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Die Besucherinnen bekamen gleich noch erschreckende Informationen über den Kleidungsmarkt mit auf den Weg

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Dassendorf (LOZ). Eine Auszeit mitten in der Woche: so empfanden die Besucherinnen die erste Kleidertauschparty für Frauen im Amt Hohe Elbgeest.

Kurz nach Ostern hatte die Gleichstellungsbeauftragte des Amtes Nina Stiewink zusammen mit der Klimaschutzbeauftragten und Ideengeberin Jennifer Schnepper im Sinne der Nachhaltigkeit zum Kleidertausch eingeladen. 25 Teilnehmerinnen hatten tragbare Sommerkleidung aus ihrem Kleiderschrank ausgemustert und zum Tausch in den Multifunktionssaal der Gemeinde Dassendorf mitgebracht.

Helferinnen nahmen vom T-Shirt bis zur Lederjacke, von Hosen über Kleider bis zu Röcken in allen Größen Frauenkleidung entgegen und sortierten sie auf Kleiderständer. „Ein tolles, vielfältiges Angebot kam dabei zusammen“, freut sich Nina Stiewink. Sie dankt allen Helferinnen, die zum Erfolg der ersten Tauschbörse beigetragen haben.

Bevor es ans Tauschen ging, informierte Elisabeth Baumann-Meurer von der Clean Clothes Campaign (CCC – Kampagne für Saubere Kleidung) über die Situation im Bekleidungsmarkt, dem zweitgrößten Wirtschaftsbereich in Deutschland nach dem Nahrungsmittelsektor. Der überwiegende Teil der in Deutschland verkauften Kleidungsstücke wird in Niedriglohnländern gefertigt. Dabei spielen Arbeitsbedingungen, Umweltbelastungen und angemessene Entlohnung eine erschreckend nachrangige Rolle.

Nur ein Prozent des Verkaufspreises wird für Lohnkosten aufgewendet. Der überwiegende Anteil geht an den Handel und in die Werbung. Bei der Herstellung der Rohstoffe wie Baumwolle wird der Umweltschutzaspekt meistens vernachlässigt. Hoher Wasserverbrauch sowie Einsatz von schädlichen Chemikalien belasten die Umwelt in den ärmsten Ländern der Welt. Vom Anbau, Weben, Färben und Nähen bis zum Kunden in den westlichen Ländern legen Rohstoffe und Textilien bis zu 50.000 Kilometer zurück, um dann wieder zur Entsorgung nach Afrika zu gelangen.

Bangladesch beispielsweise ist mit mehr als 100 Millionen Einwohnern, die auf einer Fläche wie Bayern leben, zu 90 Prozent von der Textilindustrie abhängig. Die Mindestlöhne, die dort gezahlt werden, decken nur 19 Prozent des Existenzminimums. Bis zu 16 Stunden pro Tag arbeiten die Frauen, um das Überleben ihrer Familien zu sichern. Dabei verzichten sie auf Pausen, weil sie nach Stückzahl der gefertigten Teile bezahlt werden.

Elisabeth Baumann-Meurer verweist darauf, dass die Handelsunternehmen ihre Marktmacht nutzen sollten, um bessere Bedingungen in der Textilproduktion durchzusetzen. Die Politik müsse mit Handelsabkommen für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen. Der Kunde oder die Kundin haben nur wenig Einfluss, so Elisabeth Baumann-Meurer. Sie könnten aber mit Aufrufen an Politik und Handel ihren Wunsch nach nachhaltig gefertigten Textilien Nachdruck verleihen.

„Wir wollen keinem deutschen Verbraucher, keiner Käuferin ein schlechtes Gewissen machen, sondern Bewusstsein für nachhaltigen Konsum schaffen“, betonte Elisabeth Baumann-Meurer. Mit Siegeln wie GOTS (Global Organic Textile Standard) oder FWF (Fair Wear Foundation) wird bereits Kleidung gekennzeichnet, die nachhaltige Kriterien derzeit bestmöglich erfüllt. Weitere Optionen sind der Kauf von langlebigen Kleidungsstücken, der Secondhand-Kauf sowie der Kleidertausch mit Gleichgesinnten wie bei der ersten Kleidertauschparty im Amt Hohe Elbgeest.

Angeregt durch den Vortrag und mit dem inspirierenden Gefühl, sich selbst und der Umwelt mit dem Kleidertausch etwas Gutes zu tun, stöberten die Besucherinnen an den Kleiderstangen nach ihren neuen Errungenschaften. Ob es ihrem Farbtyp entspricht, konnten die Frauen aus dem Amtsgebiet und darüber hinaus vor Ort bei Farb- und Stilberaterin Astrid Fiedler von Imagekonkret überprüfen lassen. Manch eine erlebte eine Überraschung, welche Farben ihren Typ unterstreichen, andere wurden in ihrer Auswahl bestärkt.

Für alle Besucherinnen war es ein gelungener Abend, der mit dem gemeinsamen Einpacken der Kleidungsstücke endete, die hier noch keine neue Trägerin gefunden haben. Drei prall gefüllte Säcke werden an das AWO Sozialkaufhaus in Geesthacht gespendet, wo sich Kundinnen über neue Kleidung freuen werden.

„Wir werden nach diesem erfolgreichen Auftakt eine zweite Tauschparty anbieten und freuen uns über weitere Interessentinnen, die die Idee der Nachhaltigkeit im Bereich Kleidung unterstützen“, wirft Klimaschutzmanagerin Jennifer Schnepper den Blick voraus. Für Informationen oder Fragen ist Schnepper erreichbar unter Telefon 04104 / 990-423 oder per mail an klima@amt-hohe-elbgeest.de  ebenso wie Nina Stiewink unter gleichstellung@amt-hohe-elbgeest.de oder 04104 / 990-104.

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