Seit Jahrtausenden nah am Menschen: Goldfische, die beliebtesten Heimtiere weltweit

 

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 Um ihren Bewegungsdrang ausleben zu können, benötigen Goldfische ausreichend Platz im Teich oder Aquarium. Foto: FLH

 

(FLH). Das runde Goldfischglas, das im 18. Jahrhundert in den Salons für Leben und Farbe sorgte, ist längst aus Tierschutzgründen verboten. Heute tummeln sich die beliebten Goldfische in Süßwasseraquarien oder draußen im Gartenteich. Ungebrochen ist die Faszination, die sie auf Kinder und Erwachsene gleichermaßen ausüben.

Vom heiligen Fisch zum Statussymbol, Globetrotter und Laborbewohner

Die ältesten Aquarienfische der Welt stammen von der asiatischen Silberkarausche ab und gehören zu den Karpfenfischen. Schon vor hunderten von Jahren gab es vereinzelte rotorange Varianten der ansonsten grünbraunen bis schwarzgrauen Silberkarausche. Diese Fische galten in Asien als heilig. Ab dem 11. Jahrhundert züchteten die Chinesen sie gezielt weiter. Anfangs waren es Kostbarkeiten, die nur Adelige in ihren Gartenteichen oder in Porzellangefäßen halten durften. Später gab es dann in fast jedem chinesischen Haushalt einen solchen Fisch.

Im 17. Jahrhundert wurden die Goldfische auch in Europa eingeführt und verzückten zunächst die Reichen in den vornehmen Salons. Die schönen Exoten wurden rasch ein begehrtes Statussymbol. Auch Madame Pompadour soll sie als Geschenk von einer Expedition nach China erhalten und in ihrem Boudoir präsentiert haben. Die roten Fische zu halten, wurde schnell eine richtige Mode, die sich über den ganzen Kontinent ausbreitete. Heute ist der Goldfisch das häufigste Heimtier der Welt und tummelt sich millionenfach in Teichen und Aquarien.

Wegen ihrer unkomplizierten Haltung werden Goldfische heute auch häufig in der Verhaltensforschung eingesetzt und für wissenschaftliche Studien verwendet. Vor einigen Jahren flogen sogar sechs Goldfische mit der Raumfähre Columbia ins All; an ihnen wurde die Auswirkung der Schwerelosigkeit erforscht. Durch gezielte Züchtung gibt es seit kurzem tatsächlich auch „durchsichtige" Goldfische. Bei ihnen kann man das pulsierende Herz und alle anderen Organe durch die Haut sehen. Für die Forschung und den Anschauungsunterricht in Schulen mag das ein Plus sein, für die Tiere ist es das sicher nicht.

Bunt, bunt, bunt sind alle meine Schuppen

Goldfische können sehr unterschiedlich aussehen, denn mittlerweile gibt es mehr als 250 verschiedene Zuchtformen. Ihre schillernden Farben reichen von leuchtend rot über rotorange bis gelblich, aber es gibt auch Schwarze und schwarz-weiß Gefleckte in unterschiedlichsten Kombinationen. Auch die Größe der Fische kann variieren: Einige von ihnen können eine Länge von bis zu 40 Zentimetern erreichen. Wie groß ein Tier wirklich wird, hängt zum Teil auch vom Platzangebot der Umgebung ab.

Die verschiedenen Züchtungen unterscheiden sich besonders an den Schwanzflossen. Einige haben lange, gerade Schwänze, andere Fächerschwänze, Schleierschwänze oder kometenschweifähnliche Flossen. Es gibt auch Züchtungen, die Verdickungen wie kleine Polster an ihren Köpfen haben und passenderweise Löwenköpfe genannt werden, andere Formen besitzen riesige teleskopartige Augen.

Mit allen Sinnen

Goldfische besitzen, wie alle Karpfen, keinen Magen. Deswegen findet die Verdauung der Nahrung ausschließlich im Darm statt. Damit sie in der freien Natur ausreichend Futter finden, sind ihre Augen hochentwickelt und auf die Nahrungssuche im trüben Wasser spezialisiert. Goldfische können besser sehen als Menschen. Während wir vor dem Aquarium stehen und die Tiere mit den Sehzellen für rot, blau und grün betrachten, haben sie einen zusätzlichen Sehzellentyp, der UV Licht wahrnehmen kann. Hiermit entgehen ihnen auch die kleinsten Wasserflöhe und Plankton nicht - selbst wenn sie gegen eine blendende Wasseroberfläche blicken müssen.

