Donnerstag, 13 April 2017 16:20

Brackmann: Ortsumgehung Ratzeburg kommt großen Schritt voran

Norbert Brackmann und Klaus Schlie an der B 208 bei Ziehten, wo die neue B208 als Ortsumfahrung laut Planungsunterlagen beginnen wird. Brackmann und Schlie halten eine Notration aus Beständen der Bundeswehr (Einmannpackung, EPa) in ihren Händen, die sie Bürgermeister Voß symbolisch für einen Protestzug nach Kiel für die langen Planungszeiten mit auf den Weg geben. Norbert Brackmann und Klaus Schlie an der B 208 bei Ziehten, wo die neue B208 als Ortsumfahrung laut Planungsunterlagen beginnen wird. Brackmann und Schlie halten eine Notration aus Beständen der Bundeswehr (Einmannpackung, EPa) in ihren Händen, die sie Bürgermeister Voß symbolisch für einen Protestzug nach Kiel für die langen Planungszeiten mit auf den Weg geben. Foto: hfr

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Ratzeburg (LOZ). Protestzug nach Berlin, Hungerstreik vor dem Bundestag? Norbert Brackmann hat sich nach der Kritik aus der Region zur Ortsumgehung Ratzeburg beim Bundesverkehrsministerium für eine schnelle Entscheidung eingesetzt. Ein Planungsdesaster gibt es nicht. Dafür eine erfreuliche Nachricht für die erhitzten Gemüter:

„Die Ortsumgehung Ratzeburg kann geplant werden. In den kommenden Tagen wird das Bundesverkehrsministerium dem Land Schleswig-Holstein offiziell mitteilen, dass die Vorzugsvariante der Ratzeburger Ortsumfahrung bestätigt wird. Damit ist der Weg frei und das Land kann die Planung vorantreiben - wenn diese Landesregierung dazu überhaupt Willens ist“, erklärt Norbert Brackmann, nachdem er sich beim Bundesverkehrsminister für die Ratzeburger Ortsumfahrung eingesetzt hat.

„Der Protestzug von Bürgermeister Voß kann deshalb nun gleich nach Kiel gehen. Dort liegt jetzt der Ball und dort wird politisch entschieden, wie schnell die Planungen vorangehen. Angesichts der viel zu langen Planungsverfahren im Land, rate ich ihm aber von einem Hungerstreik ab. Denn das Land hat in der Vergangenheit schon einige Straßenprojekte am ausgestreckten langen Arm verhungern lassen. Einen Protestzug nach Kiel werden Klaus Schlie und ich aber unterstützen. Wir stellen die Verpflegung, egal wie lange das Planungswirrwarr dauert. Für den ersten Tag gibt es von uns schon mal eine Notration mit auf dem Weg“, sagt Norbert Brackmann, der Ratzeburgers Bürgermeister demnächst mit der Post eine sogenannte Einmannpackung, kurz EPa, aus Beständen der Bundeswehr symbolisch zukommen lassen wird.

„Eine CDU-geführte Landesregierung wird umgehend dafür sorgen, dass die Planungen für die Ortsumfahrung Ratzeburg (B208) so schnell wie möglich durchgeführt werden. Es ist im Interesse der Menschen in Ratzeburg und der Region, dass das im Bundesverkehrswegeplan eingestellte Projekt so schnell wie möglich realisiert werden kann“, sagt Klaus Schlie mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen.

„Ein Planungsdesaster in Berlin gibt es jedoch nicht. Der Grund für die bislang ausstehende Freigabe durch den Bund ist nachvollziehbar: Es fehlte die Rechtsgrundlage. Der neue Bundesverkehrswegeplan und das dazugehörige Ausbaugesetz waren 2015 noch nicht beschlossen, als das Land die Voruntersuchungen beim Bund eingereicht hat. Es musste zunächst der neue Bundesverkehrswegeplan abgewartet werden, bevor der Bund die geplante Straßenführung bestätigen konnte. Dies hat sich hingezogen. Erst mit dem Beschluss des entsprechenden Ausbaugesetze im Bundestag Ende 2016 und der Einstufung der Ortsumgehung Ratzeburg in den Vordringlichen Bedarf war die Grundlage geschaffen“, erläutert Norbert Brackmann, der sich für die komplette Aufnahme der Ortsumfahrung Ratzeburg in den Vordringlichen Bedarf stark gemacht hat.

