Volksinitiativen fordern größere Abstände von Windkraft zu Wohnbebauung und mehr kommunale Mitsprache

 

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Dassendorf (sun). Burkhard Wieck aus Krukow und Herbert Düssler aus Lütau gehören zu den Urgesteinen der Bürgerinitiative, die seit vielen Jahren gegen den Ausbau der Windeneergie im Lauenburgischen kämpft. Patricia Reincke aus Brunstorf ist seit zwei Jahren aktiv, um die Windkraftanlagen zwischen Brunstorf und Dassendorf zu verhindern. In wenigen Stunden am Samstagvormittag sammelten die drei Aktivisten 140 Unterschriften vor dem REWE-Markt in Dassendorf für zwei Volksinitiativen. An einem weiteren Stand kamen noch einmal 76 Unterschriften aus Brunstorf und Umgebung hinzu.

Gemeinsam mit anderen Bürger-Initiativen in Schleswig-Holstein und dem Landesverband „Gegenwind“ unterstützen sie zwei Unterschriftensammlungen, mit denen gefordert wird, die Abstände zur Wohnbebauung zu vergrößern auf mindestens 1.000 Meter oder das 10-fache der Anlagenhöhe. Zum anderen sollen die Gemeinden und Städte ein gesetzlich verankertes Mitspracherecht erhalten, weil Windkraftanlagen einen „substanziellen Eingriff in die Lebensqualität vor Ort“ darstellen.

Bis Dezember 2017 müssen 20.000 Unterschriften gesammelt werden, um dann im Innenministerium vorgelegt zu werden und ein Umdenken dort zu bewegen. „Bisher sind landesweit bereits 16.000 Unterschriften gesammelt worden“, so Patricia Reincke.

Aktuell betragen die Abstandsanforderungen 400 Meter zu Einzelbebauung und 800 Meter zu Ortsgrenzen. Deutlich größer sind die Abstandsanforderung zu Vogelschutzgebieten oder Horsten schützenswerter Großvögel.

„Wir sind tief enttäuscht von der Landes-CDU, die vor der Wahl andere Wahlversprechen abgegeben haben, als jetzt im Koalitionsvertrag festgelegt wurden. Mindestabstände von 1.200 Metern und Akzeptanz vor Ort waren versprochen worden“, betont Burkhard Wieck. „Die CDU-Landtagskandidatin Frau Tschacher war heute morgen hier bei uns am Stand und wir haben sie darauf angesprochen. Aber sie meinte, dass eben in den Koalitionsverhandlungen nicht alle Wahlversprechen durchsetzbar sind.“ Der Koalitionsvertrag sieht folgende Vereinbarung vor: „Im Außenbereich soll der Mindestabstand dreifache Anlagenhöhe bis Rotorblattspitze, bei Siedlungen fünffache Anlagenhöhe sein, so dass der Abstand zu einer 200 Meter hohen Anlage im Außenbereich 600 Meter (vorher 400 Meter) und bei Siedlungen 1.000 Meter (vorher 800 Meter) beträgt.“

Ob tatsächlich Zugeständnisse der Grünen bei der Fehmarn-Beltquerung und dem Weiterbau der A 20 gegen die von der CDU versprochenen Abstände eingehandelt wurden, wie Wieck vermutet, wissen wohl nur die Verhandler, die den Koaltionsvertrag abgeschlossen haben. Dazu gehört auch Christopher Vogt auf Nusse. Burkhard Wieck hat auch ihn angesprochen: „Der FDP-Landtagsabgeordnete hat mir gesagt, dass die FDP eben nicht genug Stimmen bekommen habe bei der Landtagswahl, um ihre Forderungen durchzusetzen. Aber zusammen mit der CDU hätte es doch wohl reichen müssen.“

Auch Herbert Düssler setzt weiterhin auf Gegenwind und Aktionen der Bürger vor Ort. „Wir haben es geschafft in Lütau und Juliusburg, dass seit 2014 weder Neubau noch Repowering bei uns stattgefunden haben, obwohl es dazu bereits konkrete Planungen gab.“ In Lütau und Umgebung sei man durch die 380 KV-Leitung zum Kernkraftwerk Krümmel und 20 Windkraftanlagen von 90 bis 190 Metern Höhe schon seit Jahren belastet. Fünf neue 200 Meter hohe Windkraftanlagen seien in der Nähe von Vogelzuglinien geplant gewesen, konnten aber bisher nicht realisiert werden wegen des Widerstands der örtlichen Bürgerinitiative.

Viele Besucher an dem Info-Stand zeigten sich sehr gut informiert über die Auswirkungen von Windkraftanlagen. Patricia Reincke: „Sie fürchten vor allem den Infraschall und Schlagschatten, der vor allem bei tiefstehender Sonne als sehr störend empfunden wird, und waren gerne bereit, für die Volksinitiativen zu unterschreiben.“

In der laufenden Landesplanung, die die frühere Landesregierung aus SPD, Grünen und SSW vorangetreiben hatte, war bis 30. Juni 2017 die Bürgerbeteiligung online möglich. „Ich habe noch fünf vor 12 eine Stellungnahme abgegeben und war damit die Nummer 3673“, berichtet Patricia Reincke. Zusätzlich war auch die schriftliche, postalische Stellungnahme möglich, die jetzt in den weiteren Planungsprozess einfließen werden.

„Wer mag und kann, darf auch gerne bei unserer Bürgerinitiative Gegenwind Brunstorf, finanziell Beistand leisten unter www.gegenwind-brunstorf.de/spendenkonto/“, bittet Patricia Reincke um Unterstützung.

Die nächsten Unterschriftensammlungen sind am 9. September in der Geesthachter Innenstadt und am 16. September auf dem Schwarzenbeker Wochenmarkt geplant. „Rechtzeitig vor der Bundestagswahl am 24. September möchten wir auf das Thema Windkraft aufmerksam machen und werden auch die Wahlprogramme der Parteien daraufhin abklopfen“, zeigt sich Burkhard Wieck kämpferisch.

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