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Ratzeburg (aa/pm). Die Tage des Kreissparkassengebäudes am Ratzeburger Marktplatz sind gezählt. Wie in einer großen Presserunde vorgestellt wurde, ist für 2020 der Abriss geplant. Anstatt eines neuen Verwaltungsgebäudes soll an der prominenten Stelle im Herzen der Insel ein 4 Sterne-Hotel entstehen.

Der dreigeschossige Betonbau dürfte allenfalls dem einen oder anderen Architekturfan noch ein Leuchten in die Augen gezaubert haben, für die meisten anderen Betrachter war das Gebäude eher eine Bausünde aus den 1970er Jahren. Jetzt heißt es, Abschied nehmen.

Am Standort der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg in Ratzeburg am Markt wird ein neues Gebäude entstehen, in das weiterhin eine ServiceFiliale der Sparkasse mit Vermögensmanagement und ImmobilienCenter integriert wird. Geplant ist außerdem ein 4 Sterne-Hotel, das der bestehenden Nachfrage im Tourismus entgegenkommt und das Stadtbild an diesem Standort prägen wird.

Das jetzige Gebäude aus dem Jahr 1970 weist technisch und energetisch erhebliche Mängel auf und verschlingt immense Summen für Instandhaltung und Energieverbrauch. Laut KSK-Vorstand Rainer Burghardt sei das Haus marode, die Hülle defekt und 'eine energetische Katastophe'. Die ermittelten Sanierungskosten von rund 25 Millionen Euro decken sich mit dem finanziellen Aufwand eines Neubaus. „Wir haben uns daher die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, an dieser Stelle wieder einen Verwaltungsbau zu erstellen“, erläutert Burghardt die Entscheidungsfindung.

Das Verwaltungszentrum der Kreissparkasse und damit bereits eine Vielzahl von Stabsabteilungen sind bereits seit 2002 im BackOffice in Mölln im Grambeker Weg angesiedelt. Dieses Gebäude soll nun zusätzlich um einen dritten Flügel ergänzt werden, in dem dann die momentan in Ratzeburg beheimateten Abteilungen zukünftig ihre Arbeitsplätze finden können. Damit wären dann alle Stabs-, Verwaltungs- und Produktionsabteilungen sowie der gesamte Vorstand in einem Gebäude untergebracht. Vorteile dieser Lösung sind deutlich kürzere Wege, optimale Kommunikation und damit effektive Organisationsstrukturen bei deutlich geringeren Kosten von rund acht Millionen Euro für den Neubau, der zudem energetisch auf dem neuesten Stand sein wird.

Um an dem jetzigen Standort der Kreissparkasse in seiner prädestinierten Lage eine optimale Lösung zum Wohle Ratzeburgs zu finden, wurde von Anfang an in Abstimmung mit der Stadt ein Nutzungskonzept beauftragt und nach Investoren gesucht. Ziel war es, im Herzen der Stadt Wirtschaft anzusiedeln, die der Region Chancen und Perspektiven eröffnet.

Die RIMC Hotels & Resorts Gruppe mit den geschäftsführenden Gesellschaftern Gert Prantner und Marek N. Riegger entwickelte die Idee eines 4 Sterne-Hotels mit Wellnessbereich, Service-Wohnen und weiterer Nutzung und konnte als Investor die Firma premero Immobilien GmbH gewinnen. RIMC hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Hotelprojekten im In- und Ausland realisiert. Sie betreibt oder revitalisiert mit maßgeschneiderten Managementlösungen Hotels mit großem Erfolg. Pranter plant ebenfalls in Lauenburg ein Wellnesshotel. Dort gibt es allerdings immer wieder Verzögerungen, die Eröffnung hätte schon lange stattfinden sollen. Noch ist dort aber nur eine leere Fläche vorzufinden.

„Mit der premero Immobilien GmbH steht ein kompetenter Partner bereit, der sich auf die Entwicklung von hochwertigen Büro- und Geschäftsgebäuden sowie Hotels und Produktionsstätten spezialisiert hat. Derzeit entsteht ein gemeinsames Hotelprojekt der beiden direkt am Hamburg Airport“, heißt es bei der Kreissparkasse.

Die Vertreter der Stadt Ratzeburg sehen den Umzug der Kreissparkassenverwaltung mit einem weinenden und lachenden Auge. Einerseits trauere man aufgrund des Weggangs von rund 70 Arbeitsplätzen im Herzen der Stadt, andererseits sehe man die Chancen, die das neue Projekt zur Belebung der Innenstadt bringen kann. Denn Vorstand und Verwaltungsrat der Kreissparkasse wie auch die Vertreter der Stadt sind der Meinung, dass ein Hotel dieser Größenordnung und Qualität den Tourismus in Ratzeburg deutlich beleben wird. Damit geht eine Stärkung der Wirtschaft einher, von der insbesondere der Einzelhandel und die Gastronomie sowie andere touristische Bereiche profitieren werden.