„Eine weitere erfreuliche Nachricht gibt es aus Berlin. Der Bund finanziert die gesamte Ortsumfahrung von Mölln bis Ziethen. Im alten Bundesverkehrswegeplan war die Ratzeburger Ortsumfahrung zwar im Vordringlichen Bedarf eingestuft, jedoch handelte es sich hierbei nur um ein 3,3 km langes Teilstück der heutigen Planung. Die alte Planung sah nämlich vor, dass sich Bund, Land und Gemeinde die Ortsumfahrung teilen. Ein Teilstück sollte als Landesstraße geplant werden und ein weiterer Abschnitt als Kreisstraße die Umfahrung sicherstellen. Mit dem neuen Bundesverkehrswegeplan übernimmt der Bund jetzt die gesamte und über 10,6 km lange Ortsumfahrung mit Gesamtkosten von über 25,3 Mio. Euro. Damit werden Land und Ratzeburg entlastet. Das war das Ziel mit dem Bundesverkehrswegeplan und dafür habe ich mich eingesetzt. Auch deshalb hat sich das Warten gelohnt“, informiert Norbert Brackmann über die Veränderungen in der Planung vom alten zum neuen Bundesverkehrswegeplan.

OU Ratzeburg - Vorzugsvariante:

„Der Bund hat jetzt die Vorzugsvariante bestätigt. Diese besteht aus der Kombination von der jeweils geeignetsten Variante im südwestlichen Ausbaubereich und der im nordöstlichen Ausbaubereich. Die Vorzugsvariante mit den Kürzeln „SW 2 – NO 3“ wird mit fünf höhengleichen Kreuzungen bzw. Knotenpunkten geplant sowie mit zwei größeren Bauwerken: einer Brücke über den Schaalseekanal und einer Brücke über die Schienentrasse ‚Erlebnistrasse‘“, erläutert Brackmann die vom Land und Bund gefundene künftige Straßenführung.

Im südwestlichen Bereich wird die geplante Anschlussstelle Mölln mit einem Kreisverkehr und einer darauffolgenden T-Kreuzung ohne Ampel geplant.

Schmilau wird nur über eine 4-armige Kreuzung ohne Ampel an der K 1 an die Ortsumfahrung angebunden. So soll Durchgangsverkehr vermieden werden. Die L 202 (Ratzeburger Straße) soll dann soweit möglich zurückgebaut werden.

An der L 203 (Seedorfer Straße) soll es einen Knotenpunkt geben, eine 4-armige Kreuzung mit Ampel.

Bei Ratzeburg wird die Ortsumfahrung in die alte Bundesstraße 208 einmünden. Davor soll es eine T-Kreuzung an der L 315 (Schönberger Straße) ohne Ampel geben.

Die Brücke über den Schaalseekanal soll eine Durchfahrtshöhe (lichte Höhe) von 2,8 Meter haben und sich 12 Meter weit spannen. Die Brücke über die Schienentrasse „Erlebnisbahn“ soll eine Durchfahrtshöhe (lichte Höhe) von 5 Meter haben und 12 Meter lang sein.

Hintergrund:

Am 15. Februar 2017 wurde im Rahmen der Infoveranstaltung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Herzogtum Lauenburg (WFL) in Lanken kritisiert, dass bei der geplanten Ortsumgehung Ratzeburg (B 208) ein Planungsdesaster herrscht. Der Vorwurf, seit knapp 2 Jahren würden die Planungsunterlagen in Berlin beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur unbearbeitet liegen. Darauffolgend machte sich Norbert Brackmann beim Bundesverkehrsministerium für eine schnelle Freigabe stark.

Ein Gesehen-Vermerk, wie vom Ratzeburger Bürgermeister Rainer Voß behauptet, steht dabei nicht aus. Der Gesehen-Vermerk erfolgt auf die Entwurfsplanung. Diese Planungsstufe ist bei der OU Ratzeburg jedoch noch nicht erreicht. Bislang befindet sich die OU lediglich in der Vorplanung, an dessen Ende die Linienbestimmung steht und Voraussetzung für die darauffolgende Entwurfsplanung ist. Gemäß §16 Fernstraßengesetz ist für die Planung und den Bau von Ortsumgehungen zwar keine förmliche Linienbestimmung erforderlich. Es erfolgt aber dennoch eine „Linienbestätigung“ vom Bund, was einer offiziellen Freigabe der weiteren Planung einer bestimmten Variante bedeutet.

Letzte Änderung am Donnerstag, 13 April 2017 16:36
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