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Schülervertretungen qualifizieren sich für ihre Aufgaben

Lesezeit: 4 Minuten

Lankau/Mölln (LOZ). Neu in die Schülervertretung gewählt oder auch schon ein Jahr dabei: Wie können Jugendliche gemeinsam an ihrer Schule etwas bewegen und auf sich aufmerksam machen?

Im Rahmen der Qualifizierung „Fit für Mitbestimmung“ des Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg werden gemeinsam und schulübergreifend Werkzeuge und Themen erarbeitet, die in der Praxis erprobt werden können. Nach einem halben Jahr kommen die Jugendlichen in einer außerschulischen Bildungsstätte erneut zusammen und tauschen die Erfahrungen untereinander aus.

Im November vergangenen Jahres nahmen Schülervertreter der Gemeinschaftsschulen (GMS) aus Lauenburg, Schwarzenbek und Mölln das Angebot wahr, sich an dem Einstiegsmodul „Fit für Mitbestimmung“ zu beteiligen. Vierzehn von ihnen kamen jetzt Ende Mai wieder in Lankau zusammen, um gemeinsam mit Lehrkräften und Referenten ihre Erlebnisse auszuwerten und Ideen für die künftige Arbeit zu entwickeln. Dabei begann die Anreise zu dem idyllisch gelegenen Schullandheim schon als Gruppenerlebnis: Nach dem Treffen am Möllner Bahnhof ließen sich die Teilnehmer mit dem Boot nach Lankau fahren.

„Es ist ein tolles Angebot, das wir sehr gerne wahrnehmen“, meint Timo Möller, Verbindungslehrer Schülervertretung (SV) an der GMS in Mölln. Während die Referenten Nele Schütt, Morten Vogt und Leonard Harnack, alle selbst Pädagogen, mit den Jugendlichen Ergebnisse einer Gruppenarbeit zusammentragen, berichtet Timo Möller: „Die SV-Arbeit findet größtenteils außerhalb der regulären Unterrichtszeiten statt. Da geht es zum Beispiel darum, wie Anträge gestellt werden, um Gelder zu bekommen und wie Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden können.“ Möller, dessen Schule jetzt zum dritten Mal teilnimmt, ist von dem Projekt „Fit für Mitbestimmung“ überzeugt: „Auch wir Lehrer nehmen hier neue Sachen mit“, sagt er.

Und wie sehen das Schülervertreter, die für dieses Treffen mit Übernachtung einen Freitagnachmittag und einen Sonnabend ihrer Freizeit hergeben?

„Das ganze Projekt hat Spaß gemacht und das komplette SV-Team zusammengeschweißt“, sagt die 16-jährige Marie. Sie besucht die 10. Klasse der GMS Mölln und ist bereits zum zweiten Mal bei „Fit für Mitbestimmung“ dabei. Zehn Schülerinnen und Schüler gehören an der GMS zur Schülervertretung, acht sind bei dem Treffen in Lankau dabei. „Das Einstiegsmodul hat tatsächlich geholfen, dass wir uns besser über unsere Vorhaben abstimmen. Wir haben die Initiative für ein Schul-Logo auf den Weg gebracht und ein Grillen zum Nikolaustag für die 9. und 10. Klassen organisieren können.“

Marie sagt auch: „Das Verhältnis untereinander, aber vor allem auch zu den Lehrkräften ist besser geworden. Es ist jetzt einfacher, mit den Lehrkräften zu sprechen, weil das Vertrauen gewachsen ist.“ Sie sieht aber auch künftig noch eine Menge Aufgaben vor sich. „Unsere SV hat initiiert, dass Artikel und Fotos von uns auf die Homepage der Schule kommen, weil viele Schüler gar nicht wissen, wer wir sind, und dass wir für ihre Interessen da sind. Da verzögert sich aktuell noch die Umsetzung. Seitens der Schüler kommen bislang nur selten Ideen. Wir würden uns freuen, wenn sie mit ihren Anliegen zu uns kämen“, sagt Marie.

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„Wir teilen die Arbeit zu gleichen Teilen auf“, Jan Patrick (15), GMS Mölln. Foto: Thomas Biller

 

Jan Patrick besucht die 9. Klasse in Mölln und ist neu in der SV. Der 15-jährige wurde gleich zum stellvertretenden Schülersprecher gewählt. „In unserer SV teilen wir die Arbeit zu gleichen Teilen auf. Als Sprecher hält man ab und an eine Rede und repräsentiert die SV nach außen“, sagt Jan Patrick freundlich und selbstbewusst. Mit „Fit für Mitbestimmung“ sei die Zusammenarbeit in der SV „prima“, sagt der Sprecher. Und: „Das Projekt ist auf jeden Fall wichtig, denn sonst läuft die SV-Arbeit neben der Schulzeit.“ Für Jan Patrick ist es eine sehr gute Erfahrung, dass es durch das Projekt möglich ist, sich mit anderen Schülervertretungen auszutauschen. „Wir bekommen mit, wie es in anderen Städten an den Schulen läuft und tauschen uns auch im Möllner Schülerrat aus“, sagt er.

Für den Pädagogen Timo Möller ist ein weiterer Aspekt des Projektes noch wichtig: „Man hat in diesen Seminaren endlich mal Zeit, sich der Probleme, Ideen und Wünsche der Schülerinnen und Schüler anzunehmen.“

Das aus Schleswig-Flensburg stammende Konzept wurde 2016 vom Kreisjugendring in den Kreis Herzogtum Lauenburg geholt und wird seitdem jedes Schuljahr angeboten. Ziel der Qualifizierung der Schülervertretungen ist, dass sich Schüler mit ihren Rechten in Schule auseinandersetzen und die Kompetenzen erwerben, um sich für diese einzusetzen und Schule aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig werden diese Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrkräfte als Multiplikatoren für mehr Demokratie, Verantwortung und Engagement innerhalb und außerhalb von Schule gesehen.

„Fit für Mitbestimmung“ wird im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie Kreis Herzogtum Lauenburg durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

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