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Lauenburg (LOZ). Die Veranstaltung „Wie die Terrorgefahr unsere Gesellschaft verändert“, zu der die SPD Lauenburg eingeladen hat, war ein voller Erfolg, freuen sich die Organisatoren. Unter der Moderation von Heide Harris (SPD Lauenburg), berichtete die Expertenrunde aus ihrem Berufsalltag und stellte sich den kritischen Fragen des Publikums. Im Gespräch waren die SPD Landtagsabgeordnete und polizeipolitische Sprecherin, Kathrin Wagner-Bockey, der Leiter des Verfassungsschutzes Hamburg, Torsten Voß und Tobias Meilicke vertrat die Organisation PROvention, eine Beratungsstelle gegen religiös begründeten Extremismus.

Meilicke berichtete anschaulich über seine Arbeit mit Jugendlichen und erklärte wie Radikalisierung entsteht. Die überwiegend jungen Menschen, die mit dem Islamismus sympathisieren würden, interessierten sich nur auf den ersten Blick für den Islam, so Meilicke. Was sie anziehe, seien das Versprechen auf ein sozial gefestigtes Umfeld, der Wunsch nach Anerkennung und einfache Antworten in einer unübersichtlichen Welt.

Die Frage aus dem Publikum, ob die Terrorgefahr in Deutschland gestiegen sei, konnte Torsten Voß nicht bejahen, allerdings sei sie unberechenbarer geworden. Zum einen sei Gewalt bewusst gegen die zivile Bevölkerung gerichtet und statt auf Sprengstoff würden Täter auf Alltagsgegenstände zurückgreifen. Das macht die Erkennung von Vorbereitungshandlungen schwieriger. Einig waren sich Torsten Voß und Wagner-Bockey darin, dass es wichtig ist, den Populisten nicht die Deutungshoheit über die gefühlte Sicherheit in unserem Land zu überlassen. „Ich finde sehr wohl, dass wir unsere Gesetze immer auch den Entwicklungen anpassen müssen. Das darf aber nicht zu einer reflexhaften Verschärfung von Überwachungsmaßnahmen führen. In diesem Zusammenhang halte ich eine ordentlich geregelte Vorratsdatenspeicherung für wichtig, sehe ich aber die automatische Gesichtserkennung und wahllose Videoüberwachung sehr kritisch.“

Alle drei waren sich einig, dass es neben einem wehrhaften Staat vor allem eine Gesellschaft brauche, die nicht auf Ausgrenzung setze, sondern auf ein gutes Miteinander. Dort wo Menschen sich gut aufgehoben fühlen und ihnen Chancen geboten werden, haben Extremisten –gleich welcher Ausrichtung, weniger Chancen.

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