Auf dem Weg zum digitalen HanseBelt

Auf dem Weg zum digitalen HanseBelt Foto: W. Reichenbächer

(LOZ). Gehen die Uhren in Deutschland zu langsam, um mit der dynamischen Entwicklung besonders im Zuge der digitalen Transformation mithalten zu können? Verschläft die deutsche Wirtschaft wichtige Trends und lässt andere Länder an sich vorbeiziehen? „Ich bin in tiefer Sorge“, warnte Tim Cole, deutsch-amerikanischer Internet-Publizist, auf dem HanseBelt Zukunftskongress 2016 in Lübeck.

Er rief die Unternehmer in Deutschland auf, sich nicht auf ihren Lorbeeren auszuruhen, sondern mit mutigen Entscheidungen die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wichtig sei es, die Trends der Digitalisierung zu akzeptieren und strategisch anzuwenden, sagte er vor 300 Gästen aus der HanseBelt Region in der Kulturwerft Gollan in der Hansestadt Lübeck. Zuvor stellte der Vorstandsvorsitzende des HanseBelt Initiativkreises e.V., Konsul Bernd Jorkisch, heraus, dass die HanseBelt Region bedeutendes Entwicklungspotential besitzt, so wie kaum eine andere Region in Deutschland. „Erfolgreich werden wir sein, wenn wir die Chancen der digitalen Revolution entschlossen für uns nutzen“, so Jorkisch.

Cole ist nach eigenen Angaben einer der dienstältesten Blogger in deutscher Sprache. Im Schwerpunkt beschäftigt er sich mit dem Entstehen einer digitalen Landschaft in Deutschland. „Der Begriff ‚Digitale Transformation‘ beschreibt drei Megatrends, von denen jeder einzelne die Welt verändern kann. Zusammen sind sie sozusagen ein großer Sturm.“ Der erste Trend sei die eigentliche Digitalisierung, die in den meisten Unternehmen abgeschlossen sei. Die Entwicklung werde aber zunehmend schneller, und viele Betriebe könnten nicht mehr mithalten. Als zweiten Trend nannte der Experte die Vernetzung. Zwar hätten die meisten Unternehmen sogenannte digitale Inseln geschaffen, auf denen Informationen jederzeit abrufbar sind. Es sei aber eine Aufgabe der Zukunft, die Vernetzung dieser Inseln zu Ende zu führen. Die Mobilität schließlich schaffe die Unabhängigkeit von Zeit und Raum – ein Vorteil, den viele deutsche Führungskräfte noch nicht erkannt hätten. „Die überwiegende Mehrheit erwartet leider immer noch die Präsenz der Mitarbeiter im Büro, anstatt die Chancen der Mobilität für das Unternehmen zu nutzen“, so Cole.

Auch Professor Dr. Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), forderte aus den Versäumnissen der Globalisierung zu lernen und entsprechende Fehler bei der Digitalisierung zu vermeiden. Eine oberflächliche Konzentration auf Start-ups und Innovationen reiche nicht aus, denn der klassische deutsche Unternehmer könnte im Zuge der digitalen Transformation schon bald der Vergangenheit angehören. „Wir wissen wenig über die digitale Welt, wie sie sich in zwei bis drei Jahren präsentiert, denn sie ist bis dahin erneut durcheinander geraten. Strategien über 20 bis 30 Jahre machen daher wenig Sinn. An ihre Stelle wird die Agilität treten“, kündigte Vöpel an.

Die vom Moderator Michel Abdollahi geleitete Podiumsdiskussion lieferte spannende Praxisbeispiele im Kontext von Digitalisierung und Arbeit und kam zum Ergebnis, dass die digitale Transformation den Arbeitsmarkt signifikant verändern wird. Der Geschäftsführer der Deutsch-Dänischen Handelskammer Reiner Perau lobte die HanseBelt Initiative als Diskussionsteilnehmer aufgrund ihrer strategischen Ausrichtung nach Dänemark und hob die HanseBelt Idee der hanseatischen, skandinavisch inspirierten Unternehmenskultur als äußerst zielführend hervor.

Schleswig-Holstein sei bereits gut aufgestellt, betonte Staatssekretär Thomas Losse-Müller, Chef der Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein. Die Anschlussquote an das Glasfasernetz sei mit 25 Prozent deutlich höher als in vielen anderen Bundesländern. Konsul Bernd Jorkisch, Vorsitzender des HanseBelt Vereins, hält einen noch zügigeren Anschluss des ländlichen Raums an das Glasfasernetz hingegen für unverzichtbar. „Wenn wir wollen, dass die neuen Geschäftsmodelle bei uns im ländlich strukturierten Norden Realität werden, müssen wir schnell handeln.“ Schon jetzt kommunizierten Menschen rund um den Globus in Echtzeit miteinander. Jorkisch: „Die digitale Revolution oder auch Wirtschaft 4.0 wird Menschen, Maschinen und Märkte vereinen und steuern. Das realisiert vielfältige Chancen, kann aber auch Abhängigkeiten schaffen.“ Um das zu verhindern, informieren die regionale Unternehmerinitiative HanseBelt und die IHK zu Lübeck die Unternehmen über Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung.

Zufrieden zeigte sich der Vorsitzende damit, dass die HanseBelt Region weit über ihre Grenzen hinaus bekannt ist: Als Cole seinen Nachbarn an seinem Wohnort bei Salzburg von seiner Reise nach Lübeck berichtete, waren alle begeistert und bestellten Lübecker Marzipan bei dem Publizisten. „Es ist gut, dass die Menschen Positives mit dem HanseBelt und dessen Oberzentrum verbinden. Diesen Bekanntheitsgrad wollen wir aktiv für das überregionale Standortmarketing nutzen“, kündigte Konsul Jorkisch an.

Letzte Änderung am Dienstag, 13 Dezember 2016 17:15
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