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(LOZ). Die von der Landespolizei Schleswig-Holstein registrierten Eingangszahlen zu Wohnungseinbrüchen für 2017 sind auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Im Jahr 2017 wurden 5.492 Einbrüche und Einbruchsversuche aufgenommen – im Jahr 2015 waren es noch 9.095. Zudem ist der Anteil der Einbruchsversuche an der Gesamtzahl gestiegen.

Festnahmen von Tatverdächtigen in mindestens 126 Fällen

"Schleswig-Holstein ist 2017 sicherer geworden. Das liegt zum einen an einer eindeutigen Schwerpunktsetzung unserer Landespolizei. Die erfolgreiche Umsetzung des landesweiten polizeilichen Konzeptes zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls hat unter anderem zur Ermittlung und zu Festnahmen von Tatverdächtigen in mindestens 126 Fällen geführt, die sowohl allein als auch aus Gruppenstrukturen heraus gehandelt haben. Davon wurden 83 allein auf Frischer Tat ertappt. Für diese Erfolge in einem für die Opfer besonders stark belastenden Kriminalitätsfeld danke ich unserer Polizei heute ausdrücklich", sagte Innenminister Hans-Joachim Grote bei der Vorstellung der Daten in Kiel.

Mit Fördermitteln des Landes wurden 2.780 Wohnungen und Häuser sicherer gemacht

Der Innenminister betonte, dass die zunehmende Eindämmung des Wohnungseinbruchsdiebstahls eine gemeinsame Leistung von Polizei und Gesellschaft sei. Der Besuch von Informations- und Präventionsveranstaltungen der Polizei zum Thema Einbruchschutz sei deutlich gestiegen. Die Förderprogramme für die Verbesserung des Einbruchsschutzes würden hervorragend angenommen. In den vergangenen 14 Monaten seien unter Verwendung von Fördermitteln des Landes in Höhe von knapp drei Millionen Euro 2.780 Wohnungen und Häuser sicherer gemacht worden. "Deshalb bin ich froh, dass die Regierungsfraktionen mit ihren Änderungsanträgen zum Haushalt noch einmal 500.000 Euro zusätzlich bereitstellen. Auch 2018 werden wir deshalb eine Million Euro zur Verfügung haben, um Wohnungen sicherer zu machen", so Grote.

Aus der kürzlich veröffentlichten Dunkelfeldstudie der Polizei sei darüber hinaus ein deutlicher Anstieg der Wachsamkeit der Menschen und auch der Anzeigequote schon bei versuchten Einbrüchen abzulesen. "Diese Mithilfe und diese Hinweise aus der Bevölkerung braucht unsere Polizei auch weiterhin, um so erfolgreich wie bisher arbeiten zu können", so Grote.

Schwerpunktsetzung der Landespolizei im Bereich der Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls

Kriminaldirektor Rainer Bretsch stellte die Schwerpunktsetzung der Landespolizei im Bereich der Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls vor. Seit 2012 bestehen ein Landeskonzept und damit verzahnte örtliche Bekämpfungskonzepte der Polizeidirektionen. Kernpunkte sind neben verstärkten Präventionsmaßnahmen:

Intensivierte Tatortarbeit und verstärkte Spurensicherung
Intensivierte Kontrolltätigkeit und Hinweisaufnahme
Priorisierung von kriminaltechnischen Untersuchungen
Täterorientierte zentrale Informationssammlung und Auswertung
Länderübergreifende und internationale Zusammenarbeit
28 speziell ausgebildete zusätzliche Spurensicherungskräfte

Die professionelle Tatortarbeit wird in Schleswig-Holstein nicht nur von Polizeivollzugsbeamten, sondern auch durch 28 speziell ausgebildete zusätzliche Spurensicherungskräfte gewährleistet. Trotz des Rückgangs der Einbruchszahlen verzeichnete das KI eine Steigerung von rund 1.800 Anträgen in 2015 auf 2.700 Anträge in 2016 und 2017. Auch die Qualität der eingesandten Spuren hat sich deutlich verbessert. Künftig geht es darum, die Spurensicherungskräfte noch schwerpunktorientierter einzusetzen und gegebenenfalls zu verstärken.

Konzentration der Kräfte in den Polizeidirektionen

In den Polizeidirektionen wurden Kräfte konzentriert. So wurde beispielsweise in der PD Bad Segeberg eine Sonderkommission eingerichtet. Zehn kriminalpolizeiliche Ermittler aus den einzelnen Kriminalpolizeidienststellen, 15 Ermittlungsunterstützer aus den Revieren und die Kräfte des zivilen Streifenkommandos wurden in Pinneberg zentralisiert. Diese SoKo wird durch vier Spurensicherungskräfte und zwei Tarifbeschäftigte für den Bereich der Sachfahndung unterstützt. Im Landeskriminalamt wurde eine Geschäftsstelle für das WED-Konzept eingerichtet. Mehrere Auswerter beschäftigen sich nun ausschließlich mit dem Wohnungseinbruch.

Anhalte- und Sichtkontrollen

Auch im laufenden Winterhalbjahr wurden in Schleswig-Holstein wieder Anhalte- und Sichtkontrollen durchgeführt. Die Anordnung dieser Kontrollen resultierte aus einer fortlaufenden Lageanalyse und der Feststellung besonderer Tathäufungen. Ziel der Maßnahmen ist, nicht nur einen spürbaren Kontrolldruck aufzubauen, sondern vor allem relevante Informationen zu sammeln, um Tat- und Täterzusammenhänge erkennen zu können. Neben intensiven Ermittlungen und umfangreicher Präventionsarbeit gehören auch diese Kontrollen zu den wichtigen Instrumenten, um die Einbruchkriminalität ganzheitlich zu bekämpfen.

Erhebliche Fortschritte in der Prävention

Polizeidirektor Axel Behrends betonte, aus Sicht der polizeilichen Kriminalprävention seien das Bewusstsein für Gefahren und Schwachstellen, das richtige Verhalten und die Sicherung des eigenen Wohnraums entscheidende Faktoren, um Einbrechern das Handwerk zu legen. Hier seien im vergangenen Jahr erhebliche Fortschritte gemacht worden. Das Verhältnis von vollendeten zu versuchten Taten habe sich deutlich verschoben. Dies sei aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf mehr Sensibilität und bessere Präventionsmaßnahmen zur Eigentumssicherung zurückzuführen, die es weiter auszugestalten gelte.

Etwa 60 Präventionsbeamtinnen und -beamte im Tagesdienst

Behrends rief dazu auf, die Informations- und Beratungsangebote der Landespolizei zu nutzen. Die Präventionsstellen der Landespolizei bieten eine Vielzahl von Informationsveranstaltungen an, vom Info-Stand im Supermarkt bis hin zu zum Tag des Einbruchschutzes, um auch persönlich zu beraten und zu informieren. Im vergangenen Jahr fanden 105 Veranstaltungen dieser Art statt. Insgesamt rund 60 Präventionsbeamtinnen und -beamten hätten im Tagesdienst ungezählte so genannte aufsuchende Beratungsgespräche nach einem Einbruch oder auch Präventionsstreifen geführt, bei denen Bürgerinnen und Bürger auf Schwachstellen hingewiesen werden. Die sicherungstechnische Vor-Ort-Beratung werde durch Fachunternehmer gewährleistet, die als Partner mit der Landespolizei zusammenarbeiten und überwiegend eine kostenfreie Beratung anbieten.