Arm trotz Arbeit: Wirtschaftskrise erhöht Risiken von Erwerbsarmut

 

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Foto: W. Reichenbächer

 

(LOZ). Eine Arbeit aufzunehmen reicht oft nicht aus, um der Armutsfalle zu entkommen. Die Zunahme von Teilzeitarbeit, die Lohnentwicklung und der nur langsame Rückgang der Arbeitslosenzahlen lassen das Armutsrisiko infolge der Wirtschaftskrise auch bei der erwerbsfähigen Bevölkerung EU-weit ansteigen. Dies geht aus dem heute (Dienstag) vorgelegten Sozialbericht der Kommission hervor.

Mehr als 50 Millionen Europäer zwischen 18 und 64 Jahren leben unterhalb der Armutsgrenze. Mehr als 30 Millionen Menschen zwischen 18 und 59 Jahren leben in einem Arbeitslosenhaushalt. 
Sozialkommissar László Andor betonte, dass es nicht ausreiche, Arbeitsplätze zu schaffen: "Wir müssen auch die Qualität der Arbeitsplätze sicherstellen, wenn wir einen nachhaltigen Aufschwung erreichen wollen, der nicht nur die Arbeitslosigkeit, sondern auch die Armut verringert."

Ob die Aufnahme einer Beschäftigung Menschen aus der Armut helfen kann, hängt oft von der Art der Erwerbstätigkeit, von der Zusammensetzung des Haushalts und der Erwerbssituation des Partners ab. Der Bericht belegt auch, dass entgegen landläufiger Meinungen Erwerbslose, die Arbeitslosenleistungen erhalten, mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Arbeitsstelle finden als Personen, die keine derartigen Leistungen bekommen. Besonders positiv wirken Unterstützungssysteme, in denen beispielsweise im Laufe der Zeit die Höhe der Arbeitslosenleistung abnimmt und eine aktive Arbeitssuche verpflichtend ist.

Große Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei Erwerbsbeteiligung, Lohn und Armutsrisiko bestehen weiterhin. Frauen arbeiten häufig mit einer reduzierten Stundenzahl. Dies verringert Aufstiegschancen, führt zu niedrigerer Entlohnung und geringeren Renten. Deutschland gehört mit den Niederlanden, Österreich und dem Vereinigten Königreich zu den Ländern, in denen Frauen besonders häufig in Teilzeit arbeiten.  Nur den nordischen und baltischen Ländern gelingt es, eine hohe Frauenerwerbsquote mit einem niedrigen geschlechtsspezifischen Gefälle bei den Arbeitsstunden zu kombinieren. Auch beim Lohnunterschied liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt.

Die immer größer werdenden Unterschiede bei Wirtschaftsleistung, Beschäftigung und sozialen Gegebenheiten sind eine Bedrohung für die Kernziele der EU, wie sie in den Verträgen festgelegt sind, nämlich durch die Förderung der wirtschaftlichen Konvergenz einen Nutzen für all ihre Mitglieder zu erzielen und das Leben der Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedstaaten zu verbessern.

In ihrer Mitteilung zur sozialen Dimension der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) hat die Kommission im Oktober 2013 eine verstärkte Überwachung der Entwicklungen im Beschäftigungs- und Sozialbereich angemahnt. Langfristig und nach entsprechenden Vertragsänderungen könnten WWU-weite haushaltspolitische Befugnisse mit Abfederungsfunktion die bestehenden Instrumente der politischen Koordinierung ergänzen.

Letzte Änderung am Dienstag, 21 Januar 2014 15:12
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