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Mölln (LOZ). Die Mitglieder des regionalen Ausbildungsbündnisses* trafen sich im Jobcenter in Mölln, um eine erste Bilanz zum Ausbildungsmarkt in den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn zu ziehen.

Das gemeinsame Fazit: die Zahl der bislang gemeldeten Ausbildungsstellen liegt mit 2.257 in beiden Kreisen auf einem 10-Jahres-Höchstwert zu diesem Zeitpunkt und die Unternehmen suchen in fast allen Bereichen Nachwuchs. Für insgesamt 1.400 Ausbildungsstellen wird noch Nachwuchs gesucht.

Für eine abschließende Bewertung der Situation am Ausbildungsmarkt ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu früh. Hierin sind sich alle Teilnehmer des regionalen Ausbildungsbündnisses, die sich im Jobcenter Mölln für eine aktuelle Zwischenbilanz getroffen haben, einig. Einige Trends gibt es jedoch: die Unternehmen wollen ausbilden, die Zahl der betrieblichen Ausbildungsstellen ist zum Vorjahr nochmals gestiegen und es gibt weiterhin ein breites Angebot an Ausbildungsplätzen zum Herbst.

„Im Kreis Stormarn ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen aktuell mit 1.307 zwei Prozent höher als im Vorjahr, im Kreis Herzogtum Lauenburg liegt sie mit 950 sogar um 16 Prozent über dem Vorjahresniveau“, berichtet Dr. Heike Grote-Seifert, Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe. „Das zeigt, dass die Unternehmen in beiden Kreisen weiter auf die duale Ausbildung setzen und sich in der Ausbildung junger Menschen stark engagieren. Die Zahl der Bewerber liegt mit aktuell 1.856 (Kreis Stormarn 944, Kreis Herzogtum Lauenburg 912) leicht unter dem Niveau des Vorjahres, in dem 121 Jugendliche mehr ausbildungssuchend gemeldet waren“, so Grote-Seifert weiter.

Die Vertreter aus dem Handwerk betonen die hohe Ausbildungsbereitschaft auf Seiten der Handwerksbetriebe. „Zum jetzigen Zeitpunkt liegen etwa ein Viertel der einzutragenden Ausbildungsverträge vor. Daher haben wir aktuell nur einen Zwischenstand“, sagt Christian Maack von der Handwerkskammer Lübeck. „In den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn liegt die Zahl der Ausbildungsverträge über dem Vorjahresniveau. Im Kreis Herzogtum Lauenburg sind bislang 112 Ausbildungsverträge eingetragen worden, das sind zwei mehr als im Vorjahr. Im Kreis Stormarn liegt die Zahl aktuell bei 125, ein Plus von 23 zum Vorjahr. Ein Grund für den Anstieg ist, dass im Handwerk die Ausbildungsverträge zunehmend früher abgeschlossen werden.“

Aber Ausbildungssuchende fänden in beiden Kreisen noch in fast allen Handwerksbereichen Ausbildungsangebote. Angesichts der weiterhin sehr guten Konjunktur suchten viele interessante Betriebe nach neuen Auszubildenden. Diese Chance sollten sich die Schulabgänger nicht entgehen lassen „Eine Umfrage unserer Mitgliedsbetriebe im Lauenburgischen hat ergeben, dass noch mehr als 80 freie Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen“, so Susanne Bendfeldt, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Herzogtum Lauenburg.

Auch im Bereich der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck (IHK) suchen viele Unternehmen weiterhin Ausbildungsnachwuchs, berichtet Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung Dr. Ulrich Hoffmeister: „Im Zwischenergebnis bei den eingetragenen Ausbildungsverträgen liegen wir aktuell fünf Prozent über dem Vorjahr. Im Lauenburgischen sind mit 153 bislang sieben Ausbildungsverträge mehr als im Vorjahr eingetragen, in Stormarn liegt die Zahl bei 330. Das sind 25 mehr zum Vorjahr. Freie Ausbildungsstellen finden Bewerber aber noch in fast allen Ausbildungsberufen, so zum Beispiel bei den Metallberufen oder den Bankkaufleuten.“

Die Mitglieder des regionalen Ausbildungsbündnisses werben dafür, sich über die Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort zu informieren. „In unseren beiden Kreisen gibt es unabhängig vom Schulabschluss ein interessantes und anspruchsvolles Ausbildungsangebot, engagierte Ausbildungsbetriebe und nach der Ausbildung sehr gute berufliche Perspektiven“, sind sich alle einig.

Von Seiten der Beruflichen Schulen berichtet Micha Garber, stellvertretender Schulleiter der Beruflichen Schule in Bad Oldesloe: „Wir bieten den jungen Menschen ein breites Bildungsangebot.“ Dazu gehören neben den allgemeinbildenden Abschlüssen mit beruflichem Schwerpunkt die beruflichen Bildungsgänge zum Erzieher, zum sozialpädagogischen Assistenten oder zur Fachkraft für Pflegeassistenz, die in Ahrensburg, Bad Oldesloe und Mölln angeboten werden. Gerade in den Kindertagesstätten wie in den Pflegeeinrichtungen sei der Fachkräftemangel in der Region nach wie vor sehr hoch. „Eine Aufnahme zum Sommer 2019 ist in den meisten Bildungsgängen nach wie vor möglich. Interessierte Jugendliche können sich gerne bei uns melden“, so Garber weiter. Insbesondere im Bereich der Pflegeassistenz gäbe es noch freie schulische Ausbildungsplätze.

