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Von Notz: „Wir müssen umgehend die Ausbringung der Gülle deutlich reduzieren“

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Fitzen (wre). In einer Veröffentlichung der Bundesregierung hat es Fitzen in die Top 50, und bei einem anderen Punkt sogar unter die Top 15 gebracht. Das ist aber kein Grund zur Freude, denn die Platzierungen beziehen sich auf die Grundwasserbelastung.

Eine kleine Anfrage von Bundestagsabgeordneten und der Fraktion der Grünen hatte zum Ziel, dass die Bundesregierung die Grundwasserbelastung in einem Papier zusammenstellt. Und dort erscheint dann Fitzen gleich zwei Mal. Bei der Nitratbelastung wurde ein Wert von 139 mg/l gemessen. Nach der Trinkwasserverordnung liegt der Grenzwert bei 50 mg je Liter. Da die Werte deutlich überschritten wurden, ist das Grundwasser als Trinkwasser nicht brauchbar. Fitzen hat es bei der Nitratbelastung unter die Top 50 der am höchsten belasteten Grundwasser in der Bundesrepublik geschafft.

Eine noch höhere Platzierung erreichte Fitzen bei den Rückständen an Pestiziden. In der Aufstellung der Regierung ist der Ort unter den 15 Gemeinden mit der höchsten Belastung. Gemessen wurden 0,21 μg/l bei 2,6-Dichlorbenzamid, ein Rückstand aus Pflanzenschutzmitteln.

Beide erhöhten Werte sind der Landwirtschaft zuzurechnen. Allerdings lässt sich nicht genau ermitteln, woher die hohe Belastung kommt, denn die wasserführenden Schichten sind oft Kilometerlang und können Belastungen entsprechend weit transportieren. Allein wegen der allgemeinen hohen Nitratbelastung in Grundwasser und Gewässern muss Deutschland mit einer hohen Strafe durch die EU rechnen.

Auf Anfrage der LOZ teilte das Amt Büchen mit, dass die Wasserversorgung für Fitzen unproblematisch sei. Die gemessene Nitratbelastung lag bei der letzten Untersuchung im März bei unter 1 mg je Liter.

Die beiden Feriengebiet Waldweiher und Heidebrook werden allerdings nicht vom Wasserwerk in Büchen versorgt, sondern haben eigene Brunnen, die das Grundwasser abpumpen. Auch hier gibt der Pressesprecher des Kreises, Karsten Steffen, Entwarnung. Bei den beiden Feriengebieten gibt es hinsichtlich Nitrat und Pflanzenschutzmitteln überhaupt keine Auffälligkeiten“, so Steffen. Die Werte liegen beim Nitrat im Heidebrook zwischen unter 1,0 bis 6,6 mg/l; im Waldweiher liegt der Wert zwischen unter 1,0 bis 1,7 mg/l.

„Außerdem werden zwei sogenannte "c-Anlagen" (Kleinanlagen zur Eigenversorgung) in Fitzen überwacht. Der höchste hier gemessene Nitratwert im 10-Jahres-Rückblick beträgt 4,5 mg/l. Pflanzenschutzmittel werden regelhaft bei c-Anlagen nicht untersucht“, so Steffen.

Gartenbesitzer mit einer eigenen Brunnenpumpe zur Gartenbewässerung sollten aber daran denken, dass das Wasser nicht zum Trinken geeignet ist. Wer dort die Werte seines Wassers wissen will, muss auf eigene Kosten eine Untersuchung durch Einschicken einer Probe an ein Labor veranlassen.

Statement Dr. Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen und grüner Wahlkreisabgeordneter: "Der Anstieg der Werte ist insgesamt besorgniserregend. Die Belastungen in Kittlitz und Fitzen sind extrem hoch und liegen ein Vielfaches über den Grenzwerten. Hier besteht großer Handlungsbedarf, zumal zu befürchten steht, dass die Werte weiter steigen. Durch die gestiegene Anzahl von Nutztieren in Deutschland wird das Problem noch größer werden. Wir müssen umgehend die Ausbringung der Gülle deutlich reduzieren. Tun wir dies nicht ruinieren wir die Qualität unseres Grundwassers. Mit den bisherigen Beschlüssen der Bundesregierung ist ein echter Grundwasserschutz nicht zu erreichen. In einigen Regionen müssen die Wasserversorger bereits heute massiv mit Nitrat belastetes Grundwasser mit sauberem Wasser mischen, da das Trinkwasser ansonsten für Säuglinge gesundheitsgefährdend wäre. Das verursacht hohe Kosten, die am Ende die Bürgerinnen und Bürger per Wasserrechnung zahlen."

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