein gemeinsames Frühstück einzuplanen – nach dem Motto: 10 Minuten chillen, der Schultag ist turbulent genug. Für die Schule gilt: Gesundes Essen für alle Schüler – Obst bis zum Abwinken und Speisepläne mit kulinarischen Highlights nach dem Geschmack der Kinder“, so die Empfehlung des DKSB. Nachdrücklich fordert der Deutsche Kinderschutzbund auch einen Beitrag der Lebensmittelwirtschaft zur Stärkung der Kindergesundheit. Das Motto müsse hier lauten: „Gesundheit steckt an – auch ohne explosive Zucker- und Fettanteile.“

Gesunde Kinderernährung hat in manchen Familien geringen Stellenwert
Ein Ergebnis der Elefanten-Kindergesundheitsstudie ist es, dass mangelhafte Ernährung nicht die vermuteten Zusammenhänge mit dem sozialen Status – beispielsweise zur Arbeitslosigkeit der Eltern – aufweist. Die Korrelationen deuten aber darauf hin, dass gesunde Kinderernährung in manchen Haushalten einen geringen Stellenwert hat: In Familien, in denen nicht immer ausreichend Essen zur Verfügung steht, wird auch häufiger auf ein warmes Essen verzichtet, das Frühstück ausgelassen oder Essensentzug als Erziehungsmethode eingesetzt. „Leidtragende sind die Kinder: Sie fühlen sich weniger wohl, weniger gesund und weniger glücklich“, erklärt Anja Beisenkamp, Leiterin des PROSOZ-Instituts für Sozialforschung – PROKIDS.

DKSB: „Gehandelt werden muss jetzt – gesunde Ernährung ist Gebot der Stunde“
Angesichts dieser Zusammenhänge sieht der Deutsche Kinderschutzbund dringenden Handlungsbedarf: „Kinder leiden unter den schlechten Ernährungsgewohnheiten in ihrer Familie dauerhaft nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Umso wichtiger wäre ein gemeinsames Essen in der Familie, zusammen mit Eltern und Geschwistern, in der Schule mit Lehrer/innen und Klassenkameraden – eingebunden in eine Kultur des Essens, die Geselligkeit, Spaß und Freude am Entdecken neuer Speisen und Getränke vermittelt. Gesunde Ernährung ist das Gebot der Stunde und mehr als nur Nahrungsaufnahme“, so DKSB-Sprecher Friedhelm Güthoff.

Letzte Änderung am Samstag, 23 Juni 2012 14:10