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Geesthacht (wre). Im Januar 2017 startete mit Unterstützung der Politik der erste Wirtschaftsbeirat in Geesthacht. Damit hat Geesthacht fast ein Alleinstellungsmerkmal, denn im Kreis Herzogtum Lauenburg gibt es keine weiteren Wirtschaftsbeiräte. Auch wenn man sich ganz Schleswig-Holstein ansieht, ist so eine Institution eher die Ausnahme. Doch die bei der Gründung vorhandene Unterstützung seitens der Geesthachter Politiker wird nun vermisst. „Wir werden noch gar nicht richtig wahrgenommen“, sagt die erste Vorsitzende Dr. Christina Bischof-Deichnik. „Die Politik hat ein Problem mit uns“, ergänzt ihr Stellvertreter Paul Apel.

„Wir nehmen den Politikern ja nichts weg, sie entscheiden ja ohnehin selber, aber wir wollen gehört werden“, erklärt Apel. So gäbe es viele Beispiele, wo sich die Kommunalpolitiker vor Entscheidungen besser beraten hätten lassen sollen. „Aktuell ist die Entscheidung auf Fördergelder in Höhe von rund 100.000 Euro für die Sporthalle am Silberberg zu verzichten für uns nicht nachvollziehbar“, so Bischof-Deichnik. „Da wurde einfach ein Gutachten vom Tisch gefegt, weil es nicht so ausfiel wie gewünscht“, ergänzt Paul Apel. „Auch beim städtischen Altenheim hätten wir natürlich viel Wissen beisteuern können“, erklärt Apel, der selber Seniorenheime betreibt.

Die Mitglieder des Wirtschaftsbeirates besuchen regelmäßig die Ausschusssitzungen und die Ratsversammlung um auf dem Laufenden zu bleiben. „Jeder hat spezielle Schwerpunkte und Aufgaben. Bei unseren alle 8 Wochen stattfindenden Treffen tauschen wir uns dann über die Themen aus den Versammlungen aus“, so Apel.

„Der Wirtschaftsbeirat besteht aus neun Mitgliedern, da kommt viel Expertenwissen zusammen. Wo wir nicht selber helfen können, wissen wir aber, wer dies tun könnte“, sagt Christina Bischof-Deichnik. Es ist daher geplant, in der Zukunft die Politik zu Sitzungen einzuladen. Dort soll dann noch einmal auf die Möglichkeiten des Wirtschaftsbeirates hingewiesen werden und auch wieder ins Bewusstsein gerückt werden, dass die Politik die Möglichkeit hat sich schnell und unkompliziert zu informieren. „Und das betrifft viele Bereiche, denn zum Beispiel Straßen- und Wohnungsbau berührt auch die Belange der Wirtschaft und ihrer Angestellten“, so Apel.

Zufrieden ist man aber bei der Zusammenarbeit mit der Verwaltung. „Dort hat man immer ein offenes Ohr für uns. Der Bürgermeister hat sich zum Beispiel auch viel Zeit genommen um mit uns die Sperrung der B404 durchzusprechen“, so die Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates. „Auch die Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsförderer Andreas Dreyer klappt sehr gut“, ergänzt Paul Apel. Gern würde man beim Wirtschaftsbeirat auch die Stelle für das Stadtmarketing gestärkt sehen. „Frank Kaldenbach macht einen super Job, aber leider ist er bei der HLMS angestellt, dadurch wird er etwas ausgebremst. Es wäre besser, er würde direkt in Geesthacht angestellt sein, das wäre für die Stadt effektiver“, so Paul Apel.

Einiges erreicht hat der Wirtschaftsbeirat bisher aber schon. Am 24. Oktober findet unter dem Motto „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ der erste Wirtschaftskongress in der Stadt statt. „Die Idee kam von uns, und die Stadt richtet nun die Veranstaltung aus“, freut sich Bischof-Deichnik. Auch wird es künftig Vorstellungen von Betrieben in den Schulen geben. „Wir wollen zeigen, welche Betriebe es hier gibt und welche Ausbildungsberufe zur Auswahl stehen“, so die Vorsitzende. Auch eine Praktikumsbörse ist bereits in Planung. Ein wichtiges Thema für die Zukunft, um die sich der Wirtschaftsbeirat kümmern will ist die Umgehungsstraße. Auch soll die Nachwuchsgewinnung ausgebaut werden.

Auch wenn einige der Mitglieder des Wirtschaftsbeirates ebenfalls in der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht (WVG) Mitglied sind, sind beide Institutionen unabhängig voneinander. „Wir sind jetzt keine Zweigstelle der WVG“, so Bischof-Deichnik. „Die WVG kümmert sich direkt um die Betriebe, der Wirtschaftsbeirat ist da weiter gefasst. Wir wollen die Stadt unterstützen um gute Entscheidungen zu treffen. Da gehört nicht nur der Betrieb dazu, auch die Mitarbeiter und die Familien sind dann ein Thema für uns, denn die Mitarbeiter müssen ja auch zum Beispiel zur Arbeit kommen können oder auch irgendwo zu einem vernünftigen Preis wohnen können“, erklärt Christina Bischof-Deichnik.

Der Wirtschaftsbeirat hält einmal im Monat im Rathaus auch eine Sprechstunde ab. Immer am ersten Donnerstag im Monat von 16 bis 17 Uhr steht ein Mitglied in Raum 100 zur Verfügung. Die Sprechstunde ist offen für Verwaltung, Politik und Wirtschaft, aber auch Bürger können die Sprechstunde nutzen um Anliegen oder Vorschläge anzubringen. Die nächste Sprechstunde ist am 4. Oktober 2018.

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