„Dass Goldfische und auch alle anderen Fische nicht hören können, ist ein Gerücht", erklärt Bernd Schmölzing, Vorsitzender im Vorstand der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren e.V. (FLH). Eine Ohrmuschel sucht man zwischen den Schuppen allerdings vergeblich, denn es gibt nur ein Innenohr. Dies ist über winzige Knöchelchen mit der Schwimmblase verbunden. Wenn Schallwellen durch das Gewebe zur Schwimmblase dringen, versetzen sie diese in leichte Schwingungen, die über die Knöchelchen zum Innenohr weitergeleitet werden. Schmölzing: „Schon die alten Chinesen machten sich den Gehörsinn ihrer Goldfische zu Nutze und riefen die Tiere mit einem Glöckchen zur Fütterung an den Teichrand." Auch Aquariumfische lernen heute schnell bestimmte Geräusche mit der Futtergabe zu verbinden. Kinder freuen sich sehr, wenn sie mit einem leichten Klopfen an die Futterdose ihren Fisch in eine bestimmte Ecke des Beckens locken und dort füttern können. „Nach neueren Untersuchungen reagieren die Tiere allerdings auf Geräusche wie Bassdröhnen empfindlich. Orientierungslosigkeit ist häufig die Folge. Deshalb sollten die Boxen der Stereoanlage nicht unbedingt direkt neben dem Aquarium stehen", rät Schmölzing.

Wilde Hetzjagd durchs Wasser

Es gibt Tage, da gleiten die Goldfische nicht so ruhig wie sonst durch das Wasser, sondern flitzen gehetzt von einem Ende zum anderen. Es ist Paarungszeit und die sonst friedlichen Männchen jagen die laichbereiten Weibchen kreuz und quer durchs Becken und stoßen sogar gegen ihren Körper, um sie zur Eiablage zu bewegen. Findet das Weibchen endlich die richtige Stelle zum Laichen, legt sie zwischen den Pflanzen bis zu 3.000 Eier ab. Sofort ist das Männchen zur Stelle und besamt den Laich. Nach ein paar Tagen schlüpfen hieraus kleine fast durchsichtige Larven, die an Wasserpflanzen kleben und sich zu Jungfischen entwickeln. Zunächst färben sich die jungen Goldfische dunkel, denn diese Pigmentierung der oberen Hautschichten ist eine gute Tarnung. Nach und nach verändert sich die Farbe und die roten Farbpigmente der tieferen Hautschichten werden sichtbar. Es kann bis zu drei Jahren dauern, bis die Tiere ihre endgültige Färbung erreicht haben.

Unkomplizierter Mitbewohner

Damit die weltweit beliebten Fische sich beim Menschen wohlfühlen, braucht es nicht viel. Um ihren Bewegungsdrang ausleben zu können, benötigen die Tiere allerdings ausreichend Platz im Teich oder Aquarium. 20 bis 50 Liter Wasser sollten jedem Fisch zur Verfügung stehen. Da Goldfische gerne in Gruppen leben, müssen mindestens drei Tiere zusammen gehalten werden. Es ist ratsam das Wasser bei einem neu angelegten Aquarium ca. drei Wochen vor Fischbesatz einzufüllen. So kann sich ausreichend Mikrofauna bilden, die für einen gesunden Wasserhaushalt wichtig ist. Bei gechlortem Wasser gibt es im Zoofachhandel spezielle Mittel zur Aufbereitung. Ansonsten braucht das Aquarium nur einen Filter und in regelmäßigen Abständen sollte etwa ein Drittel des Wassers ausgetauscht werden. Was die Temperatur angeht sind Goldfische extrem flexibel, so dass im Becken keine Heizung nötig ist. Einen dicken Boden mit Kies, Sand, Steinen, Wurzeln und Pflanzen mögen die Goldfische besonders, da sie gerne gründeln, den Boden aufwühlen und an Pflanzen knabbern. Ein so eingerichtetes Aquarium kann der Beginn einer langen Freundschaft zwischen Mensch und Fisch sein. Denn Goldfische können tatsächlich sehr alt werden: 30 Lebensjahre oder mehr sind keine Seltenheit.

Letzte Änderung am Freitag, 26 Juli 2013 19:31
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