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Dassendorf (LOZ). Im Rahmen ihrer Sommertour besuchte die SPD-Kreistagsfraktion den Obsthof Spickermann in Dassendorf und tauschten sich mit Körmeister und Vorsitzenden des NPZ e.V. Hans-Joachim Totzek rund um das Thema Bienen und öffentliche Blühflächen aus.

Jens Meyer, SPD-Fraktionsvorsitzender: „Das Thema Insektensterben ist auch im Herzogtum Lauenburg akut, daher haben wir uns nun auch in Dassendorf ein Bild gemacht. Der Austausch vor Ort eröffnet neue Impulse und direkte Einblicke. Daher ist unsere traditionelle Sommertour, die uns ins gesamte Kreisgebiet führt, immer etwas ganz Besonderes für uns.“

Begleitet wurden die Kreispolitiker von der SPD-Landtagsabgeordneten Kathrin Bockey, die den erfahrenen Imker Hans-Joachim Totzek gleich auch für einen anknüpfenden Austausch zur Landespolitik nach Kiel einlud.

Hans-Joachim Totzek ist seit 42 Jahren im Bereich der Bienenzucht tätig. Er ist der Vorsitzende der größten Norddeutschen Zuchtvereinigung (www.npz-ev.de) und betreibt auf Puan Klent/Sylt eine 12 000 Quadratmeter große Zuchtanlage zur kontrollierten Anpaarung von Bienenköniginnen. Er unterstrich gleich zu Beginn: Die Königinnen-Züchter im Kreis Herzogtum Lauenburg stehen auf der europäischen Zuchtplattform „Beebreed“ weit oben und spielen in der Champions League der Bienenzucht mit. Die auf Gesundheit, Leistung, Sanftmut selektierten Bienenköniginnen sind sehr nachgefragt und werden bis nach Kirgisistan und Canada geliefert. Aktuell beklagte er die sehr hohen Auswinterung Verluste der Bienenvölker 2019 / 2020 von rund 36 Prozent. Drei Gründe waren nach seiner Ansicht dafür verantwortlich: Umweltgiften und Monokulturen wie der Maisanbau, mangelnde Blühflächen ab Mitte Juni und die Varroamilbe, ein Bienenschädling.

Durch die Bestäubung der Wild- und Kulturpflanzen erbringt die Biene allein für Deutschland einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen und steht auf Platz 3 nach dem Schwein und dem Rind. Die Imker im Kreis Herzogtum Lauenburg wünschen sich mehr nachhaltige, öffentliche Blühflächen in den Gemeinden. Dazu zählen einheimische Blumen mit Staubgefäßen (Saisonpflanzen, Stauden) sowie Sträucher Weide, Haselnuss, Schlehe und Faulbaum.

So ist es nicht verwunderlich, dass es den Bienen in der Stadt besser geht als auf dem Land. Totzek berichtete, dass er deshalb mit einem Bienenstand direkt ins Grüne Zentrum von Hamburg-Bergedorf umgezogen ist.

Anika Habersaat, die als Kreistagsabgeordnete im Ausschuss Forst, Energie, Umwelt und Klimaschutz sitzt, fragte, was die Kreispolitiker denn beitragen könnten, damit sich die Situation für die Bienen und damit für die Natur verbessere. Neben dem Verzicht auf Neonicotinoide und andere Pestizide brauchten Bienen auch im Juni und Juli noch Blühpflanzen, bekam sie als Antwort. Blühinseln in 400 bis 500 Meter Entfernung zueinander, Sonnenblumenstreifen, Heidekraut – es gäbe viele Möglichkeiten.

In diesem Sinne wird sich die SPD-Fraktion nun für mehr Bienenfreundlichkeit einsetzen und hat auch bereits einen entsprechenden Antrag auf den Weg gebracht.

Erstaunen löste bei den SPD-Politikern aus, dass für ein Glas Honig 5 Millionen Blüten von 22.700 Bienen bestäubt werden müssten, die bei ihren Flügen zwischen Blüten und Bienenstock dafür Strecken zurücklegten, die drei Erdumrundungen entsprächen. In Deutschland stellen wir lediglich 18 Prozent des konsumierten Honigs her. Hans-Joachim Totzek pries dabei auch noch einmal die Qualität deutschen Honigs und die damit verbundene Bestäubungsleistung an. Manch einer wird jetzt verstärkt auf den heimischen Imkerhonig zurückgreifen. 

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