„Große Veränderungen bringen auch immer große Chancen mit sich. Wir freuen uns auf diese Möglichkeit“, sagte Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß. „Zuerst waren wir geschockt“, so Wilhelm Thiele (CDU Fraktion). Doch mittlerweile seien die Ratzeburger Christdemokraten begeistert von der Idee. Thiele mahnt die Planer jedoch, bei der Gestaltung des Gebäudes Empathie für den Ort zu beweisen. Von Werner Rütz (FRW Fraktion) kam der Hinweis, dass für das Grundstück kein B-Plan vorgeschrieben ist. Nach Paragraf 36 des Baugesetzbuchs sei im Rahmen eines reduzierten Beteiligungsverfahrens nur das gemeindliche Einvernehmen nötig. Umso mehr freue er sich über die bisherige Einbeziehung von Investor und Planer und hoffe weiter auf eine enge Zusammenarbeit. Rütz: „Wir freuen uns auf etwas Neues, was in die Ortsmitte passt.“ Auch die anderen Fraktionen loben die bisherige Transparenz im Planungsprozess.

Selbst die Ratzeburger Gewerbetreibenden seien bereits am Montagabend informiert worden. Ein allgemeiner Infoabend für die Einwohner der Stadt ist für den 26. Juni, um 19 Uhr in der Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule geplant.

„Unsere Fraktion nimmt Ihnen einhundertprozentig ab, dass Sie hier wirklich etwas gestalten wollen“, sagt Sami El Basioni (FDP/ BfR- Fraktion) an Gert Prantner gerichtet. „Es wird ein frischer Wind durch die Stadt wehen“, meint Uwe Martens (SPD Fraktion), der in dem Projekt ebenfalls große Chancen sehe. Stefan Clasen (Grünen Fraktion) zeigte sich beeindruckt, dass Politik und Bürger so früh mit ins Boot geholt werden. Clasen: „Das ist eine echte Chance für die Innenstadt.“

Gert Prantner: „Das ist eine hohe Belastung und Erwartungshaltung, die wir aber selbst ausgelöst haben.“ Er sei jedoch erleichtert über die bisherigen positiven Rückmeldungen. „Ein Hotel muss von der Bevölkerung akzeptiert werden“, erläutert er sein Vorgehen. Es müsse am Bedarf der Stadt gebaut werden. Ein Hotel allein zu bauen, mache daher keinen Sinn. Es gehe um die Frage 'Was fehlt noch in der Stadt?'. So soll das Konzept der Stadt neue Gäste mitbringen und keine wegnehmen. „Diese Immobilie muss ein neuer Mittelpunkt der Stadt werden“, sagt Prantner.

Auch wenn noch keine detaillierten Pläne oder gar Visualisierungen vorliegen, beschrieb Prantner das Projekt wie folgt: Im Erdgeschoss soll neben der Hotellobby eine kleine Shopping Mall entstehen. Neben kleinen zum Hotelbetrieb passenden Geschäften sowie Gastronomie wird hier auch wie gehabt eine KSK-Filliale zu finden sein. Auch Außengastrononie auf dem Marktplatz sei denkbar. Die Passage soll vom Marktplatz durchgängig zur Brauerstraße gehen. Ab der ersten Etage beginnt der eigentlich Hotelbetrieb mit 100 bis 110 Zimmern. Zusätzlich sollen Wohnungen und ein Wellnessbetrieb entstehen. „Detailliertere Ausformulierungen erfolgen im weiteren Planungsprozess“, so Thorsten Schütte vom Planungsbüro 'premero'. Er freue sich über den Aufruf seitens der Stadt, dass das Außenerscheinungsbild des Gebäudes architektonisch gesehen auch etwas mutiger ausfallen könne. Schütte: „Es soll aber etwas werden, worauf Stadt und Bürger dann stolz sind. Die jeweiligen Standorte liegen uns auch am Herzen und wir versuchen auf die Belange der Stadt einzugehen.“ Das neue Gebäude solle nicht viel höher als das jetzige werden.

Bei aller Euphorie für das neue Projekt gab es aber auch Stimmen, die daraufhin wiesen, dass man keine 'blühenden Landschaften' versprechen könne. Laut Landrat und KSK-Verwaltungsratsmitglied Christoph Mager könne das neue Projekt den Wegfall der 70 Arbeitsplätze größtenteils kompensieren und zur Belebung des Marktplatzes führen. „Das wird aber nicht in jeder Hinsicht funktionieren“, räumt Mager ein. „Es wird einen (wirtschaftlichen) Einschnitt geben“, spielt auch Thorsten Schütt mit offenen Karten mit Hinweis auf die Bauarbeiten. Abriss und Neubau sollen innerhalb von 24 Monaten erfolgen, so dass das Gesamtensemble bis 2022 fertig sein soll. „Dazu stehen wir“, legt sich Schütt fest.

Auf dieser Grundlage werden jetzt die nötigen Vertragsverhandlungen aufgenommen, und es wird in die konkrete Projektentwicklung eingestiegen. Bei all diesen Schritten wird die Stadt transparent in das Verfahren eingebunden sein. „Wir stehen ganz am Anfang des Prozesses, noch wurden keine Verträge geschlossen“, so Rainer Burghardt.

Der Startschuss für den KSK-Neubau in Mölln fällt Anfang 2018; folglich wird mit dem Baubeginn in Ratzeburg im Jahr 2020 gerechnet.

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