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Geesthacht (LOZ). Auf Initiative von Grünen und SPD werden die Fraktionen SPD, Grüne, Linke und BfG eigene Vorschläge zur anstehenden Fortschreibung des Forsteinrichtungswerks heute in den Ausschuss für Umwelt und Energie einbringen.

Mit ihrem Antrag fordern die Fraktionen drei Punkte:

1.      Das Forsteinrichtungswerk 2021 soll sich an den Prinzipien der “Naturnahen Waldnutzung“ des Stadtwaldes Lübeck (Lübecker Waldkonzept) orientieren.

2.      Es soll ein Einschlagsmoratorium für 5 Jahre geben. Bäume sollen nur noch in engen Grenzen gefällt werden können, z.B. zur Verkehrssicherung oder – wie bisher schon - zum Zurückdrängen der nicht heimischen spätblühenden Traubenkirsche. Die fünf Jahre Moratorium sollen genutzt werden, um Erfahrungen mit diesem Konzept zu sammeln, zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.

3.      Weiterhin soll geprüft werden, ob die gesamte Fläche der Heidberge bzw. des Geesthachter Stadtwalds unter Naturschutz gestellt werden kann. Damit könnte – als Schutzzweck – die gewünschte ökosystem-orientierte Bewirtschaftung und Pflege des Stadtwaldes gesichert werden. Sofern nicht die gesamte Fläche unter Naturschutz gestellt werden kann, wird die Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Nabu gebeten, zumindest für die Fläche um die „Kuhtränke“ sowie eines Gerinnesystems in der Abteilung 4 die Unterschutzstellung nach § 30 Abs. 2, Nr. 2 u. 3 BNatSchG zu betreiben.

„Auslöser für diese Anstöße sind die Folgen des Klimawandels für den Wald, aber auch die große Bedeutung von Bäumen für unser zukünftiges Klima. Wir müssen unseren Stadtwald fit und zukunftsfähig machen, damit er einen guten Beitrag leisten kann angesichts des Klimawandels und der deutlich schwindenden Biodiversität“, so Ali Demirhan, Vorsitzender der Grünen-Ratsfraktion.

„Geesthacht hat mit seiner vor 20 Jahren begonnenen Stadtwaldbewirtschaftung Pionierarbeit im Kreis geleistet. Wir haben schon viel erreicht. Nun gilt es, dieses Konzept an neue Herausforderungen anzupassen. Die Funktion des Stadtwaldes als Wirtschaftsfaktor soll zurücktreten. Eingriffe wollen wir auf das Nötigste begrenzen. Von einer Unterschutzstellung erhoffen wir uns auch finanzielle Vorteile durch eine Förderung des Land, wenn es gelingt, die Schutzziele entsprechend zu verankern“, so Petra Burmeister (SPD-Fraktionsvorsitzende).

Einig sind sich SPD und Grüne, dass der Stadtwald als Naherholungsraum für Bürger und Bürgerinnen erhalten bleiben muss. „Gerade die Corona-Zeiten haben gezeigt, wie wichtig frei zugängliche öffentliche Flächen wie z. B. unser Stadtwald sind. Spaziergehen und Herumstreifen im Wald sind weiter gewünscht und möglich. Wir möchten den Stadtwald als Naherholungsraum erhalten und stärken. Naturschutz und Naherholung sind kein Widerspruch. Das zeigen auch wertvolle Kleinode wie die Restheide und die Kuhtränke. Sie haben eine große ökologische Bedeutung und zugleich einen Erlebniswert. Hier können wir unseren Kindern und Enkeln Pflanzen- und Insektenarten der Roten Listen zeigen,“ so Sonja Higgelke (Grüne) und Werner Flindt (SPD).

Der Antrag hat die Unterstützung des Umweltbeirats der Stadt Geesthacht.

Zum Hintergrund:

Geographische Lage: Die Flächen des Stadtforstes Geesthacht liegen im Südosten des Kreisherzogtums Lauenburg in Schleswig-Holstein. Die Waldflächen bestehen im Wesentlichen aus zwei größeren Waldgebieten. Der am Hang liegende erste Waldbereich (im Folgenden „Hangwald“ genannt) erstreckt sich auf einer Breite von 200-300 m von Westen her etwa 4 km in das Standgebiet der Stadt Geesthacht hinein. Das zweite größere Waldgebiet sind die „Besenhorster Sandberge“. Mit einer Ausdehnung von ca. 1 km x 1,3 km liegen die Flächen im Südwesten von Geesthacht in Elbnähe. Weitere kleinere Waldstücke liegen im SO und im Norden des Stadtgebietes.

Historische Waldentwicklung: Der Wald im Eigentum der Stadt Geesthacht wird dominiert von Beständen, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden und entsprechend gleichaltrig sind. Die Besenhorster Sandberge entstanden durch Sukzession (überwiegend Birke, Aspe, Kiefer, Bergahorn, Robinie) auf den Flächen ehemaliger Munitions- und Sprengstoffproduktionsstätten. Hier befinden sich kleinflächig Reste alter Baumgruppen und Einzelbäume (überwiegend Eiche). Der Hangwald entstand durch Erstaufforstungen von ehemaligen Heideflächen mit überwiegend Kiefer, Japanlärche und Fichte, vereinzelt zusätzlich auch Sukzessionsbaumarten.

Quelle: Erläuterungsbericht: Stadtwald Geesthacht - Forsteinrichtung zum Stichtag 1.1.2011

Für den Bereich des Naturschutzgebietes und FFH-Gebietes Besenhorster Sandberge liegt ein vom Land erarbeiteter Managementplan vor. Eine Bewirtschaftung der Waldflächen findet nicht statt.

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