Matthias Links, stellvertretender Schulleiter des Regionalen Berufsbildungszentrums in Mölln weist noch einmal darauf hin, dass die Zahl der Jugendlichen, die meist aufgrund eines Fluchthintergrundes über mangelnde Deutschkenntnisse verfügen und sich in der dualen Berufsausbildung befinden, ungebrochen hoch ist. „Wir versuchen mit unterschiedlichen Maßnahmen, wie Zusatzunterricht oder Doppelbesetzung die Geflüchteten in der Berufsausbildung sprachlich gezielt zu fördern“, so Links.

„Dennoch zeigt sich immer wieder, dass es für die jungen Migranten äußerst schwer ist, dem Unterricht zu folgen und letztendlich die Abschlussprüfung mit Erfolg zu bestehen, wenn zu Beginn der Ausbildung nicht mindestens die deutsche Sprache auf Niveau B1 beherrscht wird.“ Dies decke sich mit der Forderung des Bildungsministeriums sowie des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge, die als Voraussetzung für das erfolgreiche Durchlaufen einer dualen Berufsausbildung ebenfalls das Sprachniveau B1 zu Beginn der Ausbildung ansehen.

Bei vielen Jugendlichen liegt es derzeit im Trend, nach dem Schulabschluss zunächst eine Zeit im Ausland zu verbringen. „Für die persönliche Entwicklung ist dies durchaus positiv. Jedoch stellen wir fest, dass viele dadurch Zeit verlieren, dass sie sich nicht rechtzeitig um eine Anschlussperspektive gekümmert haben“, sagt die Chefin der Arbeitsagentur. Der Plan für Ausbildung oder Studium nach der Rückkehr sollte stehen, bevor der Auslandsaufenthalt beginnt, empfiehlt Grote-Seifert. „Sonst geht Zeit verloren, weil zum Beispiel Fristen versäumt werden. Unsere Berufsberater, die regelmäßig Sprechstunden in allen Schulen anbieten, sind für die frühzeitige Planung und Beratung die richtigen Ansprechpartner“, erklärt sie. „Der ideale Zeitpunkt, mit seiner Berufsorientierung und - planung zu beginnen, ist spätestens ein Jahr vor dem Schulabschluss.“

Bei aktuell rund 1.400 freien Ausbildungsstellen (805 im Kreis Stormarn, 598 im Kreis Herzogtum Lauenburg) haben aber auch die Jugendlichen noch Chancen auf eine Lehrstelle, bei denen der Schulabschluss jetzt ansteht und die bei der Berufs- und Ausbildungssuche bislang nicht aktiv geworden sind. Ihnen rät die Chefin der Arbeitsagentur: „Sie sollten sich jetzt bei uns melden. Unsere Berufsberater helfen, den richtigen Ausbildungsberuf und die passende Ausbildungsstelle zu finden. Und wenn der Wunschausbildungsplatz doch nicht mehr zu finden ist, suchen sie gemeinsam mit dem Jugendlichen nach passenden Alternativen.“

Termine mit den Berufsberatern können per Mail an badoldesloe.berufsberatung@arbeitsagentur.de oder telefonisch unter der kostenfreien Rufnummer 0800 / 4 5555 00 vereinbart werden.

TOP 10 unbesetzte Ausbildungsstellen

Kreis Stormarn:

Kaufmann/frau im Einzelhandel 74 Ausbildungsstellen
Verkäufer/in 42
Fachkraft Lagerlogistik 36
Fachlagerist/in 28
Anlagenmechaniker
Sanitär-, Heiz., Klimatechnik 27
Kaufmann/frau Büromanagement 22
Fachverkäuferin Bäckerei 21
Industriekaufmann/frau 21
Metallbauer Konstruktionstechnik 20
Elektroniker/in Energie-/Gebäudetechnik         20

Kreis Herzogtum Lauenburg:

Kaufmann/frau im Einzelhandel 46 Ausbildungsstellen
Anlagenmechaniker
Sanitär-, Heiz., Klimatechnik 26
Verkäufer/in 26
Fachverkäuferin Bäckerei 22
Bäcker/in 21
Elektroniker/in Energie-/Gebäudetechnik 15
Konditor/in 15
Berufskraftfahrer/in 15
Kaufmann/frau Büromanagement 15
Fleischer/in 14

*Hintergrund-Info:

Mitglieder des regionalen Ausbildungsbündnisses sind die Kreishandwerkerschaften Stormarn und Herzogtum Lauenburg, die Handwerkskammer Lübeck, die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, die Beruflichen Schulen aus den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg, die Jobcenter Stormarn und Herzogtum Lauenburg sowie die Agentur für Arbeit Bad Oldesloe.

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