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Urnengräber und Fundstücke, die zu einem Heereslager aus dem Dreißigjährigen Krieg stammen könnten, wurden freigelegt

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Büchen (wre). Im Neubaugebiet Großer Sandkamp in Büchen-Pötrau wird jetzt nicht nur mit großen Baggern gearbeitet, in den nächsten Monaten werden dort auch Archäologen das Gebiet mit deutlich feineren Gerätschaften untersuchen und die bereits jetzt gefundenen Urnengräber freilegen. Diese stammen aus der Zeit zwischen 500 bis circa 100 vor Christi. Aber auch Fundstücke aus der Römischen Kaiserzeit und dem Dreißigjährigen Krieg wurden bereits auf dem Gelände gefunden.

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An dieser Stelle wurde die 54. Urne mit menschlichen Überresten gefunden. Zu sehen ist lediglich die Oberseite, die Urne selber muss noch geborgen werden. Foto: W. Reichenbächer

 

Ingo Clausen vom Archäologischen Landesamt ist erstaunt, wie viele Gräber bereits jetzt gefunden wurden. „Wir haben bereits 144 Fundorte wo Menschen, meist mit Beigaben, in Urnen bestattet wurden“, so Clausen. Vermutlich werden es aber noch mehr werden. Bis zum Herbst sollen die Grabungen abgeschlossen sein. „Es wird dadurch keine Verzögerungen beim Neubaugebiet geben“, verspricht Bürgermeister Uwe Möller. Clausen hätte aber gern schon im vergangenem Jahr mit den Grabungen angefangen.

„Normalerweise hätte sich die Gemeinde vor Baubeginn melden müssen, dann hätten wir mehr Zeit gehabt“, so Clausen. „Ein Missverständnis“, so Bürgermeister Möller. Im Amt war man davon ausgegangen, dass man sich erst melden müsse, wenn etwas gefunden wird. Clausen und Möller betonen aber, dass die Zusammenarbeit trotzdem gut laufe. Jetzt muss noch ein Vertrag zwischen Gemeinde und Landesamt geschlossen werden wo auch festgeschrieben sein wird, bis wann die Grabungen beendet sind. Auch die Kosten werden dann festgelegt. Diese hat die Gemeinde zu tragen. „Wir hoch die sein werden können wir noch nicht sagen“, so Clausen. Bei ähnlichen Grabungen liegen die Kosten aber deutlich über 100.000 Euro. „Für die Hausbauer wird aber alles geregelt sein, die müssen später dann nichts beachten“, verspricht Ingo Clausen.

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Damit die Fundstellen nicht von Unbefugten „geplündert“ werden, sollen die Fundstellen bis zur Bergung wieder zugeschüttet werden. Foto: W. Reichenbächer

 

Damit keine unbefugten sich an den Gräbern zu schaffen machen, sollen die Fundstellen jetzt wieder zugeschüttet werden. „Wenn die Urnen geborgen werden, wird das Feld wieder freigelegt“, erklärt Clausen. Aber zum Bergen benötigt man Zeit. „Die Urnen würden zerfallen, wenn man sie einfach aus der Erde hebt. Die müssen gesichert werden und dann in der Werkstatt werden sie endgültig freigelegt“, so Clausen weiter. Die Urnen sind vermutlich eine Fortführung des Urnenfeldes zur Waldhalle hin. Dort ist bereits ein großer Fundort dokumentiert.

Aber nicht nur die alten Urnen sind für die Archäologen von großer Bedeutung. „Es wurde eine römische Münze von 199 nach Christus gefunden. Mehrere kleine Münzen stammen von 1620 als der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in Gange war. „Es ist nicht gesichert, aber es könnte dort gut ein Heerlager gewesen sein“, so Ingo Clausen. Etwas weiter zur Straße Richtung Pötrau wurden Siedlungsreste wie Tonscherben und anderes Material gefunden. Es soll dort noch weiter gesucht werden um zu sehen, ob man dort auf alte Hausreste stößt.

Dass das Neubaugebiet Großer Sandkamp für Archäologen so viele Schätze bereithält, hätte man im Amt nicht vermutet. Aber man will das Erbe bewahren. „Wir werden von fünf geplanten Straßen vier umbenennen die Bezug auf die Funde haben“, so Möller. Auch soll auf dem Gemeinschaftsplatz in der Siedlung eine Tafel mit Hinweisen und Fotos aufgestellt werden. Die Originalfundstücke werden aber der Gemeinde vorerst nicht zur Verfügung stehen. Diese müssen erst genau untersucht und dokumentiert werden. „Das kann Jahre dauern“, so Clausen.

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