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Geesthacht (LOZ). Drei Tage lang wurden im Ratssaal in einer nicht öffentlichen Anhörung des Amtes für Planfeststellung Verkehr zwischen den Vertretern des Landesbetriebs Verkehr (LBV) als Vorhabenträger und den einwendenden Verbänden Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Naturschutzbund Deutschland, Landesverband SH (NABU) und Allgemeiner Deutscher Fahrradclub (ADFC) sowie einigen privaten Einwendern die über 140 Einwendungen gegen die geplante Ortsumgehung Geesthacht detailliert erörtert.

Die Liste der Kritikpunkte reichte von der fehlenden Rechtfertigung der Notwendigkeit des Vorhabens bis zu den baubedingten Auswirkungen der geplanten Maßnahmen. Die Vertreter des NABU, BUND und des ADFC äußerten sich einhellig ablehnend gegen dieses Projekt, dessen Kosten bereits jetzt auf über 120 Millionen Euro geschätzt werden.

In der von allen Seiten fair und kompetent geführten Erörterung wurden die unterschiedlichen Standpunkte klar und konnten konträrer nicht sein: Der LBV zog sich auf seine veralteten Richtlinien zurück, wollte die vorgehaltenen Planungsdefizite nicht eingestehen und seine Pläne nicht oder nur unmaßgeblich ändern. Die Verbände forderten einen Planungsstopp und beantragten, gemäß dem von der Bundesumweltministerin als notwendig erachteten Paradigmenwechsel beim Klimaschutz, neue Verkehrsgutachten zu erstellen und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept gemeinsam mit den Umlandgemeinden und den Verbänden zu erstellen, um u.a. auch den Herausforderungen der Klimakrise und des Artenschutzes gerecht zu werden.

Dietger Michaelis (BUND), Dr. Roland Doerffer (NABU), Jürgen Ziemer (ADFC) und weitere Mitstreiter begründeten die ablehnende Haltung. „Wir lehnen die geplante Ortsumgehung Geesthachts als Neubau der teilweise vierspurigen A25/B5 grundsätzlich ab, da sie in ihren vielfältig negativen Auswirkungen gegen die umweltpolitischen Ziele sowohl der Bundesregierung als auch des rechtsverbindlichen Pariser Abkommens zum Klima- und Ressourcenschutz verstößt. Das Vorhaben steht auch im krassen Widerspruch zu dem Ziel des Weltklimarates und der Vereinten Nationen, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen, um katastrophale Auswirkungen der Klimaveränderung auf dem gesamten Planeten für Mensch und Natur noch zu verhindern.

Das Vorhaben bedroht und zerstört höchst schützenswerten Lebensraum von Fauna und Flora unwiederbringlich, insbesondere im Bereich des Elbhangs, und verstärkt das Artensterben. Die geplanten Eingriffsminderungs-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, sind zu gering bemessen bzw. nicht geeignet, die schweren Schäden zu kompensieren.“

Die Verbände bemängelten zudem, dass die Ortsumgehung zu keiner erheblichen Entlastung des Verkehrs in Geesthacht führen würde, da der Anteil des reinen Durchgangsverkehrs in Geesthacht gemäß Gutachten PGT nur 10,7 Prozent beträgt. „Nur um diesen Anteil und um diejenigen Fahrten, die die geplante Auffahrt Geesthacht Nord wählen, also durch die Oberstadt fahren, würden die Anwohner an der B5 entlastet. Dadurch sinkt der Verkehrslärm an der B 5 aber nur minimal,“ so Michaelis. „Durch den geplanten Autobahnabschnitt würde aber zusätzlicher Verkehr angezogen, besonders auch durch Hohenhorn, so dass bisher wenig belastete Straßen dann stärker belastet würden.“

„Von Escheburg bis Grünhof, auch im Neubaugebiet Finkenweg Nord, in Hohenhorn, Hamwarde, Gut Hasenthal und der Heinrich Jebens Siedlung würde es zu einer sehr erheblichen Verlärmung kommen, weil die Umgehungsstraße weit überwiegend auf einem Damm geplant ist. Der Erholungswert insbesondere des Geesthangs, des Grüngürtels der Oberstadt und des Hasenthals wird bei dem zu erwartenden Verkehrslärm mit Dauerrauschen und heulenden Reifen praktisch zerstört. Flüsterasphalt ist nicht geplant,“ so Dr. Doerffer und ergänzt: „Im Ortsteil Grünhof sind keine Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen, obwohl die B5 bis auf wenige Meter an die Häuser heran reicht. Die zusätzliche Belastung durch Abgase wurde nicht untersucht und es fehlt eine umfassende CO2-Bilanz, die den Verkehr und die Baumaßnahmen mit berücksichtigt.“

Das über 30 Meter hohe Brückenbauwerk zur Querung des Elbhangs westlich von Geesthacht würde das Landschaftsbild erheblichst beeinträchtigen, äußerst wertvolle, nicht ersetzbare Biotope zerstören und den Biotopverbund zerschneiden. Der in Planung befindliche Radschnellweg und ein zweites Gleis für den zukünftigen Bahnverkehr nach Hamburg werden nach wie vor nicht berücksichtigt. Die Brückenunterführung ist für die Bahn zu klein geplant. Jürgen Ziemer vom ADFC bemängelt, dass durch die Zerschneidung der Landschaft mit Barrieren und die Zerstörung von Naherholungsgebieten durch die geplante Ortsumgehung die Lebensqualität der Bevölkerung stark beeinträchtigt würde: „Wie sollen denn behinderte Menschen die 6,5 Prozent Steigungen bei den Überführungen überwinden?“

Die Umweltverbände forderten die Planfeststellungsbehörde abschließend auf, sich ihren Argumenten anzuschließen und das Verfahren einzustellen: „Politik und Verwaltung müssen dieses gegen Klimaschutz, Menschen, Umwelt und Natur rücksichtslose Projekt stoppen zugunsten einer ökologisch nachhaltigen Verkehrsinfrastruktur!“

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