70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: Schlie würdigte deutsch-britische Versöhnung

70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: Schlie würdigte deutsch-britische Versöhnung Foto: W. Reichenbächer

Kiel (SHL). 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gedachte heute der Schleswig-Holsteinische Landtag der zahllosen Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Bei der Gedenkveranstaltung in der Lübecker St. Marien-Kirche wurde zugleich auch an die Hilfe und Unterstützung der damaligen britischen Besatzungsmacht beim demokratischen Neuanfang Schleswig-Holsteins erinnert.

„Die Bundesrepublik Deutschland tat sich lange Zeit schwer mit dem Begriff der ,Befreiung`. Erst die Rede von Bundespräsidenten Richard von Weizäcker am 8. Mai 1985 drückte unmissverständlich aus, dass der Aspekt der Befreiung vom Nationalsozialismus der entscheidende Blickwinkel auf dieses Datum deutscher Geschichte ist. Und anders kann es auch gar nicht sein", sagte Landtagspräsident Klaus Schlie vor mehreren hundert Gästen.

Schlie dankte stellvertretend dem britischen Botschafter für die Leistung der Briten beim Wiederaufbau der staatlichen und gesellschaftlichen Struktur in Deutschland. „Der Anfang der Besatzung war zugleich auch der Anfang, aus dem ein demokratisches Westdeutschland und schließlich ein geeintes, demokratisches, friedliches Europa entstand", so Schlie.

Die Briten, die damals als Besatzungsmacht und Militärregierung nach Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kamen, hätten gegenüber den Deutschen allen Grund zur Unnachgiebigkeit und Härte gehabt. Kaum ein europäisches Land habe so lange gegen das nationalsozialistische Deutschland gekämpft wie Großbritannien, kein Land habe so viele Bombenangriffe auf seine Zivilbevölkerung erdulden müssen.

„Wir Norddeutschen haben den Briten viel zu verdanken, und diesen Dank möchte ich Ihnen und dem gesamten britischen Volk am heutigen Tage deutlich zum Ausdruck bringen. Die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufbauleistungen sind Grundlage dafür, dass wir bis heute in einer dauerhaften und nachhaltigen Friedensordnung lebe“, sagte der Landtagspräsident.

In Europa schwiegen die Waffen nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht zwar erst am 8. Mai 1945 ­ für Norddeutschland ist aber auch der 4. Mai ein bedeutsamer Tag. Der Tag markiert die Teilkapitulation für das Gebiet von der Ems-Mündung bis zur Kieler Förde sowie für Norwegen, die Niederlande und Dänemark. Eine Abordnung des Oberkommandos der Wehrmacht ergab sich auf dem Timeloberg bei Lüneburg den britischen Truppen unter Generalfeldmarschall Montgomery.

Die Marienkirche in der Lübecker Altstadt ist eine „Nagelkreuzgemeinde“ und repräsentiert damit die besondere Verbundenheit mit Großbritannien. Ausgangspunkt der 58 deutschen Kirchen mit diesem Titel ist das Nagelkreuz, das aus den Ruinen des von deutschen Bombern zerstörten Coventry erschaffen wurde.

Letzte Änderung am Montag, 04 Mai 2015 19:32
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