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Geesthacht (LOZ). Sich zur anstehenden Wahl des Europäischen Parlaments selbst Positionen bilden und im Dialog mit anderen Ideen austauschen: Das war die Idee zum gemeinsamen Nachmittag im Geesthachter Otto-Hahn-Gymnasium. Eingeladen hatte der Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg (KJR), die Europa-Union Schleswig-Holstein und die Akademie für ländliche Räume.

Neben den rund 70 Gästen aus verschiedenen Generationen waren auch namhafte Vertreter aus der Politik der Einladung gefolgt: Die Bundestagsabgeordnete Nina Scheer (SPD) nahm an der rund dreistündigen Veranstaltung ebenso teil wie die Landtagsabgeordneten Andrea Tschacher (CDU), Burkhard Peters (Bündnis 90/ Die Grünen) und Jan Marcus Rossa (FDP). Cornelia Östreich (SPD), Ersatzkandidatin für die Europawahl war in die „Europaschule Otto-Hahn-Gymnasium“ gekommen und auch Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze nahm gut gelaunt an der Veranstaltung teil.

Die Vorsitzende des Begleitausschusses der Partnerschaft für Demokratie des Kreises, Annedore Granz, gleichzeitig auch Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag, engagierte sich ebenso im Dialog mit den Teilnehmern wie der Kreistagsabgeordnete Bastian Numrich (CDU).

Arne Strickrodt, Geschäftsführer KJR, und Lisa Kühn von der Europa-Union begrüßten die Gäste und stellten den Tagesablauf vor. Schulleiterin Kirsa Siegemund betonte in ihrem kurzen Grußwort, dass sich aktuell europaweit junge Menschen zusammenschließen, um „zu demonstrieren, dass man gemeinsam etwas erreichen“ möchte. – Ein Hinweis auf die „Fridays for Future“ – Bewegung.

Bevor es für die Gäste an die Thementische im „World Cafe“ ging, stimmte Slam-Poetin Selina Seemann auf das Thema „Let´s talk about Europe“ ein: „Ich glaube, dass noch lange nicht alles gut ist“, sagte sie unter anderem.

Acht Thementische hatten die Veranstalter vorbereitet:

-        Das junge Europa
-        Europas Rolle in der Welt
-        Digitales Europa
-        Die Europäische Union – weit weg oder nah dran?
-        National oder europäisch?
-        Migration nach Europa – eine (un-) lösbare Frage?
-        Die EU und das Klima
-        Europa und Menschenrechte

Während die jeweiligen Moderatorinnen und Moderatoren an den Tischen verblieben, wechselten die Teilnehmer alle Viertelstunde ihre Themen und Tische. In einer „Halbzeit-Pause“ lud Lisa Kühn zu einem gemeinsamen EU-Faktencheck-Quiz ein. Hier war ausnahmsweise die Nutzung von Smartphones in einer Schule ausdrücklich gewünscht und die Teilnehmer konnten die Ergebnisse ihrer Abstimmung auf der Leinwand verfolgen. Auch dieser Programmpunkt sorgte für Diskussionsbeiträge. „Es gibt demokratische Ungleichheiten in der Gewichtung von Stimmen, die beseitigt werden müssen“, sagte Jan Marcus Rossa. Cornelia Östreich forderte zu den Strukturen der Europäischen Union, dass „für das Europäische Parlament mehr Initiativrechte geschaffen werden müssen“.

„Das Quiz hat die Diskussion weiter angeregt“, resümierte Lisa Kühn. Nach den weiteren zwei Runden waren die Papierbahnen auf den Tischen nach dem Wunsch der Veranstalter mit zahlreichen Ideen, Notizen und Statements beschrieben. Die Teilnehmer konnten das, was ihnen persönlich für Europa am Wichtigsten war, auf Europa-Sterne schreiben und auf einer großen Boden-Fahne zusammentragen.

Zu dem Schlussbild sagte Bürgermeister Olaf Schulze: „Die Sterne hier zeigen, wie wichtig Europa ist. Der Brexit hat gezeigt, was passieren kann, wenn sich viele nicht an einer Wahl beteiligen. Ich wünsche Ihnen und Euch viel Spaß mit Europa!“

Asude Demirci (16) aus Lauenburg hatte auf ihren Stern geschrieben: „Europa sorgt für eine bessere Zukunft, für Freiheit, Akzeptanz aller Menschen und vor allem sorgt sich Europa um die Umwelt. – Darum ist mir Europa wichtig.“ Asude sagte dazu: „Die EU ist vielseitig und kümmert sich um viele Aspekte. Europa ist auch künftig wichtig.“ Asude fand die Veranstaltung „wirklich gut. Man konnte sich gut beteiligen und Sachen dazulernen“, sagte sie.

Gülcin Efe ist 17 und kommt ebenfalls aus Lauenburg. „Die Akzeptanz jedes Individuums“ hatte sie auf ihren Stern geschrieben. „Das war ein Thema am Tisch. Jeder soll die gleichen Rechte haben und keiner ausgeschlossen werden“, meinte Gülcin. Von der Veranstaltung hatte sie einen Vortrag erwartet und fand die Idee mit den Tischen richtig gut. „Man hat so viele Meinungen gehört“, sagte sie.

Beide Schülerinnen bedauerten, dass sie sich bei dieser Europawahl noch nicht als Wählerinnen beteiligen können. „Es wäre schöner, wenn wir schon wählen dürften“, meinten sie übereinstimmend.

„Großer Entscheidungsträger, viel Einfluss (auch weltweit), Gemeinschaft / Verbund der Staaten“, stand auf dem Stern von Finn Arenz (16) aus Geesthacht. Für ihn bedeutet die EU vor allem Stärke. „Mit einem starken Binnenmarkt kann man eine starke Gemeinschaft zum Beispiel gegenüber den USA bilden“, meinte Finn. Daniel Wicknus, ebenfalls 16 und aus Geesthacht, hatte auf seinen Stern geschrieben: „Einheit, Gemeinschaft, Meinungsfreiheit.“ Mit einer großen Gemeinschaft lässt es sich besser mit großen Staaten kooperieren, ist er überzeugt. Aber: „Meinungsfreiheit ist einer der wertvollsten Punkte überhaupt“, sagte Daniel.

Die Veranstaltung in Geesthacht, die mit einem gemeinsamen Imbiss endete, wurde gefördert von der Partnerschaft für Demokratie Kreis Herzogtum Lauenburg aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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