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Breitenfelde (sun). Norbert Brackmann ist seit 1975 im Kreis Herzogtum Lauenburg kommunalpolitisch aktiv. Seit 1978 ist er ohne Unterbrechung als CDU-Abgeordneter im Lauenburgischen Kreistag vertreten, wo der Lauenburger Jurist seit 1998 CDU-Fraktionsvorsitzender ist. 2009 wurde Norbert Brackmann zum ersten Mal direkt in den deutschen Bundestag gewählt und machte sich einen Namen als Haushälter. Seit April 2018 ist er Teil der Regierung als Koordinator für die maritime Wirtschaft.

Trotz dieser beachtlichen Karriere ist Norbert Brackmann bodenständig geblieben und schätzt seine kommunalpolitische Verwurzelung im Wahlkreis Herzogtum Lauenburg. Zahlreiche Projekte konnte er in den vergangenen zehn Jahren als Bundestagsabgeordneter hier begleiten und fördern.

„Highlight des vergangenen Jahres war dabei sicherlich die Ansiedelung des Deutschen Luft- und Raumfahrt Instituts maritime Energiesysteme, das ab Mitte dieses Jahres in Geesthacht mit einem Kernteam seine Arbeit aufnehmen wird“, blickt Brackmann mit Freude zurück. 15 Millionen Euro pro Jahr wird der Bund in den Institutsbetrieb investieren. Das Land Schleswig-Holstein wird 15 Millionen Euro für Erst- und Ausstattungsinvestitionen und einen Eigenanteil von 1,7 Millionen Euro jährlich für den Forschungsbetrieb beisteuern.

Brackmann betont, dass das Projekt Strahlkraft in die Region haben werde, wenn bis zu 150 Mitarbeiter, davon 90 Wissenschaftler, neben dem Helmholtz-Institut ihre Forschungsarbeit aufnehmen und Produkte für alternative Energiesysteme in der Schifffahrt zur Marktreife bringen. „Geesthacht wird dadurch weiter zum Wissenschaftsstandort ausgebaut.“

Weniger Freude hat Brackmann an einem anderen Projekt, das von großer Bedeutung für die Wasserwirtschaft auf der Elbe und den Hamburger Hafen ist: die Sanierung des Geesthachter Stauwehrs. Wie dringend nötig dessen Funktion zur Regulierung des Wasserstands der Elbe für die Binnenschifffahrt ist, wurde bei der Unterspülung des Wehrs im vergangenen Jahr deutlich. Tagelang war die Schifffahrt stillgelegt und staute sich bis weit ins Binnenland zurück. Der Hamburger Hafen war zwei Wochen ohne Hinterlandanbindung, Waren stauten sich auf dem Hafengelände.

Für die Sanierung des Wehrs liegen 167 Millionen Euro Bundesmittel bereit. Aber zurzeit ist nur eine einzige Vollzeit-Stelle beim Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg mit der Planung dieses komplexen Projektes beauftragt.

„Auch die Aktivitäten beim Elbe-Lübeck-Kanal entsprechen nicht meinen Vorstellungen“, betont Brackmann. Der Ausbau des Kanals stößt vielfach auf Kritik, trotzdem hält Brackmann an dem Vorhaben fest, für das 860 Millionen im Bundeshaushalt bereitstehen. Statt den Umbau der Kanal-Brücken konzentriert und in möglichst identischer Bauweise anzugehen, sollen diese Bauwerke zum Missfallen Brackmanns nacheinander über einen längeren Zeitraum ertüchtigt werden.

Vor allem stört sich Norbert Brackmann aber an dem Personaleinsatz der insgesamt 35 Mitarbeiter. „Das sind laut Gesetz zweckgebundene Stellen für den Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals mit Sitz in Lauenburg. Offiziell sind diese Stellen alle besetzt.“

Tatsächlich arbeiten die Fachleute aber wohl laut einem Schild am Eingang zu den Büroräumen in Lauenburg in dem „Neubauamt für den Ausbau des Mittellandkanals Hannover“. Für den Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals werde nach Brackmanns Informationen aktuell nur der Abschnitt zwischen der Elbeinmündung und dem Horster Damm geplant, ein zwei Kilometer langer Abschnitt bei einer Gesamtkanallänge von 60 Kilometern.

CDU wählt Kandidaten im Herbst 2020

Im kommenden Herbst will die lauenburgische CDU ihren Kandidaten für die Bundestagswahlen 2021 nominieren. „Ich habe noch Ideen für mindestens zwei weitere Legislaturperioden“, stellt Norbert Brackmann seine Kandidatur in Aussicht. Er befürwortet eine Verkleinerung des Bundestags, die mit einer Reduzierung der Wahlkreise verbunden ist. „Diese Erkenntnis setzt sich in allen Parteien durch, nur die CSU sträubt sich noch etwas“, so Brackmann. Bis zur Sommerpause soll diese Reform aber durch den Bundestag beschlossen werden.

„Die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung zur Politik ist eine andere, als ich sie wahrnehme. Politikverdrossenheit kann ich nicht feststellen.“ Norbert Brackmann kann sich über viele Briefe freuen, in denen sich Bürger für sein Engagement im Allgemeinen oder für ein bestimmtes Projekt bedanken. Er bemühe sich, sachlich und bürgerorientiert seine Aufgaben als Wahlkreis-Abgeordneter wahrzunehmen und die Berliner Politik transparent rüberzubringen.

„Tatsächlich wird von den Bürgern immer stärker klare Kante gefordert. Aber das Wesen der Volksparteien ist es nun einmal, dass auch die Interessen von Minderheiten zu ihrem Recht kommen und sie sich in den politischen Beschlüssen wiederfinden.“

Wenn es künftig nicht mehr gelinge, lebenserfahrene Menschen für Politik zu begeistern und zum Mitgestalten zu bewegen, sieht Brackmann große Probleme auf die demokratischen Strukturen zukommen. Die Karriere von immer mehr Abgeordneten direkt aus der Schule zum Studium und dann ohne Berufserfahrung in die Landes- oder Bundespolitik sieht Brackmann kritisch.

Aktuelle Themen wandeln sich schnell, wie man am Beispiel des Klimaschutzes aktuell feststellen kann. „Da wird vieles wie aktuell schnellerer Kohleausstieg mit Absolutheit gefordert. Wie sollen die Ziele erreicht werden? Wir müssen auch die Auswirkungen mit berücksichtigen.“

Schon lange vor den „Fridays for Future“-Demos sind die Bundesministerien an dem Thema Klimaschutz dran gewesen, betont Brackmann: „Es wird in Deutschland schon vieles entwickelt in diesem Bereich, was in Zukunft Exportschlager sein wird“.

„Es ist positiv, dass sich die Jugend heute zu Wort meldet. Das ist eine Bewegung rund um den Globus, in der sich die Jugend sachlich engagiert. Ich finde es gut, dass sie sich für eines der wichtigsten Themen der Gegenwart einsetzt.“

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