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Geesthacht (LOZ). Es könnte ein Leuchtturm für die gesamte Region werden, doch klar ist auch: Die Stadt Geesthacht kann die Realisierung des Projekts „Hochwasserhaus“ nicht allein stemmen. Das wurde während der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses deutlich, innerhalb derer die Ergebnisse der Umsetzungsstudie zu dem Informations- und Erlebniszentrum erstmals vorgestellt worden sind.

„Wir wollen einen außerschulischen Lernort schaffen, an dem nachhaltiges Denken erzeugt wird. Wir wollen die Gäste aber nicht mit Informationen zuschütten, sondern der Besuch soll Vergnügen bereiten und sie sollen für später etwas mitnehmen“, benennt Studienleiter Wolfgang Vogel von der EKU (Energie:Kommunal:Umwelt) Schleswig-Holstein Ziele, die durch Kooperationen und mit einem außergewöhnlichen Konzept samt Bau erreicht werden sollen.

So stellen sich die Macher der Umsetzungsstudie ein Gebäude vor, in dem auf einer Fläche von 1.500 Quadratmetern Platz für eine Dauerausstellung wäre. 250 Quadratmeter davon sollen für eine inklusive Ausstellung reserviert werden, die die Inhalte für geistig Behinderte und Menschen mit Lernschwierigkeiten aufbereitet – ein Element, das laut Vogel, bundesweit einmalig wäre. Zusätzliche 150 Quadratmeter veranschlagen sie für wechselnde Präsentationen und Sonderausstellungen. In einem etwa 3.800 Quadratmeter großen Außenbereich könnten unter anderem ein Wasserlehrpfad und ein Wasserspielplatz entstehen.

Inhaltlich sollte sich das Informations- und Erlebniszentrum nicht ausschließlich mit den Themen Klimawandel, Extremwetterereignisse und Klimaschutz beschäftigen, was zu Beginn der Überlegungen angedacht war und zu dem Arbeitstitel „Hochwasserhaus“ geführt hatte. Als Kernthema benennen Vogel und seine Mitstreiter „Wasser“ – und zwar in drei Kontexten: Wasser als Element, Wasser in der Natur sowie Wasser und Mensch. „Das Thema Hochwasserhaus war zu eng gefasst“, erklärt Vogel die Entwicklung zu einem weiter gefassten Konzept, das etwa 100.000 Besucher pro Jahr nach Geesthacht locken soll. So haben es die Fachleute in der Studie berechnet. In einer früheren Machbarkeitsstudie waren die Untersuchenden von 150.000 Besuchern pro Jahr ausgegangen.

Touristisch und infrastrukturell sinnvoll wäre ein solcher Bau, der auch schwimmende Gebäudeelemente beinhalten könnte, laut der Studienmacher an der Elbuferstraße östlich des Freizeitbades. Das jetzige DLRG-Haus, so Vogel, könnte in einen Neubau integriert werden. „Wenn dort dann noch eine Jugendherberge entsteht, wäre das natürlich ein ordentliches Pfund“, greift Vogel Ideen eines Herbergsneubaus nahe des Freizeitbades auf, die im Gespräch, aber längst noch nicht konkret sind.

Insgesamt rechnen die Studienmacher mit Kosten in Höhe von 19,3 Millionen Euro. Rund 10.2 Millionen Euro davon kalkulieren sie für den Gebäudebau, etwa 4,65 Millionen Euro für das Grundstück. Die Kosten für die konzeptionelle Planung sowie künstlerisch-kreative Gestaltung der Ausstellung werden mit 3 Millionen Euro beziffert.  „Ziel muss es sein, den Anteil der Fördermittel noch zu erhöhen und Kooperationen zu finden“, betont Vogel, denn je mehr Partner einstiegen, umso geringer das finanzielle Risiko für die Stadt Geesthacht. Aktuell weist die Studie im Finanzierungsplan – gerechnet mit der Stadt als einzigem Kapitalgeber – für Geesthacht ein Eigenkapital von 4,65 Millionen Euro und ein Darlehen in Höhe von rund 7,4 Millionen Euro aus. Zudem rechnen die Planer bisher mit Fördermitteln der EU in Höhe von rund 7,3 Millionen Euro. Unter dem Strich wäre die Wirtschaftlichkeit des Erlebniszentrums laut Studie derzeit nicht gegeben. „Wir gehen von einem nachhaltigen Verlust beziehungsweise Liquiditätsbedarf von zirka 600.000 Euro pro Jahr aus“, benennt die Studie im Fazit ein Minus, das durch Sponsoren und Kooperationspartner reduziert würde.

Als möglichen Hauptkooperationspartner für das Projekt, das unter dem Dach einer gGmbH umgesetzt werden könnte, sieht Vogel das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG). Mit der Wissenschaftseinrichtung, deren Schwerpunkte unter anderem Küsten- und Klimaforschung sind, würden bereits Gespräche laufen. So seien Vertreter des HZG bereits bei zahlreichen Workshops zum Hochwasserhaus beteiligt gewesen und hätten Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. Auch erste Gespräche mit dem Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) sind bereits erfolgt, so Vogel. Das IGB möchte in Geesthacht eine Störaufzuchtanlage realisieren. Darüber hinaus könnten der Kreis Herzogtum Lauenburg, das Land Schleswig-Holstein und der Bund angesprochen werden. Immerhin gehe es nicht nur um einen Imagegewinn für Geesthacht, sondern die Verbindung von Wissenschaft und Tourismus im großen Stil – und das komme der ganzen Region zugute.

Wie die Stadt Geesthacht mit dem Projekt weiter umgeht, wird jetzt die Politik beraten. Entscheidet man sich für die Verfolgung der Idee, könnten im kommenden Jahr Kooperationen und ein Architektenwettbewerb angestrengt werden. Die Namensgebung würde erst nach dem Wettbewerb zu Architektur und Ausstellung erfolgen. Ein entsprechender Bebauungsplan könnte laut Vogel Ende 2021 stehen, so dass die ersten Besucher nach 18 Monaten Bauzeit wohl nicht vor 2024 ein Erlebniszentrum an der Elbe betreten könnten. Angestoßen hatte die Idee von einem Hochwasserhaus in Geesthacht Wolf-Rüdiger Busch, der viele Jahre das Geesthacht-Museum leitete und heute für das Archiv verantwortlich ist.

Einzusehen ist die gesamte Umsetzungsstudie unter dem Reiter „Aktuelles“ und dort unter dem Punkt „Hochwasserhaus“ auf der Internetseite der Stadt Geesthacht (www.geesthacht.de).

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