Mittwoch, 29 März 2017 13:54

Erinnerung ut miene Schooltied

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Friedrich Schnoor (1879 — 1966) — sien Schrieversnaam weer Fiete Lüttenhus — hett op Platt Gedichten un Geschichten schreven un reziteert. Sien Söhn Freddy Schnoor hett uns en ganz Koppel Texten ut sien Vadders Nalaat tostüürt.

(M.Lessing - plattpartu -)

An’n 14.2. weer Friedrich Schnoor sien Bortsdag. To düssen Anlaat wiest wihier mal wedder en lütte Utwahl an histoorsche Vertellsels un Riemels vun Fiete „Lüttenhuus“ Schnoor.

Dat eerst Vertellsel is autobiograafsch. De Franzosentied — de napoleonische Besatzung in Hamborg vun 1806 bet 1814 — schient noch to’n Griepen nehg. För uns Hütige fallt sünnerlich op, dat de Kinner in de School — de Karkenschool! — för’t Laatkamen nich bloots bestraaft, ok nich bloots slaan — nee, dat se regelrecht dörprügelt woorn. Man Gewalt weer dormalen apenbor wat Alldääglichs. Uns vergeiht dor de Nostalgie. Man liekers schient Schnoors lütte Text vull Leevde to de ole Tied, dat ole Hamborg un de ole School.

Erinnerung ut miene Schooltied

In de achziger Johm, as ick jung weur, geef dat in Hamborg noch de Kirchenschooln. Ick gung in de Jakobi-Kirchenschool bi Hauptlehrer Dunker. Wi wohnten in St. Georg, in de Baumeisterstroot, un op mien Schoolweg mußt ick immer öbern Georgsplatz un von de Lilienstroot dörch’n Barkhoff.

Dormols worr de Barkhoff en smalle Stroot mit ohle un scheebe Hüüs. Hier wohn’n Lüüd, de keen hoge Mieten betohln kunn, eenfache un orndliche Arbeiters, ober ook allerhand Husch-Nusch. Wenn wi Jungs morgens op unsern Schoolweg dorch düsse Stroot güng’n, den heuern wir dor in dat een oder anner Huus meist immer Larm un Spektokel. Manchmol kunn wi sehn, wie sick Mann und Froo sleugen und dorbi bannig gröhln dähn. Ob mit Bessen, Steebelknecht, Füertang oder Nachtputt — mit allns hauten se sick un ballerten sick dormit gegensiedig an den Kopp. För uns Jungs weur dat immer en Gaudium, dat mit antokieken un dat Geschimp mit antoheurn. Dordorch keum wi ober ook oft to laat in de School, un denn geef dat’n dörchwussen Jackvull.

Op den Platz twüschen de Jakobikirch un de Hüüs von de veer Pasters Röpe, Bröker, Rothlieb und Vett güng’n wi Jungs in de Pausen een achter den annern spaziern. Een Lehrer harr de Opsicht un höll streng op Ordnung. Eenmol hebbt se an de een Siet von düssen Platz, de in de Franzosentied en Kirchhoff west sien sull, opgroben, üm nees Plooster to leggen. Bi de Groberee hebbt se Skelette, Minschenschädels, Knooken, franzeusche Uniformstücke, Tschakkos un veel Waffen funn. Dat weur wat för uns Jungs; in de Stünn passen wi gor nich mehr op, un de Pausen kunn wi kuum afteuben.

Mit den Dood von unsern allverehrten Hauptlehrer Dunker güng de Jakobi-Kirchenschool in.

Friedrich Schnoor 1932

Erinnerung an meine Schulzeit

(zirka 1885-1890)

Original von Friedrich Schnoor 1932

In den achtziger Jahren (1880), als ich jung war, gab das in Hamburg noch die Kirchenschulen. Ich ging in die Jacobi-Kirchenschule bei Hauptlehrer Dunker. Wir wohnten in St. Georg, in der Baumeisterstraße und auf meinem Schulweg musste ich immer über den Georgsplatz und von der Lilienstraße durch den Barkhof.

Damals war der Barkhof eine schmale Straße mit alten und schiefen Häusern. Hier wohnten Leute, die keine hohen Mieten bezahlen konnten, einfache und ordentliche Arbeiter, aber auch allerhand „Gesindel.“ Wenn wir Jungs morgens auf dem Schulweg durch diese Straße gingen, dann hörten wir aus dem einen und anderen Haus meistens immer Lärm und Spektakel. Manches Mal konnten wir sehen wie sich Mann und Frau schlugen und dabei fürchterlich gröhlten (schrien).

Ob mit Besen, Stiefelknecht, Feuerzange oder Nachttopf - mit allem hauten sie sich und schlugen sich damit gegenseitig an den Kopf. Für uns Jungs war das immer ein großer Spaß das mit anzusehen und das Geschimpfe mit anzuhören. Dadurch kamen wir aber auch oft zu spät in der Schule und dann gab das ein ordentliches Fell voll.

Auf dem Platz zwischen der Jakobikirche und den Häusern von den vier Pastoren Röpe, Bröker, Rothlieb und Vett gingen wir Jungen in den Pausen Einer hinter dem Anderen spazieren. Ein Lehrer hatte die Aufsicht und hielt streng auf Ordnung. Einmal haben sie an der einen Seite von dem Platz, der in der Franzosenzeit ein Kirchhof (Friedhof) gewesen sein soll, aufgegraben um neues Pflaster zu legen, bei der Graberei haben sie Skelette, Menschenschädel, Knochen, französische Uniformstücke, Tschakkos (Helme)und viele Waffen gefunden. Das war was für uns Jungs; in den Stunden passten wir gar nicht mehr auf und die Pausen konnten wir kaum abwarten. Mit dem Tod von unserem allseits verehrten Hauptlehrer Dunker ging die Jacobi - Kirchenschule ein.

Übersetzt von Freddy Schnoor 2016

Friedrich Schnoor

Letzte Änderung am Mittwoch, 29 März 2017 13:57
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