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Ratzeburg (LOZ). Einen kenntnisreichen, anschaulichen Einblick in die Flora der Wälder in Schleswig-Holstein gewährte Dr. Katrin Romahn im Kreishaus. Auf Einladung des Ausschusses für Forsten, Energie, Umwelt- und Klimaschutz präsentierte die Kieler Botanikerin Forschungsergebnisse zum aktuellen Zustand der Wälder in dem Bundesland. Über 100 davon hat sich Romahn sehr gründlich und umfassend angeschaut – zusammen mit ihren Kollegen von der AG Geobotanik in Schleswig-Holstein und Hamburg mit Sitz an der Universität Kiel.

Auch einige Wälder im Herzogtum Lauenburg waren Teil der Untersuchung. Durch genaue Beobachtung und Kartierung fanden Katrin Romahn und ihre Kollegen heraus, wo es in Schleswig-Holstein besondere Vegetationsgemeinschaften gibt – sogenannte ‚Hot spots’ der Artenvielfalt. Auch wollten die Forscher wissen, wie die Strukturen dieser besonderen Waldgemeinschaften beschaffen sind – im Unterschied zu weniger artenreichen Wäldern. Welche Lebensraumqualitäten ermöglichen das Überleben gefährdeter Arten im Wald? Wie gelingt es solchen außergewöhnlichen Pflanzengemeinschaften so relativ vital zu bleiben – dem Klimawandel zum Trotz?

Quellen und naturnahe Bäche schaffen gute Grundvoraussetzungen dafür, so Romahn, weil sie den Wald wie eine Klimaanlage kühlen und den Boden feucht halten. Unter anderem mithilfe dieser beiden strukturellen Voraussetzungen können zum Beispiel die Schlüsselblumen im Fliegenberg-Wald bei Berkenthin so besonders üppig gedeihen. Enorm wichtig seien auch möglichst naturnahe Bodenverhältnisse ohne große Störungen und Verdichtungen, damit die typische Waldflora mit großen Teppichen von Buschwindröschen, Goldnessel und Waldmeister erhalten werden kann.

Solche typischen Zeigerpflanzen würden allerdings, so die Ökosystemforscherin Romahn, vor allem durch den Einschlag von älteren Buchen auch im Kreis immer häufiger von ihren Standorten verdrängt. Diese Verluste seien aber nicht nur mit dem Klimawandel zu erklären, sondern auch mit anderen menschlichen Einwirkungen. Etwa der weltweit seltene Gelbstern, der so gern am Fuß von alten Buchen lebt, unter anderem in einem Waldstück bei Siebenbäumen: Er werde, so Dr. Romahn, in vielen Forsten durch den Einschlag vor allem von älteren Buchen immer weiter reduziert.

Sie plädierte dafür, diese invasive Forst-Praxis zu beenden, da sie das Ökosystem Wald in Zeiten des Klimawandels zu stark belaste. Denn nach dem Einschlag gerade der großen schattenspendenden Buchen trockne der nun ständig der Sonne ausgesetzte Waldboden aus. Er werde schon bald von großen Brombeerkolonien besiedelt, welche die Verjüngung des Waldes erschweren, da sie alle Laubbaum-Samen unter sich begraben. Solche Brombeer-Invasionen, die das Waldinnenklima verschlechtern, seien auch im Kreis schon zu finden, so Romahn. Sie empfahl, den industriellen Einschlag von Laubhölzern einzustellen, da er eine starke Bodenverdichtung nach sich ziehe, sprich eine Beeinträchtigung des Boden-Sauerstoffgehaltes, verursacht durch die mittlerweile riesigen, tonnenschweren Baum-Ernte-Maschinen auf viel zu vielen und breiten Rückegassen.

Stattdessen sollte eine schonendere Bewirtschaftung der Wälder die unzähligen Verflechtungen der einzelnen Arten berücksichtigen. Wie zum Beispiel die gegenseitige Abhängigkeit der Buche von den Mykorrhiza-Pilzen. Denn in ihrer Gesamtheit machen diese wechselseitigen Abhängigkeiten das Ökosystem Wald aus. Zudem sollte es sich der Kreis leisten, mehr alte Bäume stehen zu lassen, denn diese seien für die Stabilität des Waldes und für die Artenvielfalt extrem wichtig. Einen ‚Waldbau mit Köpfchen’ bräuchten wir jetzt, meinte die Forscherin. Abschließend zitierte sie Franz Alt: „Die Zukunft ist kein Schicksalsschlag, sondern die Folge der Entscheidungen, die wir heute treffen“.

 

Text: Dr. Tink Diaz

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